Übersicht über die Auswirkungen der Konzepte S21 und K21 auf den Bahnhof Bad Cannstatt

Stuttgart 21

Der Bahnhof Bad Cannstatt ist DER große Verlierer des Projektes Stuttgart 21. Der Grund ist ganz einfach. Fast alle auf dem Weg vom Stuttgarter Hbf über Plochingen nach Ulm oder Tübingen fahrenden Regionalzüge werden über die neue unterirdische Trasse an Bad Cannstatt vorbei direkt nach Esslingen geleitet. Die Folge: Statt heute 193 RE- und RB-Züge werden den Bahnhof Bad Cannstatt nur noch rund 140 Züge pro Tag bedienen.

Im Einzelnen soll sich folgendes ändern:

  • Die S-Bahnen von Bad Cannstatt enden zukünftig alle in Schwabstraße, denn weiter in Richtung Vaihingen werden die Linien S4, S5 und S6 fahren. Diese Veränderung ist eine Ursache der Fahrzeitverlängerung um 2 Minuten durch den neuen Bahnhof Mittnachtstr. Fahrzeitverlängerung nach Vaihingen, zum Flughafen und nach Herrenberg 5 Minuten.
  • Die Remsbahn fährt ganztägig alle 30 Min.
  • Die Murrbahn wird von der RB weiterhin nur stündlich bedient. Zusätzlich fährt alle 2 Stunden ein RE von/nach Nürnberg, der zwischen Backnang und Schwäbisch Hall nur 2 mal hält. Diese Züge halten in Bad Cannstatt nur in Richtung Stuttgart. Wer in Richtung Crailsheim einsteigen will muss dies schon bei der Fahrt in Richtung Stuttgart tun und darf dann in Stuttgart Hbf rund 10 Min. warten.
  • Die stündlichen Regionalbahnen von Schwäbisch Hall fahren weiter über Flughafen und Böblingen nach Freudenstadt, Rottweil oder Singen.  Dies ist der einzige Vorteil von S21 für Bad Cannstatt.
  • Auf der Filstalstrecke sollen zukünftig stündlich je ein RB- und 1 RE-Zug Richtung Göppingen – Ulm fahren. Ohne Umweg über den neuen Hauptbahnhof hält aber nur der RB-Zug in Bad Cannstatt und das auch nur am Morgen in Richtung Stuttgart und am Nachmittag aus Richtung Stuttgart. Ansonsten gilt, wie auch beim RE-Zug: Man kann zwar ohne Umsteigen nach Göppingen fahren, muss aber den Umweg über den Hauptbahnhof und 10-13 Minuten Aufenthalt dort mitmachen. Fahrzeitverlust: 10-15 Minuten!
  • In Richtung Tübingen gibt es nur noch stündliche Züge über Flughafen, Nürtingen und Reutlingen. Wegen 12 Minuten Aufenthalt im Hauptbahnhof verlängert sich die Fahrzeit nach Nürtingen um 4 Minuten. Nach Wendlingen kommt man nur noch mit der S-Bahn (Fahrzeitverlust  7 Minuten) und nach Metzingen ohne Umsteigen überhaupt nicht mehr.

Kopfbahnhof 21

Bei Kopfbahnhof 21 behält der Bad Cannstätter Bahnhof seine Drehscheibenfunktion des öffentlichen Verkehrs. Alle RB- und RE-Züge halten dort auf den Wegen von Stuttgart in Richtung Waiblingen oder Plochingen. Neu hinzu kommt die neue Verbindung der S5 im Halbstundentakt vom Stuttgarter Hauptbahnhof (oben) über Bad Cannstatt und von dort Nonstop über die Anbindung der Neubaustrecke nach Ulm zum Flughafen.

Im Einzelnen soll sich folgendes ändern:

  • Bei den S-Bahnen der Linien S1, S2, S3 ändert sich gar nichts. Sie fahren wie bisher, also auch umsteigefrei zur Uni, nach Vaihingen, zum Flughafen und nach Herrenberg. Nur die schnelle S5 zum Flughafen und von dort weiter über Echterdingen und Leinfelden zurück nach Stuttgart kommt noch dazu. Mit der S5 verkürzt sich die Fahrzeit zum Flughafen um 23 Minuten auf 12 Minuten!
  • Die Remsbahn fährt ganztägig alle 30 Min.
  • Auch die Murrbahn fährt bis Schwäbisch Hall-Hessental ganztägig alle 30 Minuten.
  • Neu gibt es halbstündlich umsteigefreie RB-Züge nach Heilbronn, die in Stuttgart Hbf wie ein ICE nur noch 4 Minuten Aufenthalt haben.
  • Auf der Filstalstrecke fährt bis Süßen halbstündlich eine Regionalbahn mit Halt ab Plochingen auf allen Unterwegsbahnhöfen. Von Süßen wird stündlich entweder auf der reaktivierten Strecke nach Donzdorf oder als RE mit Halt in Geislingen und Amstetten nach Ulm gefahren.
  • In Richtung Tübingen über Plochingen gibt es bis Nürtingen ganztägig alle 30 Minuten einen RE-Zug. Weiter über Metzingen und Reutlingen nach Tübingen wird zwar nur stündlich gefahren, aber die in Nürtingen endenden Züge haben dort alle direkten Anschluss an einen RE, der vom Flughafen kommt und weiter nach Metzingen, Reutlingen und Tübingen fährt.

Fazit: Wenn Sie nicht zufällig regelmäßig nach Freudenstadt, Horb, Rottweil, Tuttlingen oder Singen fahren, haben Sie von Stuttgart 21 außer viel Ärger durch Verspätungen, die ein zu klein geplanter Bahnhof zwangsläufig produziert, nichts. Alle Nutzer der Verbindungen in Richtung Plochingen – Ulm/Tübingen haben durch S21 sogar gravierende Nachteile. Anders bei K21. Es kommt ohne diese Verschlechterungen aus und verbessert das Fahrplanangebot auf allen von Bad Cannstatt ausgehenden Linien und kostet auch noch viel weniger!

4 Kommentare zu Übersicht über die Auswirkungen der Konzepte S21 und K21 auf den Bahnhof Bad Cannstatt

  1. Leider wurden hier nur die Zugrelationen und Fahrzeiten behandelt. M.E. wird es aber auch zu erheblichen Um- und Rückbaumaßnahmen kommen. Der Rückgang auf künftige ca. 140 Zugabfahrten pro Tag wird sicher dazu benutzt von den derzeit 8 Gleisen einige abzubauen. Ausserdem müssen wahrscheinlich bedingt durch die neuen S21-Anschlußtunnels die S- und Regio- bzw.Fern-Gleise erneut verschwenkt werden. Ähnliche Umbaumaßnahmen drohen vermutlich auch dem Bahnhof Stuttgart-Feuerbach !? Oder sieht der sog. S21-Fortschritt so aus, daß bisherige kreuzungsfreie Überwerfungsbauwerke durch niveaugleiche Weichenstrassen ersetzt werden ?

  2. Gianfranco Arturi sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    es wurde mir gesagt, dass eine Direktverbindung für den Bahnhof Waiblingen – Bahnhof Böblingen geplant werden soll. Diese Direktverbindung soll mit einer Zeitgewinnung für die Fahrgäste perfekt gemacht werden.

    Da meine Freundin täglich die Strecke fahren muss, kommt diese tolle Ankündigung gerade recht.

    FRAGE: WANN soll diese Strecke letztendlich DIREKT angefahren werden? WANN werden endlich die Fahrgäste mit dieser momentanen Plage des Umsteigens erlöst?

    LEIDER habe bereits E-Mails verfasst und auf eine Antwort gehofft. LEIDER blieben alle E-Mails ohne Antworten.

    Die meisten Fahrgäste sind gezwungen, sich auf die Bahn zu verlassen, jedoch ist es eine Enttäuschung, wenn die Bahn pünktlich zum Jahresbeginn die Preise erhöht, aber Verspätungen, Ausfälle der Klimaanlagen oder eben keine Antworten geben kann!

    DAHER BITTE ICH SIE, MIR EINE ANTWORT AUF MEINE FRAGE ZU GEBEN, wann mit einer DIREKTVERBINDUNG geplant werden kann.

    Ich bedanke mich recht herzlich für Ihre Mühe und hoffe auf eine baldige und vor allem positive Antwort.

    Mit freundlichen Grüßen

    Gianfranco Arturi

  3. Hans sagt:

    Hallo Herr Herrmann,
    glauben sie wirklich die Leute die die Filstalstrecke fahren wollen, erst zum Hauptbahnhof um dort zu warten und dann zurück Reichenbach, Göppingen usw. zu fahren.
    Ich denke die Fahrgäste werden dann so schlau sein mit der S-Bahn zb. nach Esslingen zu fahren und dort in der RE umzusteigen. Zwar muss dann auch umgestiegen werden, aber der Zeitverlust dürfte sehr viel geringer sein.
    Das sollten sie auch erwähnen, wenn es ihnen um Transparenz geht.

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