Privatjets stoppen!

Rede von Merle Riebandt, ROBIN WOOD e.V., auf der 825. Montagsdemo am 5.10.2026

Vielen Dank, Angelika, für die Einladung!

Vor vier Jahren habe ich gemeinsam mit 500 anderen Aktivisten das Privatjetterminal des Amsterdamer Flughafens blockiert. Sechs Stunden lang konnten keine Privatjets mehr abheben, da Aktivisten auf dem Fahrrad fröhlich ihre Runden drehten und die Flieger besetzten.

Mit Erfolg: Der Flughafen verkündete kurz darauf ein Verbot von Privatjets. Leider wurde dies durch den damaligen Minister für Infrastruktur wieder zurückgenommen. Aber es zeigte mir, dass ein Ende der Luxusfliegerei möglich ist, und dass Protest wirksam sein kann.

In den Jahren danach zog ich wieder weiter weg von zu Hause, aber musste immer an meine Heimatstadt Hamburg denken. Dort haben sich die Bürger*innen vor nun einem Jahr bei einem Volksentscheid für mehr sozialen Klimaschutz ausgesprochen. Der Hamburger Zukunftsentscheid besagt, dass, wenn die Stadt ihre jährlichen Klimaziele verfehlt, Sofortmaßnahmen eingeleitet werden müssen.

Und ich begann zu recherchieren:

  • Ich las darüber, dass der Hamburg Airport einer der meistgenutzten Flughäfen Deutschlands für Privatjets ist.
  • Ich las, dass der Stadt 51 % des Flughafens gehören, der Senat und die Wirtschaftsbehörde also direkten Einfluss und Verantwortung haben.
  • Ich las, dass in Privatjets oft nur zwei oder drei Personen sitzen, die jedoch bis zu 20-mal mehr Emissionen verursachen als ein Linienflug.
  • Ich las, dass Privatjets von der Luftverkehrssteuer befreit sind.

Während also die Folgen des Klimawandels immer weiter zunehmen und der letzte UN-Klimabericht ergeben hat, dass wir das 1,5-Grad-Ziel überschreiten werden, fliegt eine kleine Minderheit von sehr wohlhabenden Menschen weiter munter durch die Gegend. Ein durchschnittlicher Flug mit einem europäischen Privatjet verursacht dabei fast 6 Tonnen CO₂ – das ist so viel, als würde man 16-mal von Rom nach Paris fahren. Das macht Privatjets zur klimaschädlichsten Form der Mobilität.

Sowieso fliegen wenige, vor allem Europäer und US-Amerikaner, sehr viel, während 80 % der Weltbevölkerung noch nie geflogen sind. Wir müssen dabei meiner Meinung nach unterscheiden: Fliege ich alle paar Jahre zu meiner Familie, die auf einem anderen Kontinent lebt, oder fliege ich für einen Wochenendtrip mit zwei Freundinnen mal eben mit meinem Privatjet nach Zürich oder Sylt? Ich denke, dass es in einer Zeit, in der die Klimakrise so weit vorangeschritten ist, nicht mehr angemessen ist, so viele unnötige Emissionen auszustoßen.

Ich dachte mir also: Das kann Hamburg besser. Statt ein Knotenpunkt für Luxusflüge zu sein, könnten wir den Willen der Bürgerinnen und Bürger umsetzen und durch ein Privatjetverbot eine einfache Maßnahme für mehr gerechte Mobilität einführen.

Nun führe ich für ROBIN WOOD, eine Umweltorganisation, diese Kampagne durch. Wir fordern ein Start- und Landeverbot aller Privatjets in Hamburg.

Und wir haben schon viel erreicht:

Um Druck auf die Stadt Hamburg auszuüben, haben wir einen offenen Brief an die Abgeordneten des Wirtschaftsausschusses übergeben, durch den wir unsere Forderung deutlich gemacht haben. Denn die Stadt Hamburg ist in besonderer Verantwortung, ihr gehören schließlich 51 % des Flughafens. Vor Kurzem hat die Stadt ihre Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass die Emissionen im letzten Jahr, statt zu sinken, weiter gestiegen sind. Es ist also klar, dass die Emissionen auch im Luftverkehrssektor gesenkt werden müssen.

Es wäre das erste Mal, dass in Deutschland ein Privatjetverbot umgesetzt werden würde. Daher lassen wir gerade eine Gruppe von Umweltrechtlerinnen untersuchen, wie ein Verbot juristisch umsetzbar ist. Wir hoffen, dass uns die Ergebnisse auch Hinweise darauf liefern, wie ein Verbot in anderen Städten umgesetzt werden könnte.

Doch das ganze Ausmaß, wie viele Privatjets von Hamburg aus jährlich starten und landen, war bis vor Kurzem nicht bekannt, denn die Zahlen dazu sind nicht öffentlich. Deshalb haben wir eine Studie in Auftrag gegeben, die genau das untersucht hat. Sie hat gezeigt, dass pro Jahr ca. 7.000 Starts und Landungen stattfinden! Die häufigsten Ziele der sogenannten „Businessflüge“ dabei? Palma de Mallorca und Sylt! Von Hamburg nach Sylt gibt es übrigens eine direkte Zugverbindung. Insgesamt sind in den vergangenen drei Jahren vom Hamburg Airport aus über 20.000 Flüge gestartet und gelandet.

Ende November organisieren wir eine Podiumsdiskussion, bei der wir eine Umweltjuristin, Vertreter*innen von Die Grünen und Die Linke, einen Wissenschaftler und Vertreter des Flughafens zusammenbringen. Wir sind auf jeden Fall gespannt, was das Ergebnis der Diskussion sein wird.

Und während wir uns mit unseren Forderungen auf Hamburg konzentrieren, gibt es auch in weiteren deutschen Städten Bemühungen, Privatjets zu verbieten: In Kassel engagiert sich ein Bündnis gegen den lokalen Flughafen, der ausschließlich für Privatjets genutzt wird. Und Die Grünen in Berlin haben die Forderung nach einem Verbot der Luxusflieger in ihr Wahlprogramm aufgenommen.

Wir müssen uns auch anschauen, welche Maßnahmen bundesweit gerade im Bereich Verkehrspolitik umgesetzt werden: Seit einigen Tagen gilt wieder der Tankrabatt. Gleichzeitig kam die Nachricht, dass der Preis des Deutschlandtickets zum vierten Mal angehoben werden wird. Statt Deutschlands Verkehrspolitik nachhaltig und sozial zu gestalten, setzt die Bundesregierung weiter auf fossile Energien.

Ein Privatjetverbot wäre ein Schritt zu einer gerechteren Mobilität. Die niederländische Stadt Eindhoven hat bereits gezeigt, dass es möglich ist, denn sie hat Privatjets seit Beginn dieses Jahres verboten. Wir werden uns weiterhin für ein Ende von unnötigen Luxusflügen einsetzen.

Wenn ihr uns unterstützen möchtet, freue ich mich, wenn ihr auf die Website von ROBIN WOOD geht und dort die Petition unterschreibt. Ihr seid natürlich auch herzlich eingeladen, falls ihr Ende November in Norddeutschland seid, zur Podiumsdiskussion zu kommen.

Vielen Dank!

Rede von Merle Riebandt als pdf-Datei

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