DB-Bauablaufplan vor Inbetriebnahme des GWM

Plan in hoher Auflösung (JPG, 8 MB)

Technische Anmerkungen zum Bauablauf S21
Diese Erläuterungen beziehen sich auf den oben gezeigten Bauablaufplan.

Der Stuttgarter Schlossgarten ist ein ehemaliges Sumpfgebiet. Der Grundwasserspiegel liegt etwa drei bis vier Meter unter der Oberfläche.

Für größere Grabungsarbeiten in diesem Bereich ist es deshalb erforderlich, das Grundwasser abzupumpen, man braucht ein funktionierendes Grundwassermanagement, sonst ‚säuft die Baustelle ab‘. Bevor dieses Grundwassermanagement tatsächlich genutzt werden kann ist eine aufwändige Einregelungs- und Testphase notwendig (dauert nach Expertenmeinung etwa ein Jahr).

Es gibt relativ wenige Arbeiten, die sinnvollerweise begonnen werden können, bevor dieses Grundwassermanagment läuft. Welche Arbeiten das sind zeigt die Bauablaufplanung der Bahn, sie sind im Plan ‚vor Grundwassermanagement (Baujahr 0)‘ dargestellt:

Dazu gehören

  • einige Baustraßen (lila), ein Fuß- und Radweg sowie Zugangsweg zum geplanten Querbahnsteig (grün) (nicht der Durchbruch durch den Südflügel oder der Querbahnsteig selbst),
  • der Angriff für den Nesenbachdüker,
  • das Technikgebäude vor/unter dem ehemaligen Nordflügel
  • sowie die Einrichtung zweier Trogbaustellen.

Der Auftrag für den Nesenbachdüker sowie für den eigentlichen Bahnhofstrog konnte trotz Ausschreibung nicht vergeben werden, da sich kein Auftragnehmer findet.

Der Abriss des Nordflügels ist der einzige Teil der Bauarbeiten, die bislang tatsächlich ausgeführt wurden. Mit den Baustraßen, Wegen, etc. wurde noch nicht begonnen.

Wie aus der Bahn-eigenen Bauablaufplanung klar hervorgeht, sind ‚vor Grundwassermanagement‘ keinerlei Abrissarbeiten am Südflügel vorgesehen, auch keine „Zahnlücke“ im mittleren Vorsprung des Südflügels. Der vollständige Abriss des Südflügels ist erst mehr als drei Jahre nach Inbetriebnahme des Grundwassermanagements sinnvoll, denn der hier gelegene Teil der Baugrube ist einer der letzten, die gegraben werden können (Baufeld Nr. 14).

Ein Vorziehen von Arbeiten bringt für den Bauablauf keinen Fortschritt, da früher oder später gewartet werden muss, bis die eigentlich notwendigen Arbeiten fertig sind, allen voran das Grundwassermanagement und der Nesenbachdüker: Wenn es nicht gelingt, das Fundament eines Hauses zu gießen, so wird das Haus nicht planmäßig fertig werden. Der Verzug lässt sich nicht dadurch reduzieren, dass man voreilig schon mal die Tapeten kauft. Man riskiert dadurch nur, dass die Tapete nass und unbrauchbar ist, bevor man sie brauchen kann.

Alle Arbeiten am Grundwassermanagement sind derzeit gerichtlich untersagt, für Nesenbachdüker, Technikgebäude (Nordflügel) und Trog fehlt der Auftragnehmer.

Kurze Erläuterung zu den Problemen rund um den Nesenbach als PowerPoint-Datei.

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5 Kommentare zu DB-Bauablaufplan vor Inbetriebnahme des GWM

  1. Pingback: Presseerklärung: Stuttgart 21: Der Südflügel bleibt – wir auch! | Bei Abriss Aufstand

  2. Klartexter sagt:

    Womit einmal mehr bewiesen wäre, dass es der Bahn Hand in Hand mit ihrem von Grün-Rot organisierten Geleitschutz um nichts anderes geht,

    als die schnellstmögliche Zerstörung unserer Stadt im Sinne unumkehrbaren Faktenschaffens!

    Diese Vorgehensweise, insbesondere das Verhalten von Landesregierung und Geleitschutz, sind grob rechtswidrig und müssen endlich auch als solche kommuniziert werden.

    Ruft endlich die Innenstadt-Bevölkerung unmissverständlich und über alle verfügbaren Kanäle zum entschlossenen, friedlichen und zivilen Widerstand gegen die illegale Zerstörung ihres Lebensraumes auf!!!

  3. Lieber Mathias,
    Ein Vorziehen von Arbeiten bringt für den Bauablauf keinen Fortschritt, …
    Wieso Fortschritt?
    Wenn man quasi als Prämisse (für das Handeln der sog. Projektbetreiber) nicht eine Änderung oder gar Verbesserung der Bahninfrastruktur (bzw. des öffentlichen! Schienenverkehrs), sondern umgekehrt eine maximale! Zerstörung des – aus Sicht der Projektbetreiber – leider, leider öffentlichen Schienenverkehrs bzw. überhaupt von öffentlicher Infrastruktur (und wenn es sein muss auch der öffentlichen Bäder) annimmt, für deren Handeln zugrunde legt, dann wird wirklich alles an dem verschissenen Projekt und seinen Abläufen klar verständlich und gewissermaßen logisch.
    Dann wird auch nachvollziehbar warum es völlig egal ist, ob das sog. Grundwassermanagement schon in Betrieb ist oder nicht, Hauptsache der Südflügel ist schon mal abgerissen – war doch beim Nordflügel genau so!

    Erst wenn ein Maximum an Zerstörung öffentlichen Verkehrs in und um Stuttgart erreicht wurde (auch wenn sich zwischendurch (mehrere) technische Unüberwindlichkeiten ergeben sollten),

    erst, wenn ein Maximum an öffentlichen Gelder für Schieneninfrastruktur-Investitionen (zur Verhinderung anderer, sinnvollerer Schieneninfrastrukturprojekte) regelrecht vernichtet wurde,

    erst, wenn ein Maximum an öffentlichen Gelder regelrecht privatisiert (lat. privare = rauben!) wurde,

    erst, wenn die Menge an verschwendeten öffentlichen Geldern in dem Projekt groß genug war, so dass die als Eigenleistung verklausulierten Schutzgelderpressungen der Bahn (in Höhe von ca. 15-17% des Projekt-Volumens), eine dem Bahn-Vorstand genügend große Provision abgeworfen haben,

    usw., dann wird das Projekt beendet. Und wenn dabei eine nahezu 100%ige Zerstörung der Schieneninfrastruktur in und um Stuttgart auch noch als Windfallprofit abfällt, ist dass denjenigen, die das Projekt wirklich antreiben (nicht die Bahn!) durchaus recht, sogar die eigentliche Absicht! Und wenn dann auch nicht die öffentlichen Mineralbäder mangels Mineralwasser schließen – um so besser! Öffentliche Infrastruktur? Pfui bähbä! Wofür wurde denn schließlich 1989 sämtliche Reste an Sozialismus oder Kommunismus ersatzlos abgeschafft und statt dessen die neue Religion Neoliberalismus als Kaschierung einer maximalen Ausbeutung, einer maximalen Profitsucht oder schlicht von Privatisierung (siehe oben) eingeführt?
    Der Feudalismus hat im sog. Hochmittelalter damit begonnen, die Almende (als öffentliche Weide) abzuschaffen und feiert mit der Privatisierung von öffentlichem Verkehr fröhliche Urstände. Dazu im Vergleich ist eine nur vermeintlich falscher Projektablauf mit Abriss der beiden Flügel noch nicht einmal eine Petitesse!

    Um so mehr gilt: Oben bleiben (vor allem mit dem Kopf über dem (Grundwasser), damit wir dann in ca. sieben bis zehn Jahren noch die Kräfte haben uns aus dem Stuttgarter Karthago wieder einen halbwegs funktionierenden Bahnhof zu bauen. Wenn dabei aus versehen die Bebauung von A1, A2 und A3 leider, leider, in den reißenden Fluten des neuen Neckarhafens bei der Kernerstraße ihren verdienten Orkus finden, soll’s mir Recht sein.

    Noch ein kleine Ergänzung für die Parkschützer: wer erkennen (nachvollziehen) kann dass z.B. die riesenhaften Plätze in den ehemaligen Ostblockstaaten (z.B. Marx-Engelsplatz in Ostberlin) das genau Gegenteil von öffentlichen Plätzen, von Öffentlichkeit waren (und sind), kann das Abholzen und Vernichten des leider, leider öffentlichen Schlossgartens begreifen (im Sinne von: wie können Menschen so etwas tun?). Aus sicht der Feudalherren (und -frauen) ist es sogar dringend geboten!

  4. Gerd Jungmann sagt:

    Wenn der Südflügel abgerissen werden sollte , zeigt das wieder einmal das Chaos,
    das die DB mit ihrer Planung anrichtet!!
    Der Südflügel muß stehen bleiben , denn es gibt für den Abriss keinen Grund geschweige denn eine Genehmigung.

    eine Genehmigung.

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