Netzwerke für einen gemeinsamen Kampf für eine bessere und gerechtere Zukunft

Rede von Dr. med. Dipl. Psych. Angelika Linckh, „Umweltheldin des Jahres“ der Deutschen Umwelthilfe (DUH), auf der 799. Montagsdemo am 23.3.2026

Das Demoteam hat mich gebeten, zunächst etwas zur Gerichtsverhandlung der DUH gegen die Gäubahn-Abtrennung zu sagen:

Wir sind letzten Mittwoch früh zu fünfzehnt nach Mannheim gefahren und waren dabei – es war richtig interessant. Wir konnten live erleben, wie sehr Bahn und EBA in der Defensive waren. Es war sehr angenehm, dem hervorragenden Anwalt der DUH, Prof. Remo Klinger, zuzuhören. Und unser Mitstreiter Dr. Jörg Jäkel hat dermaßen gut erklärt, warum der Gäubahndamm nicht abgerissen werden muss, dass dem Bahnspezialisten die Worte fehlten und er stumm wie ein Fisch blieb, als ihm das Gericht das Wort erteilte.

In Mannheim bestand unter allen Beteiligten – Bahn, EBA, VGH sowie uns und der DUH – Einigkeit: Die einzige Gewissheit besteht darin, dass weiterhin völlig ungewiss ist, wann und in welchen Schritten Stuttgart 21 ans Netz gehen soll. Und zu unserer Überraschung erklärte Peter Schütz, der Bahnanwalt: eines sei gewiss: „die vorgesehene Unterbrechung der Gäubahnstrecke in Stuttgart werde nicht mehr im Jahr 2027, sondern frühestens 2028 stattfinden“. Er sagte wörtlich, die Unterbrechung wandere mit...

Leider wurde die Klage dennoch abgewiesen. Der nächste Schritt ist jetzt: Die DUH will die Zulassung der Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig beantragen.

Jürgen Resch fasste zusammen: Da die Kappung jetzt bis auf Weiteres abgesagt ist und ein Eröffnungstermin von Stuttgart 21 noch nicht feststeht, bleibt die Gäubahn als direkte Verbindung zum Hauptbahnhof noch für Jahre bestehen. Die Zeit reicht für eine Revisionsentscheidung in Leipzig. Und das ist richtig. Denn Klimaschutz bedeutet, den Bahnverkehr zu stärken – nicht ihn unattraktiver zu machen. Wer ernsthaft Menschen zum Umstieg auf die Bahn bewegen will, darf bestehende Verbindungen nicht zerschneiden. Jede zusätzliche Hürde zwingt Fahrgäste zurück ins Auto – und das kann sich niemand leisten, der Klimaziele ernst nimmt.

Und jetzt, liebe Freundinnen und Freunde, möchte ich Euch von Mannheim nach Berlin mitnehmen. Zu den interessanten Erfahrungen, die wir in Berlin bei der Preisverleihung der DUH machen konnten. Wie Ihr wisst, bekam ich vor 11 Tagen stellvertretend für Euch und unsere ganze Protestbewegung von der Deutschen Umwelthilfe den mit 50.000 Euro dotierten Bürgerschafts- und Engagementpreis „DRUCK MACHEN – Für die Umwelt!” verliehen.

Als mich Mitte August der Anruf der DUH erreichte, dass ich nominiert wäre – für den Preis „Umweltheldin des Jahres“ – konnte ich es nicht glauben. Totale Überraschung und große Freude! Es war deshalb so unglaublich, weil hier in Stuttgart unser Engagement gegen diesen Blödsinn der absoluten Sonderklasse eigentlich oft nur belächelt wird, verschwiegen, oder ganz einfach ignoriert. Und dann folgte das Publikumsvoting, und ich möchte mich bei allen ganz herzlich bedanken, die für mich abgestimmt haben. Eure Unterstützung ist in die Juryentscheidung mit eingeflossen. Die Jury war beeindruckt von unserer Beharrlichkeit. Wir wurden gewürdigt für unsere Hartnäckigkeit, unsere humorvolle Heiterkeit und Menschenfreundlichkeit.

Der Abend war sehr schön gestaltet – 250 Gäste aus ganz Deutschland waren eingeladen. Die meisten waren Engagierte aus Natur- und Umweltschutz-Initiativen. In festlicher Atmosphäre wurden also all diejenigen gefeiert, die sich trotz Widerständen für Natur, Klimaschutz und eine lebendige Demokratie einsetzen. Und so durften wir also in Berlin tatsächlich erleben, dass unser Protest hier in Stuttgart in ganz Deutschland Aufmerksamkeit bekommt. An Prominenz war unter anderen auch Claus Weselsky dabei. Er hat uns herzlich gratuliert und tatsächlich neue Ideen angekündigt, sich für unseren Kopfbahnhof einzusetzen … Wir sind gespannt.

Zu jeder der 3 Kategorien gab es einen Kurzfilm zur Vorstellung der Preisträgerin und eine Laudatio. Ihr erinnert Euch vielleicht an den Fotografen, der auch hier auf der Demo am 2. Februar gefilmt hat. Der Film war sehr emotional und das Publikum konnte unseren Protest gegen S21 nachvollziehen und verstehen.

Luisa Neubauer hat uns in ihrer Laudatio in sehr schöner Weise gewürdigt. Einige von Euch haben sich das Video von ihrer Rede vielleicht schon angeschaut. Luisa sagte, für Stuttgart, Baden-Württemberg und die ganze Republik werde durch unseren Protest klar: „Wer die Rechnung ohne die Zivilgesellschaft macht, wird sich verrechnen.“

Und liebe Mitstreiter*innen, so wie es aussieht, brauchen wir unseren langen Atem noch ein Weilchen.
Dabei kann uns das Preisgeld helfen. Auch wenn wir hier alles ehrenamtlich machen, müssen doch Bühnentechnik, Banner, Gutachten, Kampagnen, Flyer finanziert werden.

Von den 50.000 €, die die Internet-Suchmaschine Ecosia als Preisgeld gestiftet hat, werden auf meinen Wunsch hin 30.000 € an unsere Bewegung gehen. Damit müssen wir jetzt nicht mehr von Demo zu Demo zittern, ob wir die nächsten Rechnungen begleichen können. Doch wir brauchen auch weiterhin dringend Eure großartigen, kontinuierlichen wöchentlichen Spenden, trotz des großzügigen Preisgelds. Und die restlichen 20.000 Euro werden an die Umweltschutzorganisation Robin Wood in Hamburg gehen. Denn Robin Wood, seit Anbeginn unseres Protests stabil auf unserer Seite, hat finanzielle Unterstützung genau so dringend nötig wie wir.

Am Tag nach der Preisverleihung konnten Dieter Reicherter, Eberhard und ich an einem Netzwerktreffen der DUH teilnehmen. Es ging in Workshops um Unterstützung für Ehrenamtliche, juristische Unterstützung, Kompetenz in Sachen Social Media, Kommunikation nach außen. Wir konnten die interessanten Partner-Organisationen und -Initiativen kennenlernen, die den Preis unterstützt haben: Der Paritätische (Gesamtverband), Ecosia, GermanZero, Holi Social, Letsact, MPCT, Social Points (SOPS), The Goodwins, Utopia, Wechange, Gesellschaft für Klima und Demokratie, Deutsche KlimaStiftung, Audiencly, Brand New Bundestag, Green Legal Impact, BUND Berlin und die Klima-Allianz Deutschland.

Die Tage in Berlin waren überwältigend und mutmachend. Der DUH gebührt wirklich großer Dank für die Anerkennung von widerständigem zivilgesellschaftlichem Engagement. Diese Widerständigen werden wohl eher nie von einem Bundespräsidenten, Ministerpräsidenten oder Oberbürgermeister einen Preis bekommen.

Danke für euer Hiersein, für Eure Hartnäckigkeit und natürlich auch für Eure Glückwünsche und Mitfreude. Die Blumensträuße, die Dieter Reicherter und ich letzte Woche hier auf der Bühne bekamen, sind immer noch sehr schön!

Diese Preisverleihung war mehr als eine Feier: sie war ein Aufruf, gemeinsam für eine bessere und gerechtere Zukunft zu kämpfen, und ein starkes Zeichen dafür, dass jede noch so kleine Tat zählt, wenn es darum geht, die Welt zum Besseren zu verändern.

Es gab in Berlin ein großes Interesse an einer Vernetzung und an unseren aktuellen Plänen. Wir wurden gefragt: „Was muss jetzt passieren, um den Schaden zu begrenzen?“ Und unsere Antwort war: lokal bei uns in Stuttgart muss jetzt alles daran gesetzt werden, die oberirdischen Gleise zu erhalten. Wir brauchen weiterhin den Kopfbahnhof und müssen ihn wieder schön machen. Etappen dahin sind unsere Forderung an Frau Palla, jetzt sofort die Zumutung der elenden Fernwanderwege zu beenden: Frau Palla, wir fordern jetzt sofort die Errichtung direkter Zugänge durch den Bonatzbau zu den Gleisen 1 – 16!

Wir sehen uns nächste Woche wieder hier auf dem Platz zur 800. Montagsdemo für den Kopfbahnhof und danach sehr gern, wenn Ihr wollt, im WKV zur Podiumsdiskussion.

OBEN BLEIBEN!

Rede von Angelika Linckh als pdf-Datei

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