Peter Grohmanns Wettern der Woche am 26.10.2026
Hiob, ein frommer, ja ein guter Mensch von gestern, bekommt eine Schreckensmeldung nach der anderen: sein Ochs und Esel stirbt, die Sklaven, seine Söhne. Die Geschichte um Hiob geht den Fragen nach Gerechtigkeit, Leid und Gottesglauben nach.
Auch der Heide weiß: Leid kann man ertragen oder nicht, Glauben ist noch nicht Wissen – aber Gerechtigkeit, die muss man machen. Am besten selbst. Wählen gehen wie in Serbien, demonstrieren wie in Israel, Hand anlegen, Empowerment. Ist das zu viel verlangt von Leuten, die lesen können? OK, die werden weniger.
Der Jordan führt wenig Wasser und ist leichter zu überqueren als der Rhein, wo der Fährmann arbeitslos ist und die Wirtschaft stöhnt, weil ab morgen keine Kohle mehr kommt. In Tel Aviv und drumrum hingegen weiß man mehr über Morgen, wenn an- und ausgezählt ist – und ob die 1000 Demonstrationen der Hunderttausend from the River to the Sea gegen die Allmacht Netanjahus und seine manipulierten Medien das Verbrenneraus für Antisemiten wie Itamar Ben-Gvirn oder Bezalel Smotrich bedeuten. Notfalls zieht man vor den Obersten Gerichtshof, aber die Sorge ist groß, dass die Tendenz zur freiwilligen Auswanderung steigt.
Nur bei uns ist Wohlstand, Gottgefälligkeit und wenig Widerstand – bei den Vielen. Auf jeden Fall keine Zeit, sich große Gedanken zu machen. Man sieht voller Zuversicht auf die Weitsicht der Massen (was gibt’s denn Nuis?), schmeichelt auf Gegenseitigkeit und nennt es dann Solidarität. Die Sorgen gehen westwärts und südwärts, wo die roten Fahnen und die Läden brennen. Der Jordan aber war ein wichtiger Grenzfluss zum gelobten Land Kanaan. Doch wer ihn überschritt, der war im Land der Verheißung. Und was sagt meine Omi Glimbzsch aus Zittau? „Da kannste lange warten, Peter!“ Ich hab' Geduld – wie das Völkerrecht.






