DRUCK MACHEN – Für die Umwelt!

Rede von Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer Deutsche Umwelthilfe (DUH), auf der 798. Montagsdemo am 16.3.2026

Liebe Freundinnen und Freunde eines leistungsfähigen Stuttgarter Kopfbahnhofes,

ich habe heute die große Freude, hier auf der Bühne neben der am vergangenen Donnerstag ausgezeichneten Umweltheldin des Jahres 2026, Angelika Linckh, und den Nominierten für den Umweltjuristen Dieter Reicherter zu stehen. Sie haben den Bürgerschafts- und Engagementpreis der DUH DRUCK MACHEN – Für die Umwelt! erhalten. Und Angelika Linckh hat zudem – gestiftet von ECOSIA, die grüne Suchmaschine, 50.000 € erhalten für Projekte, die ihr am Herzen liegen.

Ich möchte Angelika und Dieter zu diesen Auszeichnungen ganz herzlich beglückwünschen! Es war eine einstimmige Entscheidung der Jury, dass Angelika unter 700 Nominierungen zur Umweltheldin des Jahres 2026 ernannt wird.

Warum hat die DUH gerade jetzt einen Bürgerschafts- und Engagementpreis DRUCK MACHEN – Für die Umwelt! ins Leben gerufen und erstmals verliehen?

Wir erleben in diesen Tagen und Wochen, wie internationale Tech-, Chemie- und Energiekonzerne nach der Macht greifen. Und wie durch sie an die Macht gekommene Politiker die Welt in Brand setzen. Einflussnahmen der Wirtschaft auf die Politik und die Medien gab es bereits früher. Nie waren sie aber so massiv und von den Folgen so verheerend wie heute.

Ein Beispiel: Mit offenem Visier finanzieren in den USA Tech-Milliardäre den Wahlkampf bis hin zum offenen Kauf von Wählerstimmen für ihren Präsidentschaftskandidaten. Und nach gewonnener Wahl werden die Gegenleistungen öffentlich eingefordert. Mit dem selbstbewussten Hinweis, dass ohne die 288 Mio. Dollar Wahlkampfspende Donald Trump nicht gewählt worden wäre. Und Trump hat geliefert und die Forderungen nach dem Wunsch-NASA Chef erfüllt.

Die Rendite einer solchen gekauften Wahl ist atemberaubend. Das Vermögen von Elon Musk ist seit der Amtsübernahme von Donald Trump um das 2.000 fache der Höhe der Wahlkampfspende angewachsen – von 300 Mrd. $ auf heute unvorstellbare 850 Mrd. $.

Auch in Europa und speziell in Deutschland greifen Milliardäre und Großkonzerne nach der Macht. Mövenpick investierte knapp 2 Mio. Euro an Großspenden für FDP und CSU. Und erhielt als Dank eine Reduzierung der Mehrwertsteuer. Der wirtschaftliche Vorteil für die Hotelbranche: 1 Mrd. Euro – pro Jahr!

Aktuell überschütten deutsche, Schweizer und österreichische Multimilliardäre mit Millionenbeträgen die Rechtsaußen-Partei AfD – Wunschregierungspartei von Donald Trump und J. D. Vance.

In den USA, in Europa und Deutschland erleben wir gerade einen Generalangriff der Tech-, Energie-, Chemie- und Industriekonzerne auf unsere Natur, den Klimaschutz – und auf die Demokratie!

Schauen wir auf die aktuelle Regierung in Deutschland: Die ehemalige Vorstandsvorsitzende von Westenergie, einer Tochtergesellschaft des E.ON-Konzerns, Katharina Reiche, bremst als Wirtschaftsministerin die Energiewende zu Wind und Solar aus. Statt dessen will sie Milliarden in neue Gaskraftwerke und Gasnetze investieren. Und zum Jubel der Immobilienkonzerne sollen zukünftig wieder billige Öl- und Gasheizungen eingebaut werden – und zum Schaden von Mieter und Umwelt.

Geleitet wird unsere Bundesregierung vom ehemaligen deutschen Aufsichtsratsvorsitzenden von BlackRock – dem weltgrößten Vermögensverwaltungskonzern. Friedrich Merz hat sich als deutscher Bundeskanzler ganz offiziell vom Klimaschutz als zentralem Leitprinzip der Wirtschaftspolitik verabschiedet.

Jede Bundesregierung seit Willy Brand in den 69er Jahren versprach mehr Umwelt- und Klimaschutz. Erstmals erleben wir nun eine Bundesregierung, die sich für weniger Schutz unserer Natur, unseres Wassers, unserer Luft und vor allem für weniger Klimaschutz einsetzt. Eine Regierung, die zur Freude der fossilen Konzerne neue Autobahnen baut – aber keine neuen Schienenverbindungen. Und die Milliarden Euro aus dem Klimaschutz-Etat umlenkt zur Verbilligung des Gaspreises und Kaufförderung von 400 PS starken Klimakiller-Pkw mit Verbrennungsmotor.

Und nicht nur das: Die demokratische Mitwirkung der 83 Millionen Menschen in Deutschland, die Beteiligung- und Klagerechte sollen geschliffen werden.

Mit dem am Donnerstag erstmals verliehenen Bürgerschafts- und Engagementpreis DRUCK MACHEN – Für die Umwelt! stellt sich die DUH gegen den Versuch der Machtübernahme und Zerstörung der demokratischen Grundordnung. Wenn Regierungen bereit sind, dem Druck der Milliardäre und ihrer Konzerne nachzugeben – wir sind es nicht!

Wir – das sind die Menschen und Organisationen, die übergriffige Konzerne und ihnen hörige Regierungspolitiker über Fakten, kreative Aktionen und Klagen dazu zwingen, Recht und Gesetz einzuhalten.

Ich bin froh, in einem Land zu leben, in dem es – noch – möglich ist, dass sich Menschen auf der Basis von Wissenschaft und Überzeugungskraft für eine intakte Natur, saubere Luft, für ein unvergiftetes Grundwasser einsetzen und die Einhaltung von Gesetzen bis hinauf zum höchsten Gericht durchsetzen können.

Diese demokratischen Grundrechte sind in Deutschland akut bedroht! Bereits am Montag nach der Bundestagswahl stellten rechte Politiker 551 Fragen zur Einschüchterung der auf die Straße gehenden, noch lauten NGOs. Dabei ist es nicht geblieben: Nur wenige Wochen später folgte ein Regierungsprogramm mit zahlreichen Ankündigungen zur Abschwächung des Natur- und Klimaschutzes sowie der Beteiligungs- und Mitwirkungsrechte.

Und wieder wenige Wochen später die Gründung einer „Initiative transparente Demokratie“ aus der Chemie- und Autoindustrie heraus, die ebenfalls die Legitimation der Zivilgesellschaft in Frage stellt.

Und ganz aktuell die AfD, die per Stellenanzeige einen Referenten zur Beobachtung der NGOs sucht. Ganz zu schweigen von Hass- und Gewaltaufrufen gegen engagierte Umweltschützer in einer von leitenden Vertretern der Automobilindustrie ins Leben gerufene Facebook-Gruppe.

Diese demokratiefeindliche Stimmung, die von fossilen Lobbyisten und ihnen hörigen Politikern verbreitet wird, trifft insbesondere auch Menschen, die sich in den Städten und Gemeinden für eine intakte Natur und Umwelt eintreten. Für sie wird es umso schwieriger, da sie sich mit ihrem Gesicht und ihrer Stimme in ihrem persönlichen Umfeld für die Sache engagieren und sich dabei nicht nur Freunde machen. Umso mehr ist es uns ein Anliegen, ihnen für ihren Mut Anerkennung zu zollen.

Vorbild für unseren Bürgerschafts- und Engagementpreis DRUCK MACHEN – Für die Umwelt! ist der US-amerikanische Bürgerschaftspreis Rage for Justice, der vom bekanntesten Verbraucherschützer der USA, Harvey Rosenfield, und seiner Organisation Consumer Watchdog seit 2001 verliehen wird. An Umwelthelden wie den auch bei uns bekannten Bernie Sanders oder Umweltheldinnen wie Nalleli Cobo, die als 13jähriges Mädchen eine Bewegung gründete, mit der sie acht Jahre später die mächtige Öl- und Gasindustrie in die Knie zwang und ein Gesetz zum Gasförderverbot in kalifornischen Städten durchsetzte.

Harvey und sein Team von Consumer Watchdog hilft uns seit über zehn Jahren bei der Aufdeckung von Dieselgate. Und er hat uns inspiriert, nach dem Vorbild seines erfolgreichen Bürgerschaftspreises Rage for Justice nun auch in Deutschland die Umwelthelden und Umweltheldinnen in drei Kategorien auszuzeichnen und damit Vorbilder zu schaffen:

  • die Umweltheldin/der Umweltheld des Jahres, die/der mit seiner Auszeichnung 50.000 € für die Unterstützung seines Wunschprojektes als Preisgeld erhält,
  • die Umweltjuristin/der Umweltjurist des Jahres.

Und schließlich

  • die Umweltschützerin/den Umweltschützer im Staatsdienst mit dem Harald-Kächele-Preis, benannt nach unserem vor zwei Jahren verstorbener Bundesvorsitzender, der ein leidenschaftlicher Streiter für eine unabhängige und mutige Zivilgesellschaft war.

Eine lebendige Zivilgesellschaft war selten so wichtig wie heute!

Deshalb rufe ich Sie alle dazu auf: Bleibt aktiv – für eine lebens- und liebenswerte Welt. Und für einen leistungsfähigen Stuttgarter Bahnknoten, für den Erhalt des Stuttgarter Kopfbahnhofs – unabhängig davon, ob irgendwann einmal ein Zug in die 100 km Bahntunnel im Untergrund einfährt oder nicht.

Um den Kopfbahnhof zu erhalten und die Kappung der Gäubahn zu verhindern klagen wir als DUH. Übermorgen geht es in die zweite Instanz, der VGH (Verwaltungsgerichtshof) Mannheim verhandelt unsere Klage gegen das Eisenbahnbundesamt und die Deutsche Bahn ab 10 Uhr. Wer Zeit und Lust hat – ich freue mich über jede Unterstützung vor Ort!

Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir eine breite gesellschaftliche Unterstützung erreichen. Die Städte entlang der Gäubahnstrecke stehen zu uns. Und die Spitzenkandidaten zur Landtagswahl Özdemir und Hagel haben zugesagt, dass die Gäubahn so lange nicht abgetrennt wird, solange nicht der Tiefbahnhof vollständig in Betrieb gegangen ist. Die Bahn selbst kann sich vor 2030 das nicht vorstellen, ich persönlich auch Jahre später nicht.

Ich kann euch nur empfehlen und den Wunsch äußern: Bleibt so, wie Ihr seid – als die Faktenquelle für Klimaschutz und echte Verkehrswende hin zu einen funktionierenden Bahnverkehr nach Schweizer Muster.

Seit weiter gewitzt, mutig und habt einen langen Atem.

Seit bereit, damit auch anzuecken und nicht von allen sofort geliebt – aber vielleicht umso mehr respektiert zu werden.

MACHT DRUCK:

  • für die Natur
  • für das Klima
  • für uns alle!

Rede von Jürgen Resch als pdf-Datei

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