Rede von Martin Poguntke, Sprecher des Aktionsbündnisses Kopfbahnhof Stuttgart, Theologinnen und Theologen gegen Stuttgart 21, auf der 825. Montagsdemo am 5.10.2026
Liebe Freundinnen und Freunde eines funktionierenden Bahnverkehrs!
Ich freue mich, dass ich wieder einmal zu Ihnen sprechen darf. Der Anlass ist diesmal, dass das „Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21“ seinen Namen geändert hat. Wir hätten den Namen auch lassen können, weil er einfach stimmt. Aber in den letzten, ja, fast Jahren, gab es immer mal wieder und zunehmend Missverständnisse wegen unseres bisherigen Namens oder auch Unterstellungen.
Unser Engagement als Aktionsbündnis hatte ja von Anfang an immer zwei untrennbare Ziele: die Verhinderung des gefährlichen und zu kleinen Tiefbahnhöfles mit all seinen Tunnels und den Erhalt und die Modernisierung des hoch leistungsfähigen Kopfbahnhofs. Schon immer hieß, sich gegen den Tiefbahnhof zu engagieren, auch, sich für den Kopfbahnhof einzusetzen. Und schon immer hieß, sich für den Kopfbahnhof zu engagieren, auch, sich für die Verhinderung des Tiefbahnhofs stark zu machen. Beide Ziele waren seit jeher zwei Seiten einer Medaille.
Je weiter aber mit den Jahren die Bauarbeiten voranschritten – von Bau-„Fortschritt“ will ich mal lieber nicht reden – desto häufiger mussten wir – und natürlich auch Sie alle – den Ruf hören: „Seid ihr blind? Habt ihr keine Augen im Kopf? Seht ihr nicht, dass Stuttgart 21 fast fertig ist?“
Auch wenn „fast fertig“ natürlich etwas euphemistisch ist, wenn man sieht, was alles noch nicht fertig ist und woran sich die Bahn noch auf wer weiß wie viele Jahre hinaus die Zähne ausbeißen wird. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Tunnel gebohrt sind und der Tiefbahnhof zumindest im Rohbau halbwegs fertig ist. Da kommt es einem oberflächlichen Betrachter ja wirklich unrealistisch vor, wenn wir anscheinend eben diesen Bau verhindern wollen – Aktionsbündnis „gegen“ S21. Und auch unser Konzept „Umstieg 21“ enthält einige Elemente, die nicht mehr ganz zur aktuellen Lage passen.
Unser Widerstand gilt ja aber nicht nur dem Tiefbahnhofsbau und den Tunnels, sondern dem ganzen Projekt. Dazu gehört der Erhalt des Gäubahnanschlusses über die Panoramabahn. Dazu gehört der Widerstand gegen einen Bahnbetrieb in den Tunnels und im Tiefbahnhöfle mit völlig untauglichem Brandschutz. Und dazu gehört inzwischen der Widerstand gegen den Pfaffensteigtunnel. Und dazu gehört der Widerstand gegen das eigentliche Motiv des ganzen Projekts, das Immobilienprojekt Rosenstein.
Alles das geht weit hinaus über den bloßen Rohbau des Tiefbahnhofs, der inzwischen halbwegs fertiggestellt ist. Wir haben deshalb allen Grund, weiterhin von einem „Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21“ zu reden. Aber wir fanden, es reicht nicht, wenn wir alle das wissen. Solange die Leute, die uns von außen wahrnehmen, unter „gegen S21“ verstehen, dass wir den Bau des Tiefbahnhofs verhindern wollen, sind wir in ihren Augen mehr und mehr lächerliche Realitätsverweigerer.
Um diesem – tatsächlichen oder bewusst kalkulierten – Missverständnis vorzubeugen, haben wir jetzt unseren Namen geändert. Heute Morgen haben wir in einer Pressekonferenz die Medien darüber informiert, und heute Abend, jetzt, in diesem Moment, sind wir dabei, Sie alle darüber zu informieren:
Wir kämpfen zwar weiterhin „gegen Stuttgart 21“. Denn wir finden den Tiefbahnhof und die Tunnels eine Katastrophe und gehen weiterhin politisch und juristisch gegen sie vor – auch wenn es vermutlich und hoffentlich zunächst zu einer Kombilösung kommt. Aber wir heißen in Zukunft nicht mehr „Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21“, sondern „Aktionsbündnis Kopfbahnhof Stuttgart“. Und natürlich haben wir dazu auch unser Logo angepasst.
Unser bisheriges Logo kennen Sie ja: unten der Name und oben die Parole: „Kopf bleibt oben!“ und der Hinweis auf das – wie gesagt, nicht mehr ganz aktuelle – Konzept „Umstieg 21“.
Das neue Logo enthält nun wenige aber entscheidende Veränderungen: unten dran der neue Name, und oben die beiden wichtigsten gegenwärtig aktuellen Aussagen, für die wir weiterhin stehen: das durchgestrichene S21-Ortsschild – „gegen S21“ – und das Schild des Bündnisses „Bahnhof mit Zukunft“, zu dem das Aktionsbündnis gehört.
Letzteres hat ja im vergangenen Jahr das Bürgerbegehren durchgeführt und jetzt, vor Kurzem, die Petition gestartet: „Stuttgart 21 – Schluss mit Tunnelblick! Es braucht zusätzlich den modernisierten Kopfbahnhof“.
Wie gesagt: Wir heißen nun zwar anders, aber wir machen nichts anderes. Wir heißen von nun an „Aktionsbündnis Kopfbahnhof Stuttgart“, weil der Erhalt und die Modernisierung des Kopfbahnhofs von den vorhin von mir angesprochenen beiden Seiten der Medaille das Hauptziel ist. Aber was wir tun, ist weiterhin das Engagement gegen Stuttgart 21, ergänzt eben durch all die zusätzlichen Aufgaben – und natürlich mit weiterentwickelter, immer aktueller Sichtweise. Neuer Name, gleiches Ziel, aktualisierte Inhalte also.
Ich denke, wir werden eine Weile brauchen, bis wir uns daran gewöhnt haben, werden in nächster Zeit immer mal wieder gewohnheitsmäßig den alten Namen gebrauchen. Aber wir werden uns daran gewöhnen, wie wir uns schon an so vieles gewöhnt haben.
Und eines bleibt auf jeden Fall gleich: Wir werden „oben bleiben!“.







