Pläne für den Bonatz-Bau: Der Ausverkauf geht weiter

In einer Pressemitteilung der Fraktionsgemeinschaft SÖS Linke PluS vom 8. Juni wird die weitere Zerstörung des Bahnhofgebäudes angeprangert:

Ohne Stuttgart 21 wäre es ein Weltkulturerbe mitten in der Stadt. Dann rollten die Bagger an und rissen die beiden Flügel ab. Der Denkmalschutz ließ es geschehen. „Jetzt sehen wir die Fortsetzung dieser Zerstörung. Bahn, Land und Stadt lassen zu, dass vom Bonatz-Bau nur noch das Gerippe stehen bleibt und der Rest kommerzialisiert wird“, kritisiert Hannes Rockenbauch, Fraktionsvorsitzender von SÖS LINKE PluS die Pläne, im Bahnhofsgebäude ein Hotel und eine Shoppingmall zu bauen. „Der Ausverkauf von öffentlichem Raum muss ein Ende haben. Die Erhaltung von Kulturdenkmälern wie dem Stuttgarter Hauptbahnhof gehört zu den Kernaufgaben der öffentlichen Hand“, kritisiert Rockenbauch.

Bereits am 17. Juni 2015 hatte Hannes Rockenbauch kritisiert, dass die Entscheidung über die Nutzung des Bonatz-Baus weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschehen sei und ohne Bürgerbeteiligung ablief. „Da macht man es sich einfach: hinter verschlossenen Türen wird die Entscheidung getroffen, dass öffentlicher Raum in bester Lage privatisiert wird“, kritisiert der Fraktionssprecher das Verfahren.

„Natürlich ist das eine Folge von Stuttgart 21 – hier zeigt das Projekt sein wahres Gesicht: der Nutzen der Investoren steht im Vordergrund“, fasst Thomas Adler, Fraktionsvorsitzender von SÖS LINKE PluS zusammen. Zwischen Gerberviertel und Dorotheenquartier auf der einen Seite und dem Milaneo auf der anderen Seite soll jetzt noch ein weiteres Shoppingcenter entstehen. „Innerhalb weniger Jahre pflastern wir die Stadt zu mit Einkaufszentren zu und überlassen den Investoren die Gestaltung der Stadt“, kritisiert Thomas Adler die Pläne für der vierte Einkaufszentrum in der Innenstadt. „Dazu wird noch ein Viersterne-Hotel mit Tagungsräumen gebaut – auf Kosten des öffentlichen Raums. Die Privatisierungswelle rollt weiter“, rundet Adler seine Kritik an den Plänen für die Entkernung des Bonatz-Baus ab.

Die Rolle des Denkmalschutzes sieht Hannes Rockenbauch ebenfalls kritisch: „Wer zulässt, ein Wahrzeichen erst zu verstümmeln und dann zu entkernen muss sich die Frage stellen, was er eigentlich schützt – das Bahnhofsgebäude jedenfalls nicht“.

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5 Kommentare zu Pläne für den Bonatz-Bau: Der Ausverkauf geht weiter

  1. Ingrid sagt:

    Vor einigen Jahren (!) waren noch Bürgerhaus, Museum etc. im Gespräch, um die Gemüter zu beruhigen. Allerdings schon damals alles andere als glaub- und daher lachhaft. Allerdings erstaunt und ärgert mich, dass jetzt alle so empört tun (auch SÖS/Linke)! Dabei wurde das doch schon im Gemeinderat besprochen und an die Ausschüsse weitergegeben. Heuchelei oder was!?

  2. Regina Luthardt-Fremd sagt:

    Ich bin empört mit welcher Kaltschnäuzigkeit die Investoren “ im Rathaus “ das Sagen haben und die gewählten vom volk ( Gemeinderat wie Denkmalschutz) alles hinnehmen und auch noch die Wege ebnen um Deren Raibach noch extra zuvergrößern. Ich bin /Stuttgarterin und will nicht nur von einem Konsumtempel zum anderen ziehen. ICh will hier leben mit der Stadt und in der Stadt.

  3. Ihr müsst endlich mal begreifen, dass das alles nur Ästle und Zweigle des aus allen Fugen geratenen Kapitalismus ist.
    Es führt zu nichts, einzelne Verbrechen einer Mafia zu bekämpfen.
    Die ganze Verbrecherbande muss zur Strecke gebracht werden!
    Ein erster Schritt wäre „am 24.09. keine Stimme von Grün an nach rechts“!
    Zeigen wir der Mafia, dass wir sie nicht (mehr) wollen, entziehen wir ihr die General-
    vollmacht!

  4. H.Ruch sagt:

    ….Weltkulturerbe, na sowas?
    Jetzt brauchen wir erst mal die IBA, um zu zeigen wie sehr uns der Feinstaub am Herzen liegt. Da stört natürlich jeglicher Einspruch(Stellungnahme v. 09.10.2002), so wie in der darauffolgenden Anhörung im Kursaal Bad Cannstatt zum PFB 1.1 (Talquerung), als uns das Denkmalamt glatt den Tunnelbahnhof madig machen wollte.
    Ein Glück, daß wir nach dem „Cleverle“ so clevere Ministerpräsidenten wie Teufel im Land hatten, der das Denkmalamt so mir nix dir nix dem „Wirtschafts“Ministerium untergliedert hat, mit der direkten Zuordnung zum Regierungspräsidium.
    Einfach clever, denn mit dem „Maulkorb“-Erlass war der erste Schritt für das Jahrhundertprojekt überhaupt erst möglich.Einer bestimmt, und alle anderen ordnen sich „ganz demokratisch“ unter
    Weltkulturerbe wäre schon gut, wenn man als OB in der Presse mit tollen Fotos herumgereicht würde….wie beim Cobusierbau,
    diese Chance hat sich nun Kuhn entgehehen lassen.

  5. m.g.-b. sagt:

    Ob uns als Nächstes die Kunde erreicht, dass der denkmalgeschützte Bahnhof nach Einbau des Hotels nicht mehr schutzwürdig ist? Wundern würde es mich nicht. Also ganz abreißen! Und der Turm? Wird als einsturzgefährdet deklariert. Der „Stern“ bliebe übrig – auf dem Hotel, das noch aufgestockt wird . . . Zu pessimistisch? Passte doch alles zur gesamten Vorgehensweise, oder?
    Armes geschundenes Stuttgart, den Geiern zum Fraß vorgeworfen.

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