Blick nach vorn in heiligem Zorn

Rede von Dr. Norbert Bongartz, Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21, auf der 827. Montagsdemo am 19.10.2026

Liebe Freunde der ärgerlicherweise „unerhörten“ Wahrheiten über Stuttgart 21:

Man muss nicht religiös sein, um über die jahrzehntelange Leugnung aller Probleme, Gefahren und Unstimmigkeiten dieses Zu-Groß-Projektes von einem „heiligen Zorn“ erfasst zu werden. Wem dieser Ausdruck nicht geläufig ist, dem lese ich geschwind vor, was man bei der Google-Recherche dazu findet: „Heiliger Zorn ist in der Bibel eine von Gott gewollte oder vorgelebte Reaktion auf Unrecht, Sünde und Gottesverachtung. Er unterscheidet sich grundlegend vom zerstörerischen menschlichen Jähzorn, weil er aus Liebe zur Gerechtigkeit entsteht.“

Angesichts des auf den Fildern aufgeführten vorletzten Aktes in der S21-Tragödie habe ich mich, nach einem anfänglichen: Das kann doch nicht wahr sein an ein bedeutendes, in meinen Augen passendes Schillerzitat für die verbohrten Tunnelanschlag-Veranstalter erinnert, das ich hier nur leicht abwandele: „Das eben ist der Fluch der Unsinns-Tat, dass sie fortzeugend Unsinn muss gebären“.

Um nicht in dem soo berechtigten Zorn zu versinken, habe ich mich gefragt, wie es in der S21-Tragödie so weit kommen konnte, dass sich die Projektpartner so verrannt haben, so tief in die Sackgasse hineingeraten konnten, dass sie so stur an dem Märchen des Gelingens, an einem „Letztlich-wird-alles-gut-werden“ festhalten.

Die Tragödie ausgelöst hat zweifellos der kollektive Irrsinn der Projektpartner. Der hat sie und ihre Helfershelfer dazu verleitet, alle Kritiker zu verlächeln, ihnen wie Sandmännchen Sand in die Augen zu streuen und ihnen mit den bewussten Falsch-Informationen K.-o.-Tropfen zu verabreichen, um die vorsätzliche Überrumpelung, mit anderen Wort: Vergewaltigung der Widerständler zu erleichtern.

In der katholischen Moraltheologie gibt es für eine solche unverzeihliche Art des Vergehens den Begriff einer „Sünde wider den Hl. Geist“. Sie bezieht sich auf egoistische Menschen und deren bewusstes Handeln gegen ihr Wissen und Gewissen. In meiner Jugend hieß es, eine derartige Sünde wiege schwerer als jegliche sexuelle Verfehlung...

Der zentrale Ausgangspunkt der Projektpartner war die unselige Verknüpfung ihrer jeweiligen Ziele: Der Stadt ging es von vorneherein um die Bebaubarkeit der Gleisflächen des Kopfbahnhofs, dem Land, dem Flughafen und der Stadt ging es gleichzeitig um einen Fernbahnhof am Flughafen und an der Messe, um damit ein deutschlandweites Alleinstellungsmerkmal zu gewinnen, eine Trumpfkarte gegenüber den anderen Großstädten wie München, Frankfurt und Hamburg. Und der Bahn ging es darum, mit dem Verkauf der Gleisflächen Gewinn zu machen.

Diese Motive führten zwangsläufig zu dem Komplott gegen das Gemeinwohl, zu der konspirativen Staats- und Wirtschafts-Allianz oder Verschwörung, die immer mehr zu dem allseits bekannten Wahnsinn der Projektpartner geführt hat, hartnäckig verteidigt bis hin zu Kretschmanns unsäglicher Aussage, in der Demokratie zählte nicht die Wahrheit, sondern die Mehrheit. Dass die Wahrheit eine unverzichtbare Basis für Mehrheits-Entscheidungen bilden müsse, hat er dabei unterschlagen, der Landes(stief-)vater…

So mogeln sich, bis heute, alle für das Desaster Verantwortlichen mit hartnäckiger, bornierter Einsichts-Verweigerung und wohltönenden Behauptungen durch. Besser wäre es, von tönernen Argumenten zu sprechen.

Was können wir gegen die Allianz der Unseriösen noch machen?

Hier mein Blick nach vorn: Resignieren und damit den für S21 Verantwortlichen das Feld der öffentlichen Wahrnehmung überlassen – das kommt für uns nicht in Frage!

Das Sprichwort: „Der Klügere gibt nach“ mag ja bei kleinen Streitigkeiten einen Sinn haben. In unserem Fall passt es uns aber gar nicht! Denn unser Ziel ist weiter die Forderung: Schluss mit dem kollektiven Weiter-Lügen; die Wahrheit muss endlich „zum Zuge“ kommen, auch und gerade beim Kopfbahnhof!

Gehen wir mal weitere mögliche Druck- oder Zugmittel durch: Mit Gewalt drohen geht mit uns ja gar nicht; mit Sabotage drohen geht auch nicht. Mit einem Liebes-Entzug können wir auch längst nicht mehr drohen, weil wir den schon seit 2010 immer wieder deutlich gemacht haben.

Unser wichtigster Hebel war, ist und bleibt immer noch die Enthüllung der trickreichen Vernebelungen der Projektbetreiber, die in den letzten Wochen medial mehr und mehr beachtet und bei uns abgefragt wird. Wenn sogar die Stuttgarter Zeitung neuerdings unsere Kritikpunkte ausführlich zitiert, ist eine Kurskorrektur auch bei ihr erkennbar.

Dieter Reicherter hat derzeit auch viel zu tun, vermehrte Medien-Anfragen ans Aktionsbündnis zu koordinieren.

Ein neuer, revidierter Faktencheck zu den Rahmenbedingungen wäre auch dringend nötig; er wäre sicher katastrophal für die Betreiber des Wahnsinns-Projekts.

In jedem Fall müssen wir weiter:

  • O-pen blei-ben!
  • Ge-gen-halten!
  • In-for-mieren!
  • De-mas-kieren! und dabei
  • nicht ver-zagen!

Sicher werden uns auch Humor oder Sarkasmus auf unserem Weg weiterhelfen: Lasst uns die Übeltäter weiter sprichwörtlich durch den Kakao ziehen (wobei das Wort Kakao stellvertretend und augen-zwinkernd für Kacke steht).

Schließlich ist mir noch ein Zug-Mittel eingefallen: Wie wäre es, wir geben den Übeltätern ein kollektives Liebesversprechen, wenn diese ein kollektives Schuldbekenntnis ablegen, hier auf dieser Bühne, bei der dann allerletzten Montagsdemo?

Wir wären dann sicher auch bereit, dass sie – am Ende ihrer Beichte – hier OBEN BLEIBEN – müssen!

Rede von Norbert Bongartz als pdf-Datei

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