Ernest Petek wurde am 2. Oktober 1943 im damaligen Jugoslawien, im heutigen Slowenien, geboren. Ende der 1960er-Jahre kam er nach Deutschland. Er kam in der Hoffnung auf ein freies und demokratisches Land – und nahm diesen Anspruch an seine neue Heimat ernst.
Ernest war kein Mensch, der sich mit dem Bestehenden einfach abfand. Er wollte verstehen, nachfragen, widersprechen und sich einmischen. Wenn er von etwas überzeugt war, blieb er dabei – auch dann, wenn es unbequem wurde.
In Stuttgart fand dieses Engagement über viele Jahre einen besonderen Ausdruck: Ernest setzte sich seit Beginn der Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21 für den Erhalt des Stuttgarter Kopfbahnhofs und der Parkanlagen ein. Dabei war ihm wichtig, nicht lediglich als Gegner von Stuttgart 21 bezeichnet zu werden. Er verstand sich vielmehr als Befürworter eines anderen Weges, eines anderen Umgangs mit der Stadt und ihrer Entwicklung und vor allem eines respektvollen Umgangs mit ihren BürgerInnen.
Seit den frühen Jahren des Widerstands gehörte er zu den Seniorinnen und Senioren, die regelmäßig am Bauzaun, im Schlossgarten und im Stuttgarter Rathaus bei Protesten und Aktionen präsent waren. Banner, Gespräche, Flugblätter und Versammlungen waren für ihn daher keine bloßen Symbole. Sie waren Möglichkeiten, Öffentlichkeit herzustellen und Menschen zum Nachdenken zu bringen, und sie wurden zu einem festen Bestandteil seines politischen und persönlichen Lebens.
Ernest war dabei nicht jemand, der sich leicht zurückzog. Mehrfach führten seine Protestaktionen zu Gerichtsverfahren und Haft. Und immer wieder seine Rückkehr zu gemeinsamen Aktionen.
Bemerkenswert war seine Beharrlichkeit. Als er 2019 aus der Haft in Stammheim entlassen wurde, führte sein Weg nicht etwa nach Hause, sondern direkt ins Stuttgarter Rathaus zu seinen gerade dort versammelten und protestierenden Mitstreiterinnen und Mitstreitern.
Wer Ernest kannte, wusste: Er war kein Mensch der halben Sachen. Er konnte eigensinnig sein, hartnäckig, manchmal unbequem und vermutlich auch anstrengend. Aber genau diese Eigenschaften gehörten zu dem Menschen, der er war. Er wollte sich nicht einfach damit abfinden, wenn er etwas als ungerecht empfand. Und er wollte sich seine Stimme nicht nehmen lassen. Und er handelte danach und blieb sich dabei über viele Jahre treu.
In einem seiner Beiträge formulierte Ernest selbst, dass es keine Helden und schon gar keine Superhelden brauche. Was es brauche, seien standhafte Bürgerinnen und Bürger. Das passt vielleicht am besten zu dem Menschen, an den wir uns erinnern wollen.
Am Sonntag, dem 13. September 2026, ist Ernest gestorben – selbstbestimmt und in Würde, so wie es sein Wunsch war. Zurück bleiben Menschen, die mit ihm gestritten, gelacht, diskutiert, demonstriert, gefrühstückt und manche schwierige Situation gemeinsam durchgestanden haben. Zurück bleiben Erinnerungen an einen Menschen, der sich eingemischt hat, statt wegzusehen. Und zurück bleibt eine Stadt, in deren Geschichte auch Ernest seine Spuren hinterlassen hat.
Die Trauerfeier findet am
Freitag, den 16. Oktober 2026, um 14.00 Uhr
auf dem Pragfriedhof in Stuttgart
statt.
Ingrid von Staden
für die SeniorInnen gegen S21.






