Offener Brief an die Polizei zum Thema “Zählungen bei Demonstrationen bei Stuttgart 21”

Stuttgart, den 21. September 2010

An die Verantwortlichen der Polizei für die Veröffentlichung von Zahlen bei den Demonstrationen gegen Stuttgart 21.

Die gestern veröffentlichten Zahlen der Polizei zur 44. Montagsdemonstration am Stuttgarter Hauptbahnhof ließen uns ein weiteres Mal an der Glaubwürdigkeit der Angaben der Polizei zweifeln. Seit mehreren Wochen sorge ich mit Unterstützung eines festen Teams an Zählern für genaue Zahlen bei den Demonstrationen. Unsere Ergebnisse lagen gestern bei 19.585 (gezählten) Demonstranten.

Um Ihnen unsere Zählweise ein wenig zu erläutern, gliedere ich Ihnen hier die Zahlen von gestern aufgrund der verschiedenen Zugänge zum Versammlungsplatz auf:

  • Nordflügeleingang 1: 2.195
  • Nordflügeleingang 2: 1.738
  • Eingang IC Hotel Flucht: 1.770
  • Eingang U Bahn/S-Bahn 6.744
  • Eingang Schillerstraße 1: 2.739
  • Eingang Schillerstraße 2: 1.238
  • Eingang HN Straße 1: 336
  • Eingang HN Straße 2: 1.090
  • Eingang Treppe Landesbank: 460
  • Eingang Landesbank Durchgang: 675
  • Hinzu kommen die Personen, die am IC-Hotel und an der Schillerstraße standen und nicht an den Zählern vorbei gingen, weil der Platz zu voll war (600).

Wir zählen mit so genannten “Schuss-” oder “Fischzählern” wie es bspw. in der Eventbranche üblich ist. Es ist uns daher möglich, recht genaue Zahlen zu ermitteln.

Wir räumen gerne ein, dass sich eine Differenz von +/- 5 % ergeben kann, die durch Reisende oder andere Menschen, die nicht dauerhaft bei der Demonstration bleiben, verursacht wird. Wir zählen offensichtlich Reisende (mit Koffern) sowie Polizisten NICHT mit. Seit der Taxistand Montags während der Demo nicht mehr besetzt ist, sind unsere Zahlen sogar noch genauer geworden, weil die Reisenden aus dem Bahnhof fast gar nicht mehr auf den Platz strömen.

Daher nun meine Frage:
Warum behaupten Sie, es wären gestern 6.000 Demonstranten anwesend gewesen?

Beim Vergleich der Zahlen stellt man fest, dass die Differenzen bei jeder Veranstaltung der letzten Wochen erheblich sind. Woher kommt diese Differenz? Ist es möglich, dass Sie angewiesen sind, geringe Zahlen zu veröffentlichen?
Mehrere Polizeibeamte in höherer Stellung äußerten unabhängig voneinander mir gegenüber folgende Tatsache: “Wenn wir die wahre Zahl der Demonstranten angeben würden, könnten wir die Demos personaltechnisch nicht bestreiten.”
Daraufhin habe ich Sie, Herr Keilbach und Herr Petersen, mehrmals um ein klärendes Gespräch gebeten, um uns gemeinsam über die “Zählmethoden” auszutauschen – leider ohne Erfolg. Dabei sollten wir doch wenigstens hier ein gemeinsames Ziel verfolgen: wahre Zahlen, um die Sicherheit von Bürgern und Polizisten zu gewährleisten. Dies sollte auch in Ihrem Interesse sein, Herr Polizeipräsident Stumpf.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich möchte hier keine haltlosen Unterstellungen verbreiten. Ich gewinne nur mehr und mehr den Eindruck, dass die Publikationen der Zahlen mehr als nur ein "Geschmäckle" haben.

Spätestens seit heute bin ich fest der Überzeugung, dass Sie auf Weisung von Politik und Vorgesetzten falsche Zahlen publizieren – anders kann ich mir Ihr Verhalten nicht mehr erklären. Bitte bleiben Sie als Beamten und unsere Polizei bei der Wahrheit und lassen Sie sich von NIEMANDEN beeinflussen.

Auch das wäre ein Beitrag zum weiteren Frieden in Stadt!

Meine Einladung für einen Erfahrungsaustausch zum Thema "Zählung bei Veranstaltungen dieser Art" halte ich gerne aufrecht und würde mich sehr freuen wenn Sie dieser nachkommen würden!

Matthias Kästner
Event- und Projektplanung

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16 Antworten zu Offener Brief an die Polizei zum Thema “Zählungen bei Demonstrationen bei Stuttgart 21”

  1. Pingback: Die Bild und das Bild | Bei Abriss Aufstand

  2. Alexander sagt:

    Die Polizei schätzt die Demonstranten.
    Dies zum einen, zum anderen werden die Zahlen klein
    gehalten, da bei größeren Ansammlungen mehr Polizisten gestellt werden müssten.
    Da die Polizei mit S21 an ihre Belastungsgrenzen kommt kann
    mehr Polizei kaum aufgestellt werden ohne meh Hundertschaften aus den Nachbarländern anzufordern.
    OBEN BLEIBEN!

  3. Roland W. sagt:

    Gibt´s jetzt Vorgaben für „offizielle“ Zahlen von „Feldhügel Reitzenstein“? Fragen wird man ja wohl noch mal dürfen…

  4. gegen zensur sagt:

    die polizei sollte schon die richtige demonstrantenzahl verwenden … ( … Rest des Posts gelöscht, weiter so und Du wirst gesperrt … Michi )

    • Alexander sagt:

      Wird der Kehrwochenstreit über den Langhaarigen
      Kaoten jetzt schon in das Internet getragen.
      Schämen sollten Sie sich.
      Der Mob hat immerhin um 1790 die Demokratie in diesen Breiten neu etabliert.

    • Max sagt:

      Alter, und wenn Du Dich „Der Kaiser von China“ nennst. Du hast hier Hausverbot. Mach Dich vom Acker.

  5. Tine Böhler sagt:

    @Alexander: Wer noch nicht mal den Mut hat, sich mit vollem Namen zu erkennen zu geben sollte besser nicht diffamieren. Anonyme Beleidigungen sind halt schon sehr einfach, aber im Niveau geradezu unterirdisch.

    • Michi sagt:

      Hmmm … da besteht bei Ihnen offensichtlich ein Missverständnis, liebe Tine: Alexander hat auf die argen, mittlerweile gelöschten Beschimpfungen von „gegen Zensur“ reagiert und diese in seinem Kommentar aufgegriffen. „gegen zensur“ hatte den „Mob“ ins Spiel gebracht und Vorschläge an die Polizei gemacht wie mit diesem zu verfahren sei.

  6. Tine Böhler sagt:

    Oh, OK danke für die Info!
    Dann muss ich mich ja gar nicht weiter ärgern. 😉

    • Max sagt:

      Nee, kannst beruhigt sein. Diesen Troll haben wir schon im Griff, seine unterirdischen Kommentare bleiben genau so lange hier stehen, bis einer von uns drüber guckt. Und dann fliegt er wieder raus. Inzwischen nennt er das Zensur, aber das ist mir schnurzpiepegal. Trolle haben hier nix verloren.

      • Tine Böhler sagt:

        Dankeschön 🙂 Mit Trollen rumärgern ist echt reine Zeitverschwendung. Die können wir sinnvoller nutzen

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  8. Die notorisch zu geringen Zahlen bei Demonstrationen sind ein POLIZEITRICK seit Jahrzehnten. Mir kam im Juni 1967 bei der ersten Demo in TÜBINGEN wegen der Erschießung unseres Kommilitonen BENNO OHNESORG die Idee, die Demonstranten an mir vorbeigehen lassen und einzeln zu zählen. Nach jedem 10. machte ich einen Strich auf dem Zettel. Genauigkeit war leicht möglich, der Strom lief eingeengt auf der Straße und niemand wollte zufällig zwischen uns kommen. Am Ende hatte ich knapp 1.000 Teilnehmer gezählt.

    Die Polizei stellte schon damals keinen Zähler auf, sondern schätzte in traditionell feindseliger Manier: Nur 300 sollten es gewesen sein.

    Schande aber über die Presse, die immer gedankenlos die Polizeizahlen nachplappert. Auch in diesem Punkt haben wir häufig Regime-Zeitungen, keine unabhängige Presse.

    Cordiali saluti
    an alle die
    OBEN BLEIBEN
    wollen.
    Hellmut G. Haasis

  9. Pingback: Ein Vorfall, zwei Schilderungen |

  10. Sandra Kostelnik sagt:

    Hallo zusammen!
    Macht weiter so! Kämpft für die Sache! – Ich hoffe sehr, dass Deutschland nun endlich aufsteht – gemeinsam!! – Wird Zeit!
    LG
    Sandra

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