Peter Grohmanns Wettern der Woche am 28.9.2026
Von Heidenau über Hellersdorf, von Höcke über Eralp zu eurem Antisemitismus: „Wo hab' ich bloß meine Brille hingelegt?“ fragt meine Omi Glimbzsch aus Zittau. Sie weiß: Antisemitismus ist kein Phänomen bildungsferner oder arm gehaltener Schichten – er fühlt sich überall wohl. Die akademischen Eliten des Nationalsozialismus wurden nach 1945 in beiden deutschen Staaten weitgehend in weichen, warmen Federbettchen re-integriert – sie blockierten in Ämtern und Würden, als Abgeordnete, Wiedergänger und rechtsgestrickte Hautevolee jahrzehntelang eine kritische Aufarbeitung. Entgegen den Hiobsbotschaften der Schreihälse von heute belegen zwar die Mitte-Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung, dass formale Bildung auch bissel vor Judenhass schützt, nicht aber vor einer Schuldabwehr oder Holocaust-Relativierung, die in den gutbürgerlichen und intellektuellen Milieus bis heute subtil, aber fest verankert ist. Nach '45 gab's eine tiefsitzende Schieflage: Offener Antisemitismus war tabu, stattdessen dominierte eine aggressive Abwehr der Erinnerung quer durch's Volk. weiterlesen








