Die 400. Montagsdemo gegen S21 am 15.01.2018; Begrüßung und Moderation: Dr. Angelika Linckh

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Zukunft ohne Zukunft

Rede von Volker Lösch, Regisseur, auf der 400. Montagsdemo am 15.1.2018

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

aus welcher Sicht man sie auch betrachtet, die Gegenwart ist ohne Ausweg. Denjenigen, die unbedingt hoffen möchten, raubt sie jeden Halt. Diejenigen, die vorgeben, Lösungen zu haben, werden sofort entkräftet. Es ist bekannt, dass alles nur noch schlimmer werden kann. Die Zukunft hat keine Zukunft mehr. Das ist die Weisheit unserer Epoche.

So lautet die Einleitung des berühmten Manifests „Der kommende Aufstand“ von 2009. Umgelegt auf 2018 sähe das dann so aus: Der Ausverkauf unsere Städte wird weitergehen. Sie werden weiter als Wettbewerbseinheiten umgestaltet und wie Konzerne geführt. Innenstädte werden als reine Konsumorte weiter veröden. Die Mieten und Grundstückspreise werden weiter explodieren; sozial Schwache werden weiter verdrängt. Sinnlose Großprojekte werden weitergebaut, und Steuermilliarden weiterhin von unten nach oben geschaufelt.

Und es wird weiterhin verschwiegen werden, dass all das aus konkreten politischen Handlungen hervorgeht. Unsere politischen Entscheidungsträger werden, wie gehabt, diese Prozesse moderieren und vorantreiben. Sie werden den Kapitalinteressen privater Investoren, korrupter Bau- und Immobiliencliquen weiterhin Vorrang geben vor den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger. Sie werden nach wie vor obszön hohe Kapitalanhäufung fördern, weiter daran glauben, dass die Allgemeinheit von Durchsicker­effekten („trickle down“) profitiert, dass Umverteilung und Besteuerung von Reichen, Vermögen und Erbschaften Teufelswerk ist, und dass der Markt allein unser Zusammenleben regeln wird. weiterlesen

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Stuttgart – Ulm und zurück

Gedicht von Timo Brunke auf der 400. Montagsdemo am 15.1.2018

I. Stuttgart 20 – Ulm in 59 Minuten

Im IRE geschieht die Reise.
Der Zug mag mich zur Donau bringen,
Auf eine stundenleichte Weise
Mag Welt und Wunder zu mir dringen.

Im Sonnenlicht die Rebenhänge
Des Neckartals und sein Gewerbe:
Parzellenfleiß, Idyll und Enge,
Fabriken, Städtchen, Gartenerbe.

Ist erst das Tal der Fils verlassen
Neigt sich der Zug zur langen Steige,
Zum Trauf der Alb, den Kalksteinmassen
Mit Burgen, die herab sich neigen.

Wie mündet dieses Panorama
Jäh in die Fahrt durch Schattenwälder!
Es gähnt die Schlucht, Klein-Schweizer Drama,
Je mehr du schaust, erfasst’s dich bälder ... weiterlesen

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Hegel und Stuttgart 21 – oder: „… dass diese Furcht, den Irrtum einzugestehen, schon der Irrtum selbst ist.“

Rede von Dr. Winfried Wolf, Verkehrsexperte, Journalist und Herausgeber von ‚LunaPark21‘, auf der 400. Montagsdemo am 15.1.2018

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

hier über uns – an der Frontseite von dem, was vom denkmalgeschützten Stuttgarter Bonatzbau übrig blieb – können wir den Spruch lesen: „… dass diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist.“

Am 28. Februar 2013 gab es im großen Blatt dieser Stadt zu diesem Zitat des „großen Sohnes“ dieser Stadt einen Artikel mit der Überschrift „Hegel im Dienst von Stuttgart 21“. In der „Stuttgarter Zeitung“ konnte man lesen: Die Neonschrift mit dem Hegel-Spruch sei 1993 mit viel Hintersinn an der Bahnhofsfassade angebracht worden war. Dann wörtlich: „Im selben Jahr begann die Arbeit an der Machbarkeitsstudie von ‚Stuttgart 21‘“. Hegel habe immer über „Bedenklichkeiten“ gespottet, die sich seinem Programm, „die absolute Wahrheit des Geistes zu erfassen“ in den Weg gestellt hätten. Diejenigen, die S21 von langer Hand geplant hätten, hätten mit dem Hegel-Zitat von vornherein den „Bedenkenträgern, die großen Projekten misstrauten“ und „die Furcht zu irren“ nicht unterdrückten, den Wind aus den Segeln nehmen wollen. Die Bilanz des Schlaumeier-Autors: „So wurde Hegel, zu dessen Lebzeiten es noch gar keine Eisenbahn gab, als Vordenker, Mitstreiter und Propagandist einer neuen Eisenbahnlinie“ – von Stuttgart 21 – ‚in Dienst genommen‘“.

Das ist eine ziemlich steile These. Für die es – wir haben dazu den langjährigen Bahnchef und verdienten S21-Gegner Egon Hopfenzitz gefragt – keinerlei Beweis gibt. Da stimmt bereits nicht, dass es zu Hegels Lebzeiten keine Eisenbahnen gegeben hätte. Hegel konnte in den letzten sechs Jahren seines Lebens den grandiosen Siegeszug der Eisenbahn erleben: beginnend 1825 mit der Strecke Stockton – Darlington, 1826 mit Liverpool –Manchester, 1829 mit Baltimore – Ellicot Mills. Als Hegel 1831 starb, gab es in England und in den USA bereits mehr als 500 km Eisenbahnstrecken. weiterlesen

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4.000 Teilnehmer bei der 400. Montagsdemo; Forderung nach Umstieg 21

Zur 400. Montagsdemo gegen Stuttgart 21 am 15. Januar 2018 vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof kamen 4.000 Teilnehmer. Sie forderten von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Stuttgart 21 zu stoppen und das Alternativkonzept Umstieg 21 zu prüfen.

Statt Klimaziele aufzugeben, muss Kanzlerin Merkel dafür sorgen, dass die bundeseigene Deutsche Bahn das klima- und verkehrspolitisch schädliche Projekt Stuttgart 21 aufgibt. Die Bahn darf einer Verkehrs- und Energiewende nicht weiter Beton in den Weg gießen. Unser Konzept Umstieg 21 hingegen bietet einen Ausweg aus der S21-Sackgasse: Umstieg 21 steht für zukunftsfähige Schienenverkehrspolitik, nutzt bereits für S21 gegrabene Baugruben sinnvoll um und ist 5 Mrd. Euro billiger als S21. Das wird auch die Bundeskanzlerin verstehen, wenn sie Umstieg 21 ernsthaft prüft.

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Video: Gesundheit schützen – Fahrverbote durchsetzen, Demo am Neckartor, 11.1.18, Jürgen Resch, DUH

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Video: Gesundheit schützen – Fahrverbote durchsetzen, Demo am Neckartor, 11.1.18, Dr. Angelika Linckh

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Offene Baustelle – offene Fragen. Ein Kommentar zum Rundgang

Am vergangenen Wochenende erlaubte die DB einen Rundgang über die S21-Baustelle und versprach, alle offenen Fragen von kompetentem Personal beantworten zu lassen. Peter Müller, Mitglied der Mahnwache, hatte viele offene Fragen, die wir zuvor auf BAA veröffentlicht hatten. Nach Müllers Rundgang am Sonntag ist hier nun seine Zusammenfassung der Eindrücke, verbunden mit Antworten auf seine Fragen:
                 Liebe Mitstreiter und Mitstreiterinnen,
        wir sind der Empfehlung der DB gefolgt und haben die einzelnen Stationen in der Reihenfolge dem Flyer entsprechend angelaufen. Gestartet sind wir dann also am Punkt 1, Verzweigungsbauwerk Kriegsbergstraße. Dort haben wir dann auch, genau wie vor zwei Jahren, viele feuchte Stellen entdeckt. Allerdings war der Wassereintritt nicht mehr so heftig wie damals. Anscheinend hat man die Eintrittsstellen mit irgendwelchen Kunststoffen abzudichten versucht.
In dem Tunnel waren auch (sehr undeutliche) Zeichnungen zu den angewandten Tunnelquerschnitten zu sehen. Aufgefallen ist dabei, dass Rettungswege jeweils nur an einer Seite des Tunnels vorgesehen sind und diese zudem noch recht schmal sind. Im Notfall kommt dann sicher auch die Ansage: "Ausstieg in Fahrtrichtung links!"
Ein kurzes Stück des Tunnels ist auch schon fertig betoniert. Etwa 30 Meter vom Portal entfernt hat man mit dem Schalwagen einen Abschnitt fertiggestellt, der allerdings nicht viel länger ist, als der Schalwagen selbst. Dahinter ist die Röhre wieder nur mit Spritzbeton gesichert, und auch da tritt Wasser aus.
Natürlich haben wir auch nach dem von KPMG festgestellten Wassereintritt im Cannstatter Tunnel gefragt und bekamen zur Antwort, dass dieser minimal gewesen sei und keinerlei Auswirkungen hätte.
Auf Nachfrage wurde uns auch bestätigt, dass die Bahn noch keine Genehmigung zu Baumfällungen im Rosensteinpark habe.
Ganz witzig wurde es, als jemand fragte, ob die Tunnelröhre nach Feuerbach schon fertig durchgebohrt wäre. Während eine Frau voll Stolz erklärte, dass man "schon lange" durch sei, antwortete wenig später ein Mann auf die gleiche Frage, dass noch 170 m fehlen würden.

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Gesundheit schützen – Fahrverbote durchsetzen!

Rede von Manfred Niess, KUS Klima- und Umweltbündnis Stuttgart, auf der 399. Montagsdemo am 8.1.2018

Liebe Freunde und Freundinnen des Kopfbahnhofs, liebe Mitstreiter für eine lebenswerte Stadt mit gesunder Luft!

Mein Name ist Manfred Niess, ich bin Koordinator des Klima- und Umweltbündnisses Stuttgart und Feinstaubkläger. Lebenswerte Stadt – mit S21 und Feinstaub? Geht das?

Liebe Freunde und Mitstreiter, es ist mir eine Freude, euch bei der ersten Montagsdemo 2018 begrüßen zu können. Ich wünsche euch ein gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr. 2018 wird ein wichtiges Widerstandsjahr, wo wir unseren Zielen vielleicht ein gutes Stück näherkommen, weil es ein Jahr der nicht mehr wegzuleugnenden Wahrheiten wird. S21 wird nicht vor 2024 fertig, die Kosten werden weiter steigen, wie der Bundesrechnungshof und das Büro Rössler vorhergesagt haben. Nach der Entscheidung des Verwaltungsgerichts in Leipzig im Februar wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit Fahrverbote in deutschen Großstädten geben.

Als ich 2010 bei der 33. Montagsdemo zum ersten Mal gesprochen habe, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich bei der 399. Montagsdemo 2018 zum wiederholten Mal sprechen würde. Wenn ich mit Freunden z.B. aus Berlin oder Heidelberg rede, sind sie meist überrascht, dass sich in Stuttgart immer noch viele hundert Menschen jeden Montag hier auf dem Schlossplatz treffen. Vielen Dank und Respekt für eure Ausdauer und für euer Durchhaltevermögen. Der Schwabe an sich scheint in dieser sturen Hartnäckigkeit einzigartig zu sein. Das treibt vielen Politikern die Schweißperlen auf die Stirn und manchen Vorstandsvorsitzenden zur Verzweiflung oder aus dem Amt. weiterlesen

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Karikatur: Geldesel 21

Karikatur: Tobias Mey

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Das Video zur 399. Montagsdemo am 8.1.2018

 

s. auch http://www.parkschuetzer.de/statements/199328

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Pünktlich zur 400. Montagsdemo: Tunnelblick-Gesamtausgabe, 200 Seiten!

Im Rahmen der Esslinger Initiative gegen Stuttgart 21 beschäftigte sich von 2012 bis 2016 ein Redaktionsteam mit dem „dümmsten Bahnprojekt der Welt“ und seinen verschiedenen Aspekten. Die dabei erarbeiteten Fakten, Analysen und Kommentare wurden in Form von 74 Flugblättern unter dem Titel TUNNELBLICK veröffentlicht.

Sämtliche Ausgaben sind nun zu einem voluminösen Sammelband zusammengestellt worden, ergänzt um kurze Überblicke der Jahre 2012 bis 2017 und ein ausführliches Sach-, Orts- und Personenregister. Herausgekommen ist ein umfassendes Nachschlagewerk zur Information über Details und Entwicklungen des Milliardenprojekts Stuttgart 21.

„Nie soll jemand sagen können, man habe das nicht alles zu jeder Zeit wissen können.“ So beschreibt das ehrenamtliche TUNNELBLICK-Redaktionsteam seine Motive, dieses 200 Seiten starke Buch zu veröffentlichen. Es ist an Bücherständen und bei der Mahnwache am Stuttgarter Hauptbahnhof kostenlos erhältlich und kann per E-Mail an redaktion@tunnelblick.es bestellt werden. Um eine Spende zur Deckung der Druckkosten wird gebeten.

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