Rede von Peter Grohmann, Kabarettist, Autor und Publizist, auf der 817. Montagsdemo am 10.8.2026
Hochgeschätzte Menschen,
ich zitiere heute zuallererst aus der Rede von Christoph Engelhardt vom 3. August 2026 zur allseitigen und freundlichen Erinnerung: Es ist die für mich knappste Zusammenfassung des Elends der Demokratie am Beispiel Stuttgart 21:
„Wer glaubt denn ernsthaft, man könne einen Bahnhof in der Größe halbieren und dabei seine Leistungsfähigkeit verdoppeln? Wer glaubt, man könne die Breite der Rettungswege in den Tunneln halbieren und dennoch viermal so viele Reisende in der halben Zeit evakuieren? Wer glaubt, eine um den Faktor 6 überschrittene Längsneigung mache keine Probleme? Wer glaubt denn, die Flutung des Bahnhofs könne nur einmal in hundert Jahren vorkommen, wenn man weiß, das passiert mit dem Klimawandel 7-mal so häufig?“
Und zusammenfassend zum Thema Glauben: Das glauben nur Dummjodler, Postenreiter, Ablassschwindler und die Profiteure dreister Lügen.
Hochverehrte Kundschafterinnen und Kundschafter von Volksmärchen: Ziemlich westwärts von Stuttgart singen die Leute bekanntlich das schöne Lied vom Rhein in neuer Fassung: Warum ist es am Rhein so leer? Wir wissen warum. Die Schiffe groß – die Lasten schwer– der Rhein fast leer. Der Rhein ist bekanntlich eine Binnen-Schifffahrtsstraße und untersteht direkt dem Verkehrsminister. Seit der Bilger und seinesgleichen an der Macht sind, schmelzen die Gletscher und die Lügen wie das Tote Meer. Wir wissen was, was du nicht weißt, Steffen: In Kürze ist der Rhein so gut wie alle, also leer, aus die Maus. So leer wie das Gelaber von Bilger und Razavi. Viel Abwasser, viel warme Brühe. Und jede Menge Unrat dabei.
Aber einen Fortschritt gibt es: Der Rhein wird zum Fernwanderweg von der Schweiz in die Niederlande. Meine Omi Glimbzsch sagt immer wieder: Tote Fische schwimmen mit dem Strom, lebende dagegen. Also gegen den Strom schwimmen, Aber was tun, wenn der Strom fehlt?
Eben kommt eine aktuelle Studie aufs Rednerpult: Schauder Schauder – ganz wie bei Kauder. In der Studie wird belegt, dass bei Niedrigwasser mehr als die Hälfte des Wassers in Deutschlands Flüssen aus geklärtem Abwasser besteht. Alles klar? Geklärtes Abwasser stammt aus Kläranlagen, die vor allem verschmutztes Wasser aus Haushalten, Gewerbe, Industrie und dem Straßennetz auffangen. 40 % des häuslichen Abwassers entstehen bereits beim Duschen und Baden, gefolgt von der Toilettenspülung (30 %) – also Hardcore, ziemliche Scheiße auf gut deutsch, groß oder klein, hart oder dünn, hinein ins Wasserklo, Plumpsklo, Stehklo, Außenklo, Bahnhofsklo... 15 % des Abwassers kommen von den Waschmaschinen: Dash wäscht so weiß, dass sich die Wäsche sehen lassen kann.
Führt beispielsweise der Rhein wie aktuell sehr wenig Wasser, dann schwimmt darin mehr Abwasser als ursprüngliches Flusswasser. Fische weigern sich, darin zu schwimmen und landen in der Schulstraße, im Nordsee-Laden oder bei Feinkost-Böhm. Aber was Zehntausende, ja Millionen Menschen nicht wissen, was sie auch nicht wissen wollen: Zehntausende giftige und größtenteils unbekannte Stoffe konzentrieren sich in dieser menschengemachten Brühe.
Oha: Kontaminiertes Wasser ist ein Sicherheitsproblem wie Stuttgart 21: Ein großer Teil des deutschen Trinkwassers kommt aus Uferfiltrat: Wenn das Filtrat nicht mehr ausreichend gereinigt werden kann, drohen Wassermangel – oder eben zahlreiche gesundheitliche Probleme. Prost!
Beim Bier verbietet das Reinheitsgebot künstliche Aromen, Farbstoffe, Enzyme oder Konservierungsmittel – im Rhein schwimmt aber alles das munter mit: aus deutschen Landen frisch auf den Tisch. Das Reinheitsgebot hat also nichts mit dem Rhein zu tun, so wie Stuttgart 21 nichts mit 21 zu tun hat.
Im Rhein selbst befinden sich schätzungsweise 20.000 bis 30.000 verschiedene Chemikalien, sowjetische und synthetische Substanzen wie Medikamentenreste, Mikroplastik, Lacke und Industriechemikalien, Industrieabwässer, Pestizide, PFAS und Schwermetalle. Aber der Rhein ist weit weg. Wie siehts im Neckar aus? Nicole Razavi hat unbekanntlich viele, viele Jahre im Umweltmysterium leidend gearbeitet. Dabei kam heraus, dass der gesamten Neckar – nach ökologischen Gesichtspunkten – als „durchweg unbefriedigend“ angegeben wurde, sogar der Rhein hat zwischen Mannheim und Bonn eine bessere Bewertung erhalten. Wir sind am End' mit The Länd...
Es gibt nur noch zwei Flüsse, die in der Bewertung schlechter abschneiden als der Neckar: die Weser und die Saale. Die Saale bringt große Mengen Müll nach Sachsen-Anhalt und der AfD die einfache Mehrheit. In der guten alten Ostzone haben die Menschen wie bei uns keine Angst – in Bitterfeld gab's Schwefeldioxid und Staub schon zum Frühstück. Die SED-Führung stufte Umweltlasten und Kosten als streng geheim ein – wie heute die Evelyn Palla. Dazu Werner Sauerborn, ein guter Bekannter von mir: „Die antidemokratische Tendenz, der Öffentlichkeit Informationen vorzuenthalten, die in der Vergangenheit so manches ans Tageslicht befördert hat, was dann zu Aufklärung, zu Konsequenzen und oft zu auch Rücktritten führte, wird auch bei den Angriffen auf das (Informationsfreiheitsgesetz) deutlich. Die Weigerung, den Bericht der Konzernrevision rauszurücken, passt also ins Bild“.
Klar, es gibt immer Dinge, die man nicht gern sagt. Dann gibt es Dinge, die man nicht gern hört. In Sachsen-Anhalt z. B. ist fast jeder fünfte bis vierte Mensch von Armut oder sozialer Ausgrenzung gefährdet. Das sind die anderen Gefährder, aber halt ohne Überwachung.
Aber zurück zum Rhein: Der Rhein ist nicht schuld! Die Gletscherschmelze ist schuld. Jede Regierung weiß: Je mehr Gletscher schmelzen, umso weniger werden sie. Logisch. Anders gesagt: Schon in kurzer Zeit gibt es keine Gletscherschmelze mehr, weil es keine Gletscher mehr gibt! Wer sagt's denn: Ein Erfolg der Klimapolitik von Landes- und Bundesregierungen. Größere Leute als ich können den Bodensee bereit zu Fuß durchqueren. Eine große Chance für Menschen, die ohne Papiere einreisen wollen.
Ich höre immer Niedrigwasser, Niedrigwasser, Niedrigwasser und nie Niedrigwissen, Niedrigwissen, Niedrigwissen. Meine Omi Glimbzsch in Zittau sagt immer: Bei Niedrigwasser einfach mehr trinken! In Zittau fließt die Neiße – ganz niedrig steht das Wasser bis zum Hals – große Scheiße! Gott erhalt's.
Haben Euch die Bilder der ausgetrockneten Flüsse oder die Filme über die verheerenden Brände in Südeuropa auch so schockiert wie mich? Ich sag immer: Leute, es gibt Schlimmeres. In Frankreich, Spanien und Griechenland sind aktuell mehr als 170.000 Hektar verbrannt; hunderttausende Menschen mussten fliehen. Seit Wochen leiden die Leute unter extremen Temperaturen deutlich über 30 Grad. Aber das ist typisch für Leute wie euch: Kein Wort davon, dass ganz viel Wald nicht verbrannt ist. Riesengeschrei, dass dreihunderttausend Menschen flüchten mussten, aber kein Wort dazu, dass ja Millionen geblieben sind. Keinerlei Fluchtgefahr, kaum Fluchtursachen.
Der Rhein ist bekanntlich eine Binnen-Schifffahrtsstraße und untersteht direkt dem Verkehrsminister. Und seit der Bilger und seinesgleichen an der Macht sind, schmelzen die Gletscher und die Lügen wie das Tote Meer. Ich wiederhole ja nur zum „Besser merken“: In Kürze ist der Rhein so gut wie alle, also leer, so leer wie das Gelaber von Bilger und Razavi.
Übrigens: Schuld an den Waldbränden ist nicht die Klimakatastrophe, sondern das Waldsterben. Das gibt es schon seit dem Tausendjährigen Reich. Fast eine Million Bäume sind in den letzten Jahren aus deutschen Städten verschwunden. Während sich Städte wie Stuttgart durch die Klimakrise immer unerträglicher aufheizen, werden ausgerechnet große Stadtbäume, unsere wirksamsten natürlichen Klimaschützer und Schattenspender, oft bedenkenlos geopfert: für Bauprojekte, Parkplätze, Profitinteressen.
Das ist ein politisches Versagen mit fatalen Folgen. Mit jedem gefällten Baum verlieren wir nicht nur Grün und Lebensqualität, sondern vor allem lebenswichtigen Schutz vor Hitze, die längst zu einer massiven Gesundheitsgefahr geworden ist. In Baden-Württemberg sind von 2018 bis 2025 mehr als 65.000 Bäume aus den Städten verschwunden. Großes Geschrei! Hat die Kretschmann mitgenommen oder Mappus?
Es liegt der Wald im letzten Abendschimmer | Der Nebel steigt herauf vom Wiesengrund
Der alte Förster sitzt in seinem Zimmer | Und streichelt seinen Hund
Auf nationalen Schifffahrtswegen | kann jetzt der Steffen Bilger segeln | Er will die Schifffahrt retten
Razavi sitzt mit ihm im Boot | Ein Zweierteam in Ketten | Nicole hat sich da schiefgelacht
sie hätte niemals nicht gedacht | dass man beim Rechnen Fehler macht.
Steffen Bilger hat die vergangenen Jahre massiv für Tunnel lobbyiert. Kostenlos! Für nix und wieder nix. 2010 warb er schon mit Herrenknecht für Tunnel im Rheintal, dann für Stuttgart 21: Für nix und wieder nix. Als Staatssekretär unter Andi Scheuer hat Bilger den heutigen Pfaffensteigtunnel ins Spiel gebracht: Für nix und wieder nix! Dann war er mit Herrenknecht befreundet – Für nix und wieder nix.
Zwei alte Tanten tanzen Tango mitten in der Nacht | Die eine Tante hat der andren Tante
nur mal die Idee vermacht | In Herrnknechthausen – nie Muffensausen | mitten in der Nacht!
Herr Bundesverkehrsminister Bilger, legen Sie offen, welche Spenden oder sonstigen Förderungen bis hin zum Sponsoring haben sie oder ihre Parteigliederung aus dem Umfeld von Martin Herrenknecht während ihrer politischen Laufbahn erhalten? Für nix und wieder nix tanzt niemand Tango mitten in der Nacht!
Es sprach der Özdemir zu der Razavi | Sei du – ab nu – mein Navi!
Im Ludwigsburger Märchengarten | Muss Steffen Bilger nicht lang warten.
Ihn ruft der Friedrich mit Gejohle: | Die alte Dampflok braucht jetzt Kohle!
Milliarden futsch – im Feuerloch! | Ich hoffe weiter auf Ernst Bloch:
Die Hoffnung, sagt der, stirbt zuletzt! | Razavi aber ganz gehetzt:
Sie hätten sowas nie gedacht! | In Wahrheit hat sie Mist gemacht
Dass ihrer Bimmelbahn der Pimmel fehlt | liegt auch an Steffen Bilger:
Er lauert nachts am Pfaffensteig | und sucht nach einem grünen Zweig | Er ist der letzte Pilger.
Wessen Stadt? Unsre Stadt!
Wessen Länd? Unser Länd!
Wessen Geld? Unser Geld!
Oben bleiben!






