Die Bahn braucht eine Auferstehung – Alternativer Geschäftsbericht der Deutschen Bahn

Rede von Klaus Gietinger, Autor, Regisseur und Sozialwissenschaftler, auf der 701. Montagsdemo am 25.3.2024

Liebe Freunde und Freundinnen der oberirdischen Bahn!

Wieder einmal bietet sich Gelegenheit, das dümmste Eisenbahnprojekt aller Zeiten zu stoppen. Alle Gleise des Kopfbahnhofes müssen liegen bleiben, weil sonst Stuttgart von der Welt abgenabelt wird. Stuttgart, Baden-Württemberg, die Bahn und die Politik haben sich schon vor dem ganzen Planeten lächerlich gemacht: Wir können alles außer Bahnhof!

Ich rufe den Altmaoisten bzw. Altstalinisten und seinen Adlatus, die lachende Fastnachtsfigur von einem Oberbürgermeister von Stuttgart, sowie den Porschefahrer Wissing und die Boni-Grabscher von der Bahn dazu auf, endlich Schluss zu machen mit dem S21-Quatsch. Ihr packt es nicht! Ihr braucht den Kopfbahnhof – und zwar einen modernisierten, ihr braucht die Gäubahn und ihre Panoramastrecke – und zwar auf der ganzen Linie zweigleisig. Und ihr braucht endlich Ehrlichkeit und Mut, die größte Bahnhofszerstörung der Geschichte zu stoppen.

So, und jetzt erzähle ich Euch in aller Kürze, was im Alternativen Geschäftsbericht der Deutschen Bahn drinsteht, und was Bürgerbahn für eine starke Schiene für Vorschläge hat.

Zunächst der derzeitige Zustand der Bahn. Ihr kennt das zwar alles, aber man kanns nicht oft genug sagen:

  • Der Verlust der Bahn hat sich seit dem letzten Jahr mehr als verzehnfacht, von 227 Millionen Euro auf 2,35 Milliarden Euro. Ohne die Gewinne von Schenker wären es 3 Milliarden.
  • Das gigantische Auslandsengagement der Bahn mit unzähligen bahnfremden Firmen auf dem ganzen Globus wird von uns bezahlt und sorgt aber dafür, dass die Bahn nicht nur einen riesigen bürokratischen Wasserkopf hat, sondern dass das eigentlichen Geschäft, Menschen und Güter umweltfreundlich, sicher und pünktlich zu befördern, jahrzehntelang vernachlässigt wurde. Das muss sofort gestoppt werden. Die Bahn gehört uns und muss für uns fahren.
  • Die Güterverkehrssparte Cargo ist hochdefizitär, weil die meisten Güteranschlüsse unter Mehdorn gekappt wurden,  weil sie immer noch mit alten, schrottreifen Wagons unterwegs ist, weil die modernen Güterwaggons internationalen Pensions- und Hedgefonds gehören und Cargo nur zu hohen Kosten zur Verfügung stehen. Cargo hat inzwischen einen Marktanteil von weniger als 40 Prozent.
  • Die jahrzehntelang unterlassene Instandhaltung unter Dürr, Mehdorn und Grube wurde von den Knallchargen des jetzigen Bahnmanagements erst weiterbetrieben und dann plötzlich erkannt, als hätten sie nicht jahrelang mitgemacht, und als sei ihnen nie etwas aufgefallen. Dafür kassieren sie auch noch Boni. Es fehlen Weichen, Überholgleise und Überleitstellen. Und trotz der Jammerei wird mit der Zerstörung von Bahninfrastruktur wie in Stuttgart, Lindau und Hamburg weitergemacht.
  • Die Unpünktlichkeit steigt aufgrund dieses Auf-Verschleiß-Fahrens und des Zerstörens von Infrastruktur auf vorher nie bekannte Werte. Deutschland, eines der reichsten Länder der Erde, ist inzwischen ein Bahnentwicklungsland wie die ärmsten Bahnländer der Welt.
  • Die hohen Verluste sind auch Resultat einer falschen Investitionsstrategie im Inland mit dem Fokus auf milliardenschwere Hochgeschwindigkeits- und Großprojekte mit langen Bauzeiten, hoher Klimaschädlichkeit und mangelndem Nutzen für die Fahrgäste – wie Stuttgart 21, zweite S-Bahnstammstrecke München, Bahnhofsverlegung Hamburg-Altona, Fernbahntunnel Frankfurt, Neubaustrecke Hannover-Bielefeld, Würzburg-Nürnberg usw. Eine entschlossene Abkehr von diesen Megaprojekten ist nicht erkenntlich.

Leider herrscht in den meisten Medien Ratlosigkeit vor, was man dagegen machen kann. Die Ursachenforschung ist dürftig. Und die wichtigsten Knackpunkte werden oft nicht immer angesprochen. Doch dank Bürgerbahn immer öfter:

  • Es ist falsch zu glauben, der Hochgeschwindigkeitsquatsch würde die Verkehrswende bringen. Nicht das Flugzeug ist der Hauptkonkurrent der Bahn, sondern das Auto.
  • Der Deutschlandtakt braucht keine 300 km/h schnellen, umweltfeindlichen Züge, die hauptsächlich in brandgefährlichen, CO2-produzierenden Tunneln unglaublich viel Energie verbrauchen. Was wir brauchen, ist ein vernünftiger Taktverkehr mit einer Flächenbahn, mit Tausenden einladenden und personalbesetzten, sicheren Bahnhöfen, ein Bahnverkehr, der eine vernünftige Netzgeschwindigkeit hat, die mit der Netzgeschwindigkeit des Autos konkurrieren kann. Eine Bahn mit Takt statt Tempo, die das Netz viel besser ausnützt, weil dann auch mehr Züge fahren können.
  • Der Superhochgeschwindigkeitsverkehr zerstört die Flächenbahn. Beispiel Frankreich, da gab es mal 70.000 Kilometer Bahnstrecken, jetzt sind es noch 30.000. Bei uns wurden seit 1991 auch 20 Prozent der Schieneninfrastruktur abgebaut, die Hälfte der Weichen, 80 Prozent der Gleisanschlüsse.
    In einem Land wie Japan, das wie eine 4000 Kilometer lange Banane aussieht, mit Millionenstädten, die wie an einer Perlschnur aufgereiht sind, mag Hochgeschwindigkeitsverkehr sinnvoll sein, aber nicht in einem polyzentrischen Spinnennetz-Land wie Deutschland. Höchstens 200 km/h würde völlig genügen, und eine viel bessere Auslastung, einen viel besseren Durchsatz von Zügen ermöglichen. Denn je schneller die Züge, umso weniger passen auf eine Strecke. Also weg vom Superhochgeschwindigkeitsverkehr hin zu eine Flächenbahn für alle, mit vernünftigen Taktzeiten, mit lebenswerten Bahnhöfen – auch auf dem Land!

Denn, das kann nicht oft genug gesagt werden, 80 bis 90 Prozent des Bahnverkehrs ist Regionalverkehr und nicht Fernverkehr. Und genau der leidet unter den unsinnigen Großprojekten. Die dienen nur dem Bau-, dem Tunnelbau-, und wie in Stuttgart, Hamburg und Lindau, dem Immobilienkapital.
Jetzt kommt die Frage: Wer soll die Flächenbahn bezahlen? Wir haben gerechnet, die ganzen sinnlosen Großprojekte kosten zusammen 90 – 100 Milliarden Euro. Damit könnte man das Bahnnetz wieder auf die Größe von vor 100 Jahren bringen, allerdings mit modernster Technik, umweltfreundlich, elektrifiziert, leise, meist zweigleisig und mit Bahnhöfen all überall.

Natürlich wollen Porschefahrer wie Wissing, will Porsche, BMW, Audi und VW, wollen Airbus, Boeing das nicht. Knarzende Altstalinisten und ihre Adlatusse sind da nützliche Erfüllungsgehilfen. Und Sozialdemokraten, christliche und liberale Heuchler nicken alles ab. Der Bahn fehlt es nicht an Geld, es fehlt an Eisenbahnern in der Bahn. In der Führung, in der Lok, in den Waggons und in den Bahnhöfen.

  • Der Augiasstall muss ausgemistet werden! Wir fordern die Entlassung des gesamten Bahnvorstandes, ihre Boni sollen sie für die Bahnsanierung abgeben.
  • Ich füge hinzu: Entlassung des Verkehrsministers Wissing und seiner Erfüllungsgehilfen.
  • Der schwäbische Altmaoist und sein Verkehrs-Adlatus gehen ja erst 2026 in Pension. Haben sie S21 bis dahin nicht gestoppt bzw. den Kopfbahnhof erhalten, muss ihnen dann die Pension entzogen werden.
  • Wir brauchen eine Anklage gegen Mehdorn, Grube und Lutz wegen gefährlichem Eingriff in den Eisenbahnverkehr.
  • Wir fordern den sofortigen Stopp der Generalsanierung, das ist Generalunsinn von Dilettanten. Benedikt Weibel, der Ex-Chef der SBB, hat das als bahnpolitischen Selbstmord bezeichnet. Selbst Baufirmen bezeichnen das als unmöglichen Quatsch. Wir brauchen eine Gesamtsanierung in der Fläche und das unter dem laufenden Rad. Sonst gibt es bald keine Bahnfahrer mehr.
  • Die durch Misswirtschaft angehäuften Schulden müssen verschwinden. Dazu braucht es eine Entschuldung. Aber keine Eigenkapitalerhöhung, denn die führt zu neuen Schulden bei hohen Zinsen und schadet der Bahn noch mehr.
  • Wir brauchen eine Renaissance der Bahnhöfe und zwar auch auf dem Land. Bahnhöfe sind das Tor zur Welt, sie müssen schmuck, funktionsfähig sein, sicher, soviel es geht mit Personal besetzt, mit preiswerten Geschäften und sauberen Aufenthaltsräumen.
  • Wir brauchen eine Renaissance der Flächenbahn, Reaktivierung so viel es geht mit 15.000 – 20.000 Kilometern wachgeküssten Strecken, und bei Neubau mit so wenig Flächenverbrauch wie möglich. Tram und Bus sind im Takt anzubinden. Das Pedelec, das E-Bike ermöglicht vielen Menschen, auch in weniger dicht besiedelten Gebieten einen Bahnhof zu erreichen. Aber der Bahnhof muss dafür auch wieder aufs Land.
  • Also: Wir brauchen eine komplette Neuaufstellung der Bahn. Eine Bundesbahn 2.0, aber keine Behördenbahn, sondern eine Bahn, in der die Regionen, die Mitarbeiter und die Fahrgäste eine Stimme, was zu sagen haben. Eine Bahn, die uns gehört und mit der wir, unsere Kinder und Enkel, sicher, sauber, pünktlich und ohne Magenzwicken nach Hause und in die weite Welt kommen, eine Bahn mit der Kultur des Reisens und nicht eine unpünktliche Schrottbahn, die mal kurz 300 fährt, aber sonst an allem vorbei, am Menschen, am Bahnhof und an der Zukunft. Wir brauchen – ihr wisst, wir sind in der Karwoche – wir brauchen eine Auferstehung aus Ruinen und eine wirkliche Bahn für alle in der Zukunft.

Im Übrigen rufe ich den Altmaoisten bzw. Altstalinisten und seinen Adlatus, die lachende Fastnachtsfigur von einem Oberbürgermeister von Stuttgart, sowie den Porschefahrer Wissing und die Boni-Grabscher von der Bahn dazu auf, endlich Schluss zu machen mit dem S21-Quatsch. Ihr packt es nicht! Ihr braucht den Kopfbahnhof – und zwar einen modernisierten, ihr braucht die Gäubahn und ihre Panoramastrecke – und zwar auf der ganzen Linie zweigleisig. Und ihr braucht endlich Ehrlichkeit und Mut, die größte Bahnhofszerstörung der Geschichte zu stoppen.

Oben bleiben!

Den alternativen Geschäftsbericht 2023 von Bürgerbahn für eine starke Schiene könnt ihr Euch hier herunterladen:

https://buergerbahn-denkfabrik.org/alternative-geschaeftsberichte-db-ag/

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.