Siggis Schmähbrief Nr. 14

„Granatensauerei“ - solchene Wörter g'falln dem Siggi, die klingen nach seiner bayrischen Heimat, aus der es ihn verschlagn hat nach Stuttgart, lebensumständehalber (aber des hat der Siggi euch schon öfter erklärt ...). Also, der Hundt, schwäbischer Arbeitgeberpräsident, der hat doch dem Walter Sittler per Gericht verboten, seine, also Hundts „Granatensauerei“ zu kommentieren. Des war gestern. Und heut? Granatensauerei, meint der Siggi. Jetzt ham wir seit drei Jahren Fakt auf Fakt, manche von uns seit fünfzehn Jahren, gegen diese Großmannsucht, diesen PlastikFortschritt, diese Zernichtung einer Bürgerbahn angeführt, und jetzt?!

Der Siggi meint, wenn ca 1,5 Millionen Leut im Ländle ein JA ZUM AUSSTIEG ankreuzen, is des ein Erfolg. Demokratiemäßig. Weil die der Obrigkeit aus Politik und Wirtschaft, diesen granitnen, dummgeschnitzten Welterklärungen nicht mehr glauben.

Die Macht dieser erschwindelten Verträge! Die Befürworter mit ihren NEIN-Plaketten mussten ja nicht drei oder fünfzehn Jahre dafür einstehen, was die sog. Entscheidungsträger ausgebrezelt haben, die mussten grad mal zwei Monate aufwachen und ein paar Sprüche aufmöbeln, die eh im Bahnhofsturm ausliegen, und dann manchen Senf drauf wie den von den Ausstiegskosten von 1,5 Milliarden und Katastrophen ankündigen, wenn nicht gebaut.

Zum zweiten: die CDU, die FDP, Freie Wähler, und ihre AnhängerDings haben weniger für den Tiefbahnhof als gegen den Kretschmann und Hermann gestimmt. Rache für die Märzschlappe! Und die Schmids, Schmiedels, Drexlers, Blinds machen sich gemein mit Hundt, Zetsche, Leibinger, Dürr, Ramsauer, Merkel. Achja, und mit'm Fordschridd!

Und dann meint der Siggi: des Aktionsbündnis sollt aufhörn, endlich, die Volksabstimmung als ein Verdienst von uns Widersachern gegen S 21 aufzublasen. Wenn überhaupt: ein „Verdienst“ von Schmid und Schmiedel und seinem lieben Gott, und die Grünen haben sich leimen lassen fürs Regieren. Dass wir dann mitgemacht haben, is was anderes. Die Brigitte Lösch gestern (andere auch), die die traurigen Demonstranten gestern tröstet, dass nie wieder ein Großprojekt gebaut werden kann ohne Bürgerbeteiligung, dass Verfassung geändert wegen dem Quorum – Herrschaftszeitn, sowas schwadroniert sich wie zerknitterte Billigseide aus allen Fraktionen.

Dem Siggi hat gestern vor allem der Beitrag von dem Winfried Wolf gefallen, aus der Riege jener Journalisten, die z.B. EINUNDZWANZIG gegründet haben. Dieser kleine Geschichtsunterricht über Privatisierung und Verstaatlichung und Privatisierung der Eisenbahn in Europa. Der, also der  Herr Wolf, redete in der besten Tradition unserer Montagskundgebungen vom vergangenen Jahr: öffentliche Bildungsveranstaltungen!! Zwischendurch: freche Verse oder böse Lieder! Und bitte keine Bauchpinselei mehr, wie toll und kreativ wir alle sind. Und neue politische Kultur. Höchstens vielleicht!

Der Siggi meint noch: Hört's auf mit den Demonstrationen im Viereck zum Schlossplatz. Wir machen  Spaziergänge zum Südflügel oder durch den Park, immer nach den Kundgebungen. Und wir machen in Zukunft keine Montagskundgebungen, sondern  am Dienstag, also Dienstagskundgebungen! Und fragt's die Leut, die zu Tausenden immer kommen und dann mehr oder weniger Programm vorgesetzt kriegen. Lasst sie abstimmen über Vorschläge, wie weitermachen. Zum Beispiel über die Vorschläge, die der Siggi jetzt gemacht hat!

An scheana Gruaß vom Siggi!

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2 Kommentare zu Siggis Schmähbrief Nr. 14

  1. hajomueller sagt:

    Hallo Siggi, mich freut’s, dass auch du die Bauchpinseleien des Aktionsbündnisses satt hast. Wir waren zwar fleißig, kreativ, einsatzfreudig und was weiß ich noch alles, aber Erfolg hatten wir bisher noch nicht. Man darf in der Weihnachtszeit zwar träumen, aber Realist sollte man schon bleiben. Auf der Montagsdemo hätte ich heute gerne gehört, dass Herr Kretschmann im Club des LGNPCK’s angekommen ist. Schön haben das die Grünen gemacht, vor dem Bahnhof die Demonstranten betütelt und in der Villa Reitzenstein in Sachen Widerstand gegen S21 Arbeitsverweigerung zelebriert. So was nennt man Arbeitsteilung. An dieser Stelle eine Kritik an Walter Sittler als er meinte, Winfried Kretschmann sei der beste Ministerpräsident den wir seit langem hätten. Das dürfte bei Namen wie Kiesinger, Filbinger, Teufel, Oettinger und Mappus auch keine Kunst sein.
    Mir ist klar, in Stuttgart steht der Hauptbahnhof im Mittelpunkt. Aber S21 ist eigentlich nur das Ergebnis einer Machtergreifung der (Finanz)Wirtschaft in Zusammenarbeit mit der Politik. Das eigentliche Manko der Grünen ist, wie es heute Albrecht Müller von den Nachdenkseiten.de beschrieben hat, dass sie ihren Frieden mit diesen korrupten Verhältnissen gemacht haben. Ich glaube nicht mehr, dass die SPD Basis den Punch hat, aus ihrer Partei wieder eine sozialdemokratische zu machen und auch bei den Grünen merken die kleinen Abgeordneten nicht mehr, dass man sie am Bahnhof nur verbraten und benutzt hat. Es ist für uns auch sicher kein Trost, dass MP Kretschmann auch mit den Atomkraftwerkgegnern unsolidarisch verfährt. Wer von der Wirtschaft und konservativen Kreisen soviel Beifall wie der Ministerpräsident erfährt, müsste sich eigentlich fragen, wem er näher steht, der korrupten Elite, oder seinen Wählern. Wobei mir klar ist, Winfried Kretschmann hat noch nichts von Korruptheit in der schwäbischen Elite entdeckt.
    Der Beitrag von Winfried Wolf am Sonntag Abend ist sicher ein Beitrag etwas weg vom Bahnhof, politischer Nachhilfeuntericht. Auch der Beitrag im Kontext von Mathew D. Rose
    http://www.kontextwochenzeitung.de/newsartikel/2011/11/politik-als-geschaeft/
    zeigt, wo der Hebel anzusetzen wäre. Stellt sich mir nur die Frage, wären wir uns in der politischen Diskussion so einig wie im Kampf gegen den Bahnhof? Ich bin mir sicher, keine der im Stuttgarter Parlament vertretenen Parteien wird uns im Kampf gegen eine transparentere Politik, mehr Demokratie, bessere Aufklärung (Medien) und eine sozialere Politik behilflich sein.
    Noch eine Anmerkung am Schluss. Ich stelle mir die Frage, wieviel des grünen Beitrags an das Bündnis zum Volksentscheid stammt aus Spenden und Sponsoring der Deutschen Bahn an die Grünen?

  2. hajomueller sagt:

    Ich bin es nocheinmal. „Und wenn du meinst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her“. Angesichts der Meldung in Telepolis http://www.heise.de/tp/blogs/8/150922 ist dieses Sprüchlein sarkastisch. Aber es hat etwas damit zu tun, dass wir uns bei unserem Widerstand etwas mehr mit Politik beschäftigen sollten und vor lauter Bahnhof noch größere Katastrophen übersehen.

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