Medienberichte 28.10.

Der Westen: Günter Grass: Froh über "Stuttgart 21"-Demos
Eßlinger Zeitung: Stuttgart-21-Gegner drohen mit Schlichtungsende
Pforzheimer Zeitung: Keine Zukunft für den Intercity
taz: Demo-Opfer fühlen sich eingeschüchtert
20 Minuten (CH): Ein T-Shirt erhitzt die Gemüter
Stuttgarter Zeitung: Untersuchungsausschuss Sitzungen live im Internet
Stuttgarter Zeitung: OB Schuster lässt sich vertreten
Stuttgarter Zeitung: Rathaus Schlichtung wäre nichts für Goll
Runners World: Dieter Baumann - Fahrtspiel im heißen Herbst
Reutlinger General Anzeiger: Landtag untersucht Polizeieinsatz gegen Demonstranten
SF Fernsehen: SPD-Antrag für Volksabstimmung abgelehnt
NZZ: Vorerst keine Volksabstimmung über «Stuttgart 21»
Spiegel: Landtag lehnt Volksentscheid über Stuttgart 21 ab
telepolis: David gegen Goliath
Märkische Allgemeine: Brüderle will nationalen Pakt für den Netzausbau
Neue Rottweiler Zeitung: 20 Teilnehmer bei Demo in Oberndorf
Stuttgarter Zeitung: Rosensteinviertel-Die Bürger sollen mitreden
DDP: Fahrgastverband PRO BAHN fordert Deutsche Bahn zu mehr Sachlichkeit auf
Stuttgarter Nachrichten: FDP will Stuttgart-21-Gelder für Hessen
ZEIT: Protestbier im Tanzwaggon
taz: Stuttgart ist nicht die Schweiz

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1 Antwort zu Medienberichte 28.10.

  1. tojodahm sagt:

    Eine Glosse zum Thema:

    >>Verdacht des Auftretens einer unentdeckten sexuellen Deviation bei S21 Befürwortern<<

    Was muss in jungen Männern vorgehen, die in brünftiger Liebe zu einem Bauprojekt entbrannt, geschmückt mit Buttons mit dem Motto „Ich liebe Stuttgart 21“, laut „oben ohne!“ rufend, wöchentlich in Horden triebsublimierend durch Stuttgarts Schlossgarten laufen und sich mit T-Shirts kleiden, auf denen Häschen abgebildet sind mit dem Motto „Parkerweiterer“?
    Wer einmal – wie ich jüngst – den irren, ja nachgerade lüsternen Blick dieser jungen Männer in kurzen Hosen, die bei ihren Dauerläufen selbst dem kalten herbstlichen Regen strotzen, gekreuzt hat, der bleibt verstört und nachdenklich zurück. Was mag hier geschehen sein? Handelt es sich um eine neue, bisher unentdeckte Paraphilie, eine bisher unbeschriebene sexuelle Deviation? Als ich dann vor wenigen Tagen ein T-Shirt dieser S21 Befürworter sah, auf dem eine kniende nackte Frau abgebildet ist und die Aufschrift trägt: „Tu´ IHN unten rein! Stuttgart 21“, fühlte ich mich ich herausgefordert, der Sache auf den Grund zu gehen.

    Ich schlage als Arbeitshypothese zunächst den Begriff des „Projektfetischismus“ vor und möchte versuchen dieses neue Phänomen nachfolgend etwas näher zu ergründen. Ich möchte dabei vorab sagen, dass ich mich dem Gegenstand rein deskriptiv und nicht wertend nähern möchte.

    Bevor wir zur Erhärtung des Verdachts auf ein abweichendes Verhalten kommen, möchte ich vorab nochmals zusammenfassen, worauf sich die Zuneigung durchschnittlicher junger Männer für gewöhnlich richtet. Niemand würde sich wundern, richtete sich die Zuneigung, ja brennende Leidenschaft jener Junger Männer auf eine Frau, bei homosexueller Ausrichtung auch auf ihren Lebenspartner. Auch ist es nicht ungewöhnlich, von der Liebe zur Heimat, zur eigenen Stadt oder Ähnlichem zu sprechen. All dies sind greifbare, erfahrbare, ja, reale Objekte, auf die sich diese Zuneigung ausrichten und dort auch ihre Erfüllung finden kann. Doch hier zeigt sich ein völlig neues Phänomen. Die Liebe zu einem Projekt, zu etwas, das noch gar nicht Gestalt angenommen hat, also zu etwas Zukünftigen. Wir können hier also gewissermaßen von einer Manifestation der Liebeserfüllung „in spe“ sprechen. Einem in die Zukunft projizierten, von Sublimationshandlungen (im Gruppenauftritt) begleiteten, sexuellen Erfüllungswunsch; einer durch die in Stuttgart grassierenden Wiederstände gegen das besagte Bauprojekt prekär gewordenen Erfüllungshoffnung.

    Spannungsfeld zwischen Triebaufschub und Frustrationsangst

    Hier ergeben sich zwei wichtige Gesichtspunkte: Erstens der Aspekt des Aufschubs bzw. der Prokrastination (d.h. dem bewussten Aufschieben) dieser Phantasieerfüllung, zweites der Aspekt des Prekären, der Gefährdung dieser Erfüllungshoffnung durch die augenblicklich breite Infragestellung des Bauprojekts S21. Das sich hieraus ergebende Spannungsverhältnis erscheint mir einen Erklärungsansatz zu bieten für die sich im Zuge der Demonstrationen der S21 Befürworter zeigenden Macht- bzw. Allmachtsphantasien. Wie sonst ließen sich die Schlachtrufe der Befürworter „Wir sind Stuttgart“ anders erklären? Ich will dem übereiligen Leser gleich widersprechen, der zum vorschnellen Urteil gelangen könnte, es handele sich hier bei den Befürwortern um Anmaßung. Nein, vielmehr muss aus der Perspektive der Betroffenen hier von einer Ausweichhandlung im Sinne einer Selbstermutigung angesichts der Unsicherheit der künftigen Verwirklichung des Projekts S21 ausgegangen werden. Insbesondere, nachdem das gewaltsame „Durchgreifen“ am 30.09.2010 nicht die erhoffte Wirkung gezeitigt, sonder sich im Nachgang als noch vertiefende Gefährdung der Erfüllungshoffnung auf Seiten der Befürworter erwiesen hat.

    Exkurs: Belohnungsaufschub

    Des besseren Verständnisses wegen muss an dieser Stelle kurz auf das Prinzip des Belohnungsaufschubs zurückgegriffen werden. Belohnungsaufschub ist ein Begriff aus der Psychologie und bedeutet, dass die Belohnung nicht sofort sondern verzögert erfolgt. Dabei wird auf eine unmittelbare (anstrengungslose) Belohnung zu Gunsten einer größeren Belohnung in der Zukunft verzichtet, die allerdings entweder erst durch Warten oder durch vorherige Anstrengung erlangt werden kann. Wie man nicht zuletzt bei der Kundgebung am vergangenen Samstag auf dem Stuttgarter Schlossplatz sehen konnte, werden dazu kostenlose alkoholische Getränke im Sinne eben einer solchen „unmittelbaren“ und „anstrengungslosen“ Belohnung an die Befürworter ausgegeben, um die Anstrengungsbereitschaft mit Blick auf die lange Zeitspanne bis hier zur Projektrealisierung und die damit einhergehende Sehnsuchtserfüllung zu stärken. Die Bedeutung dieses von den Gegnern des Projekts einseitig und wenig gründlich als „Freibierausschank“ diffamierten Vorgangs erschließt sich also erst im Kontext dieses hoch komplexen psychologischen Triebsublimierungsvorgangs. Wie intuitiv richtig dieses Bedürfnis gehandhabt wird, zeigt sich auch dadurch, dass sich im Bündnis für S21 eigens eine Gruppe von Befürwortern gegründet hat mit dem Projektnamen „proSit“.

    Phantasien von Häschen und Jagdgründen

    Während sich die oben zitierten Slogans auf den von den Befürwortern ostentativ, und damit einem öffentlichen Bekenntnis gleichend, getragenen Buttons „Ich liebe Stuttgart“ und „Oben Ohne“ in ihrer doch eher eindimensionalen Bedeutung recht einfach erschließen lassen, stellt der Slogan „Park Erweiterer“ nebst dem auf dem Button abgebildeten Häschen schon eine größere hermeneutische Herausforderung für die Entschlüsselung der darin enthaltenen Emblematik dar. Worin mag der Zusammenhang zwischen „Häschen“ und „Erweiterung“ bestehen? Dem erfahrenen Leser stellt sich im sexuellen Kontext beim Begriff Häschen natürlich sofort die Konnotation zu Hugh Heffners Playboy ein. Während besagter Hugh Heffner gewissermaßen als Erfinder der synonymischen Gleichsetzung von Häschen und der „attraktiven, leicht bekleideten jungen Frau“ gelten kann und dabei immerhin jeweils von realen, wirklichen und im wahrsten Wortsinne „anfassbaren“ Frauen ausging, scheint sich bei den Befürwortern auch hier eine Verschiebung der Projektion auf etwas Ungreifbares, Flüchtiges (der Hase ist ein Fluchttier!), wenngleich Niedliches, Schutzbedürftiges und zugleich Erjagenswertes zu konzentrieren. Was liegt hier also vor? Ich möchte an dieser Stelle von vornherein jede oberflächlich naheliegende Konnotation zum österlichen Hasenmotiv als Hypothese ausschließen. Vielmehr komme ich zu dem Schluss, dass sich die Befürworter wiederum im Sinne einer prokrastinierenden, aufschiebenden und dabei triebsublimierenden Handlung der Phantasie einer unendlichen Erweiterung ihres sexuellen „Jagdgrundes“ hingeben. Nur durch die allgegenwärtige und zum Gemeinplatz gewordene unmittelbare Assoziation des Häschenmotivs mit der „attraktiven, leicht bekleideten jungen Frau“ lässt sich dies erklären. Der Befürworter nimmt seine Trieberfüllungsphantasie in die eigene Hand und will mit seiner Unterstützung für die Umsetzung bzw. Verwirklichung des Bauprojekts Stuttgart 21 unterbewusst seine Chancen auf eine Trieberfüllung durch die Vermehrung der Häschen und ihres Lebensraums („Park Erweiterer“) als Symbol der projizierten Begierde vermehren. Der Leser mag diese These zunächst für gewagt halten, doch wende ich ein, dass sich spätestens beim Betrachten obigen T-Shirts dieser Schluss als durchaus naheliegend aufdrängt: „Tu´ IHN unten rein! Stuttgart 21“.

    Im zweiten Teil meiner Überlegungen werde ich mich abschließend mit folgenden Aspekten beschäftigen:

    – Tunnelphantasien und Phallusmetaphern der Projektbeführworter

    – Der Versuch einer Ätiologie (Ursachenforschung) des Projektfetischismus

    http://www.parkschuetzer.de/statements/tags/projektfetischismus

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