Mahnwachenfest: Rede von Wilfried Hüfler

Rede von Wilfried Hüfler zu Beginn des 4. Mahnwachefestes im Berger Festzelt, Stuttgart, am 17.7.2014

Liebe Obenbleiber!

Zwar wohne ich in Reutlingen, aber dennoch werden bei mir hier in Stuttgart heimatliche Gefühle wach, nachdem ich ein Jahrzehnt lang hier als Sprachlehrer tätig war, in der Waldorfschule in Vaihingen.
Es gibt insgesamt vier Motive, die mich lange Zeit an den Protesten gegen Stuttgart 21 aktiv teilnehmen ließen, mit ihrem Kristallisationspunkt, der Mahnwache, und die vier Motive führen zu einer Bilanz, die ich abschließend ziehen werde.

1) Ich bin voller Bewunderung für das historisch wohl einmalige Phänomen der Stuttgarter Mahnwache, über die vor zwei Monaten bei uns in Metzingen bei der Arbeitsgemeinschaft gegen Stuttgart 21 Lutz Schmidt von der Nachtwache ausführlich berichtete. Auch für mich war die Mahnwache die Anlaufstelle, wenn ich von Reutlingen zu den Demos nach Stuttgart kam. Immer wieder gab es neues Material, neuer Anstecker, neue Gesichter bei den Helfern. Und plötzlich war da am Nordflügel der Zaun, der bald voll mit geistreichen Sprüchen behängt war, und hinter dem Zaun standen tatsächlich bald die Bagger, und während wir die Kreuzung blockierten, hörten wir dann, wie die behördlich genehmigte Sachbeschädigung losging, und auch ich hatte Tränen in den Augen, als die Beißzange des Giraffenhalsbaggers die ersten Natursteinquader aus der Nordflügeldachkante herausbrach.

Da hatte mein Widerstand gegen das Wahnsinnsprojekt - mein erstes Motiv - schon einige Wochen lang bestanden. Und ich erlebte, wie dort von Woche zu Woche eine Gemeinschaft zusammenwuchs, man grüßte sich lächelnd, wenn man sich wiedererkannte, nicht nur ehemalige Schüler und Schülereltern. Und es ergaben sich so viele interessante Gespräche mit interessanten Menschen, an denen man sonst in der Stadt vorbeigelaufen wäre. Und ich weiß noch, wie ich auf den Bänken vor dem Rednerpodium das inzwischen legendäre schlichte Schild "Kopf bleibt oben" entdeckte, hochgehalten von Magda Bubetz, einer alten Anti AKW-Mitstreiterin, die schon 1975 zu mir nachhause kam, nach Mittelstadt, um uns - zusammen mit anderen Stuttgarter Aktivistinnen, es waren meist Frauen – in unserem Kampf gegen das dort geplante Atomkraftwerk zu unterstützen. Ein freudiges Wiedersehen! Das war glaube ich bei der Rede des unvergessenen Energiewende-Pioniers Hermann Scheer wenige Wochen vor seinem Tode, wo er die Forderung aus dem Stuttgarter Appell nach einem Volksentscheid über Stuttgart 21 aufgriff und sich während der Rede klugerweise korrigierte und statt von Volksabstimmung von Volksbefragung sprach.

2) Das berührt nun das zweite Motiv meines Engagements hier:
Denn dass ich selbst seit Juli 2010 fast ein Jahr lang keine der Stuttgarter Demos ausließ, hatte nicht nur damit zu tun, dass ich an meinem Rollator deutlich plakatierte, dass ich aus Stuttgarts Umland heraus, hier also Reutlingen, den Widerstand stützte, sondern mit jener von Herrmann Scheer und Walter Sittler angesprochenen Forderung eines Moratoriums bis zu einer gesetzlich geregelten Partizipation der Bürgerschaft. Viele mögen sich erinnern, dass im Schlosspark rote Aufkleber auftauchten, mit dem Emblem einer weißen Nelke, zunächst nur mit dem Wort Widerstand. Und das begleitete die unter anderem von mir vertretene massenweise Verteilung von Flugblättern der Demokratie Initiative 21, gelbe, grüne Infoblätter, vor allem die rot-blauen mit den Unterschriftenlisten für die Einleitung eines Volksbegehrens, das zum Ziel hatte, die Landesverfassung zu ändern, dass also die dortigen Paragraphen 59, 60 und 64 so modernisiert würden, dass Volksentscheide hier sinnvoll und erfolgversprechend durchgeführt werden könnten, und dies mit der fast illusionären Hoffnung verbunden, dieses Volksbegehren so schnell über die Bühne zu bringen, dass die Gesetzesänderung dem Kampf gegen Stuttgart 21 noch hätte zugutekommen können ,was die unselige, parteitaktisch orientierte Volksabstimmung Kretschmanns womöglich verhindert hätte.

Viele von euch Demonstranten haben unter der Fülle des auf den Demos und auf der Mahnwache verteilten Papiers auch unser anspruchsvoll formuliert es Anliegen richtig studiert und auch bei Wind und Wetter unterschrieben oder uns ganze volle Listen zugeschickt, aber leider nicht 10.000 mal. Es hatte dabei auch große Verwirrung gegeben. Einerseits gab es eine erfolgreiche Initiative aus dem Bereich der Parkschützer, ein Volksbegehren zu starten, und zwar zur Auflösung des Landtags, und bei der personell gut ausgestatteten Unterschriftenaktion kamen dort die 10.000 Unterschriften rasch zusammen. – Zum zweiten meinten viele andere, mit der schon geleisteten Unterschrift zum Stuttgarter Appell sei unser Anliegen schon abgedeckt, und dasselbe glaubten zum dritten wohl andere, die sich in die gleichzeitig laufende Unterschriftensammlung der Freunde vom Verein Mehr Demokratie eingetragen hatten, die aber nur politischen Druck ausüben wollte, ohne also ein Volksbegehren zur Änderung der Landesverfassung anzustreben. - Die traurige Pressemitteilung der Demokratie Initiative 21 dann2012, nach dem Tode des Impulsators Wilfried Heidt, die den vorläufigen Abbruch des Volksbegehrens erklärte, wurde in Baden-Württemberg in den Zeitungen leider nicht veröffentlicht, außer auf unserer Webseite. Den Dank an die vielen Unterstützer konnten an meinem Rollator nur Vereinzelte zur Kenntnis nehmen – ich freue mich, dass ich ihn jetzt erstmals vor einer größeren Zuhörerschaft aussprechen kann. Also: Ganz herzlichen Dank!

3) Mein drittes Motiv:
Das ist der Zusammenhang von Stuttgart 21 samt Neubaustrecke mit der Atomenergienutzung. Viele der S 21 Demonstranten haben das ebenfalls so gesehen und demonstrierten z.B. auch in Neckarwestheim. Auch hier zeigt sich die Bahn als rückwärtsgewandt, setzt keinesfalls auf Energieeinsparung bei Bau und Betrieb, zeigt sich in ihren Planungen unbeeindruckt von dem fatalen Menetekel von Fukushima, geschweige denn von den ernsten Argumenten der traditionellen Anti AKW Bewegung, wofür ich gelegentlich symbolisch das Bild des Atomphysikers Professor Bechert an meinem Rollator trug, der im Bundestag schon 1959 als einziger seine Zustimmung zum Atomgesetz verweigerte.

4) Mein viertes Motiv wird symbolisiert von dem Bild von Hartmut Gründler an meinem Rollator. Es ist das Motiv des Kampfes gegen die Lüge, welches sich eben auch auf unseren Demos oft in dem Sprechchor "Lügenpack " artikulierte. Dieser Tübinger Atomgegner, an dessen Biografie ich arbeite und der damals auch immer wieder in Stuttgart in Erscheinung trat, hat 1977 wegen der die Menschenwürde verletzenden Verlogenheit der Energiepolitik sein Leben geopfert, durch Selbstverbrennung, fokussiert auf die Lüge vom Atommüllendlager in Asse II, das jetzt absäuft, mit illegal eingebrachten 11,6 kg Plutonium, und dessen Sanierung uns Milliarden kosten wird, wenn das überhaupt möglich ist. Die Folgen der politischen, aus Macht- und Profitgier erwachsenden Lügen kosten uns nicht nur Milliarden – bei der sicheren Bewachung des ewig strahlenden Atommülls zum Beispiel wie auch hier in kleinerem Maßstab bei Stuttgart 21 - sondern sie betreffen auch eine gesellschaftliche, ja menschheitliche Dimension: Was geschieht mit uns als Individuen, wenn wir uns an die politische Lüge gewöhnen, wenn wir sie gleichgültig als gegeben hinnehmen? Gründler schrieb: „Zerstörung – und SELBSTzerstörung – beginnen mit der Lüge.“ - Zerstörung in der Welt um uns herum, denken wir an Fukushima, oder an unseren Schlosspark – und Selbstzerstörung in der Demontage der moralischen Existenz der Herrschenden, die uns belügen, aber auch in uns, wenn wir uns belügen lassen – Zerstörung und Selbstzerstörung beginnen mit der Lüge.

5) All dies mündet für mich in die folgende in die Zukunft weisende Bilanz.
In den vier Jahren ist hier – nicht zuletzt mithilfe der Mahnwache – eine Gemeinschaft besonderer Art entstanden mit einem besonderen Potenzial, ähnlich wie in Wyhl oder Gorleben. Das ist also eine Gemeinschaft, die zum einen zusammengehalten wird durch menschliche Wärme und überdurchschnittliches Sachwissen aufgrund einer gut funktionierenden Kommunikation (ich informiere mich zum Beispiel bei den Parkschützern, bei Peter Grohmann, Peter Gruber, Jens Loewe, Jürgen Hückstädt, ich lese gern Pit Främke usw.). Zum anderen zeigt unsere Protestbewegung auch bewundernswerte Willensstärke, Ausdauer und selbstlose Einsatz- und Leidensbereitschaft. Sie kann so der Nährboden sein für etwas wirklich Neues:

Vielen Mitstreitern wurde ja immer deutlicher bewusst, dass es in unserem Kampf nicht allein um ein falsches Bahnhofsprojekt geht, nicht nur um ein verschleiertes Immobilienprojekt, sondern dass es um politische Belange geht, um die Frage, wieweit Verwaltung unabhängig ist, wieweit die Justiz unabhängig ist, wie weit politische Entscheidungen dahinter stehen, wieweit und warum die Kanzlerin S 21 zur Chefsache machte, (Stichwort: Pofalla), um die Frage überhaupt nach dem Zustand unserer Demokratie, wie sie besonders Attac seit der Jahrhundertwende hartnäckig bearbeitet, und dass man sich gleichzeitig um Fragen des TISA kümmern muss (früher GATS, bloß noch schlimmer) und dass die Frage der Rekommunalisierung von öffentlichen Einrichtungen zur Daseinsvorsorge nicht ohne inneren Zusammenhang mit S 21 ist, und jetzt das Aufbäumen gegen das TTIP. In all dem findet sich ja der gleiche Ungeist des Neoliberalismus.

5) Und so ist das Schöne an unseren Widerstand, dass er also diese wache Bürgerschaft erzeugt, die offen ist für solche übergeordneten Gesichtspunkte, die beherzt Ja sagt, wenn es heißt: „Eine andere Welt ist möglich“

Dieser Wahlspruch, der auf dem großen Banner von ATTAC steht, war sinngemäß in der Geschichte der Menschheit immer wieder der Gedanke, der sozialrevolutionäre Bewegungen zusammenschweißte und beflügelte.
War nicht so einer schon Jesus von Nazareth, der im Tempel Gottes die Tische der Geldwechsler umstieß? Er verhieß allerdings „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, doch gehen von seiner gegenwärtigen Anhängerschaft durchaus - gegen den Mainstream - weltliche Impulse zur Bewahrung der Schöpfung und zur Linderung der Not der Menschen aus.

Die letztlich vergeblichen baden-württembergischen Bauernaufstände des Armen Konrad vor 500 Jahren -sie hatten irgendwie auch eine andere Welt zum Ziel.

Die Französische Revolution sorgte mit ihren Idealen der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit für die fortschreitende menschenfreundliche Verbesserung in der Folgezeit.

Wäre ohne sie knappe 100 Jahre später der Frühsozialismus möglich gewesen mit seiner Vision einer menschenwürdigen sozial gerechten und freien Zukunftsgesellschaft?

Die Möglichkeiten einer anderen Welt sah zum Beispiel auch Rudolf Steiner, der 1919 mit seinen „Kernpunkten der sozialen Frage“, in Stuttgart erschienen, die sogenannte Dreigliederung des sozialen Organismus skizzierte, in der der Mensch letztlich der Ausgangspunkt und Bezugspunkt aller gesellschaftlichen Erneuerung war, einen Impuls, der letztlich hinter meinem Engagement hier bei Stuttgart 21 steht, , und zwar im Hinblick auf die Demokratieinitiative 21.

Die Vision einer anderen Welt stand nun Pate bei der Gründung von Attac in Frankreich 1998 - und zwei Jahre später in Deutschland - als Reaktion auf die neoliberale Ausprägung der Weltwirtschaft, so wie sie sich spätestens 1995 in den Statuten der Welthandelsorganisation WTO manifestierte. Ulrich Morgenthaler vom Forum 3 verdanke ich den Impuls, mich bei Attac zu engagieren, zunächst in Tübingen, und nach meinem Schlaganfall dann in Reutlingen und mehrfach im Kreis Esslingen.

6) Wenn wir sagen: "Eine andere Welt ist möglich", so ist es mir – und vielleicht auch euch – wichtig, den Blick mehr auf die Innenseite des Weges zu einer anderen Welt zu richten, die wir für möglich und not-wendig halten.

Ich zitiere aus dem Bussauer Manifest aus dem Jahre 1975 (!): „Diejenigen, die eine andere Welt für möglich halten und dafür kämpfen, müssen dafür Sorge tragen, dass sie sich nicht selbst im Rahmen des Denkens und Handelns bewegen, das selbst die Ursache der Krise ist“, und das halte ich tatsächlich für sehr schwer.

Jesus predigte: Metanoeite! Und das heißt nicht „Tut Buße!“ wie bei Luther, sondern „Denkt um“.

„Umdenken, Umschwenken“ - hieß die Schweizer Ökologie Ausstellung 1976 in Kassel.

Aber wie ist dieses andere Denken zu fassen? Zunächst könnte man es nachbestimmten Denkinhalten ausrichten, zum Beispiel
a) Die Grenzen des Wachstums: Wir haben nur diese eine Welt,
b) Infragestellung des durch den Calvinistischen Geist beförderten harten Kapitalismus, besonders in den USA verbreitet, mit der Abschaffung des Zinsverbotes vor 500 Jahren, mit der Folge der rücksichtslosen Gier nach Profit mit dem Motto: Gott belohnt die Tüchtigen und bestraft die Müßigen, also eine theologisch philosophische Frage,
c) dagegen Mahatma Gandhi s Satyagraha, zum Beispiel mit der These: Besitz führt zu Gewalt; - oder
d) das Attac Motto: die Welt ist keine Ware, es darf nicht alles käuflich sein,
e) Ludwig Erhards Appell zum Maßhalten,
f) die Frage: Was ist Fortschritt?–Abgesehen von bestimmten Innovationen, zum Beispiel im Bereich der Erneuerbaren Energien - ist es nicht so, dass der wahre Fortschritt in einer neuen Ethik des Rückschritts zum globalen Überleben liegen muss, drastisch motiviert durch die tickende Zeitbombe von Fukushima, diese fatale, letale, als unbeherrschbar erwiesene Nuklearkatastrophe, ein jetzt unübersehbares Menetekel für unsere globalisierte Zivilisation?

Diesen sechs von mir ausgewählten Denkansätzen ist wohl eines gemeinsam: der Impuls zur Wahrung der Menschenwürde.

Unsere Menschenwürde ist nicht nur verletzt, wenn wir in menschenunwürdigen äußeren Umständen leben müssen, sondern wenn wir uns als unfrei erleben, ausgeliefert fremden Mächten, auf die wir keinen Einfluss ausüben können, als moderne Sklaven.

7) Und diese Versklavung beginnt auch schon auf der geistigen Ebene, durch Konditionierung im Denken, oft nicht bewusst wahrgenommen.

Ich bin hierfür besonders sensibilisiert aus zweierlei Lebenserfahrungen, einmal aufgrund der Waldorfpädagogik mit ihrem Ziel der „Erziehung zur Freiheit“, und zum anderen durch das philosophische und sprachkritische Vermächtnis von Hartmut Gründler in seinem Kampf gegen die Lüge und das Zwiedenken.

Dazu die folgenden Überlegungen: Das Denken formt die Sprache (um) - und die Sprache wirkt auf das Denken (und in feiner Weise auch auf den gesamten geistig-seelischen Hintergrund eines Sprechers).

Je klarer die Sprache, mit der man umgeht, ist, umso größer ist das Vertrauen in sie und das Bewusstsein, einigermaßen richtig zu denken.

Je mehr man in der Spracherziehung gelernt hat (eher in G9 als in G8), auf Feinheiten hinzuhören, umso hellhöriger wird man für verführerische Sprache.

Die vielen Anglizismen Im Neudeutschen z.B. gehören einer sprachlichen Nebelzone an, der gegenüber das Urvertrauen in die Sprache schwindet.

Amerikanisches Englisch als Weltverkehrssprache dient dem facettenreichen US Imperialismus als Vehikel. Die kaum widersprochene zunehmende Infiltriererung unserer Sprache, besonders von der Werbebranche bedenkenlos vorangetrieben, dient seinen Zwecken. Ähnliches zeigen die Begleitumstände des fatalen Cross-Border-Leasing - die Deutschen waren auch rein sprachlich überfordert.

Verunsicherung gegenüber der eigenen Sprache wird auch befördert durch die an sich wohlmeinende Feminismusgrammatik, in deren widernatürlichem Gestrüpp sich selbst die Protagonisten verheddern.
Ein anderer Blick auf die Verarmung der Sprache: Von den 6000 bekannten Sprachen sind 3000 Idiome ausgestorben, in denen jeweils individuell eigenständig gedacht werden konnte. Die vereinfachenden Globalisierer bedauern diesen unwiederbringlichen kulturellen Verlust genauso wenig wie das von ihnen nicht verhinderte Artensterben.

Eine verlässliche Sprache also ist ein wesentlicher Faktor unseres Menschentums. Preisgabe der Sprache ist Preisgabe des Menschen, schrieb Hartmut Gründler.

Übrigens – um eine imperialistische Welt-Verkehrssprache zu verhindern, wie wir sie jetzt im Amerikanischen haben, schuf der polnische Arzt Zamenhof vor 116 Jahren die Kunstsprache Esperanto, begierig aufgegriffen von frühen Kommunisten, besonders in Kroatien (und der dänische Linguist Professor Otto Jespersen unterstrich das politische Motiv 30 Jahre später mit seiner eleganteren Kunstsprache Novial). Mein Tübinger Freund Manfred Westermayer (Freiburg) bemüht sich bei den Grünen hartnäckig, Esperanto kostensparend wenigstens zunächst bei der EU in Brüssel einzubringen… (Auch Oettinger musste zunächst dort eine Fremdsprache lernen – Englisch.)

Rettung der Menschenwürde ist in all dem der leitende Gesichtspunkt. Der zunehmend nötig werdende Kampf gegen das Freihandelsabkommen, das uns zum Beispiel letztlich doch noch in Europa die Gentechnik und das Fracking und eine andere Gerichtsbarkeit unterjubeln will, muss seine Kraft beziehen aus dem Impuls zur Rettung der Menschenwürde.

Ein weiterer Aspekt ist dabei die Ausübung der in zivilisierten Staaten verbrieften Volkssouveränität durch Festschreibung manipulationsgeschützter Abstimmungsgesetze, so wie sie von den Achbergern seit 30 Jahren sowohl auf Bundes- als auf Landesebene vorgelegt und vertreten worden sind.

Die Demokratiefrage ist unter diesen idealtypischen Gesichtspunkt noch viel zu wenig thematisiert worden.
8) In diesem zweiten Teil meiner Ausführungen ging es also eigentlich um ein neues Denken.

Ich persönlich denke zusätzlich konkret an meine Ururenkel. Ich liebe sie jetzt schon, obwohl ich sie noch gar nicht kenne, so wie meine drei existierenden Enkel, und ich wünsche ihnen großväterlich, dass sie in Menschenwürde leben können, ohne Atom, wohl auch ohne Öl, aber von Sonne und Wind, mit trinkbarem Wasser, in erhaltener Natur, ohne finanzielle Ausbeutung, in freiheitlicher Selbstbestimmung usw. Und philanthropisch denke ich sogar global an die Generationen im nächsten Jahrhundert.

Und warum sollte ich nicht an eine Menschheit glauben, die im Jahre 3000 lebt und uns die schrecklichen Fehler des neoliberalen Ungeistes verzeihen kann, weil ihnen die Kunde von heutigen revolutionären Bewegungen wie ATTAC und dem Stuttgart-21-Widerstand -überliefert ist- mit seiner Mahnwache ?
GANZ oben bleiben!

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Ein Kommentar zu Mahnwachenfest: Rede von Wilfried Hüfler

  1. Prof. Dr. Hans Dieter Blanek sagt:

    Sehr geehrter Herr Hüfler,

    danke für Ihre Gedanken.
    Sie sprechen mir aus dem Herzen.

    Mit freundlichem Gruß
    Hans Dieter Blanek

    PS.: zu ‘Freiheit‘ und Mündigkeit (> mit dem Mund)
    im Sinne von Sagbarkeit,
    hierzu:
    Wolf Singer: Die Nachtseite der Vernunft.
    Philosophische Implikationen der Hirnforschung.
    (im ‘Netz‘ einsehbar)

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