Poetry Slammer Tobias Heyel bei der 134. Montagsdemo

Das von Poetry Slammer Tobias Heyel bei der 134. Montagsdemo vorgetragene Gedicht:

DEMOKRATIE

die systemwelt parteifeld ist schlecht aufgestellt
es fehlt an gegengewicht
wir leben im strom doch wir bewegen uns nicht
wenn die letzte bastion gerade eben zerbricht
weil man noch die details des für und wegens bespricht
doch außer illusion erleben wir licht
nur in was man in großen reden verspricht
weil klarheit im vorgang des zurechtlegens verlischt

ich will, dass wortverdrehervorsteher die ordnung wieder einhalten,
mit taten vorschnellen und sich hinter sie stellen wie alte hinter falten,
ich will, dass sie nicht einknicken unter strafenden blicken der unbeirrbaren,
aber auch nicht mit blickdichter unwirklichkeit auffahren

ich will politik als 3D gesicht durch programmporträt mit profilansicht
wie ein boot mit klarsicht vom klarschiff im ersten inventarschliff bis zur wellenburgbrandung
von der taufwasserlandung linearer kurs ohne sandbankgrundstrandung und anbandelung
mit potenziell profitprächtigen prestigepossen
aufgeschlossen für genossen der freidenkenden demokratie
nicht ausgesprochen durchflossen von lüsterner lobbyliebschaft und polygamie,

so dass man keinem wendehals zur verwendung verhalf als lichtgestalt im blitzlichtgewitter der sendeanstalt
und diesem auch nicht unversehen ein angenehmes pöstchen im aufsichtsrat des
wahlkampfgeldgebenden wirtschaftsunternehmens xy einzunehmen verhalf,
was so gesehen oft geschehen im realen leben in dem wir uns bewegen.

denn wenn (laut jemandem der cdu bayern) lug und trug die heutigen bürgerlichen
tugenden sind, wolle die partei bitte selbst einfügen
damit nichts zu tun haben und sie vermisse die leitkultur auf weiter flur, und sie wolle
versuchen anstand und moral allüberall auf ihr konto zu verbuchen, um
vierjahreszeitentaktig die meisten gekreuzigten über ihre schultern zu wuchten
demokratie ist die herrschaft des volkes

doch wie setzt man ein volk auf den thron zu lethargisch das szepter zu halten
im kleinen nur manisch-depressiv, ohne s´rezept fürs verhalten
die macht die es hat gut eingesetzt zu verwalten
immer im klinsch mit dem was mal war, mit der bürde der alten
und nur irgendwas außer dem abendprogramm zu gestalten
ohne sich selbst dabei ständig auf standby zu schalten,

doch es muss, anders als bei rauchern die lust
sich ein loskommen von der medienbrust entfalten, denn zu viele
schwimmen bis zum hals im reizüberflutungsfluss, den sie kaum aushalten
und sind bis zum rand voll doch wollen sich nicht ausdrücken
sollten sich nicht ständig bücken,
doch es fehlt der wirbel zum aufstand im rücken

ist doch alles nach demokratischem bauplan
ein fahrplan mit staugarantie zur lethargie

denn wir wickeln unsere welt in den zeitgeist cellophan
der nichts anderes kann als konservieren des alten ohne zu sagen wie
wir herausfahrn auf grader bahn zur euphorie mit dieser „demokratie“

wir fühlen uns wohl im bundesdeutschen klagelied und erhalten allenthalben anklang
wir sind nicht mehr der landeslage schmied wie adam am anfang
denn wir geben gern den hammer aus der hand
für mehr ruhe und weniger aufwand hinter der eigenen wand

denn der politiktrend im parteihemd
ist seltsam angeglichen
mit ein paar nuancen farbe oberflächlich angestrichen
was an sich verglichen, so rein vom sichten, immer noch
hier farbe bitte selbst einfügen
ergibt

die roten sind wie die schwarzen nur ohne glaubensgeschichten
die grünen wie die gelben plus prenzlauer berg und mit weniger börsenberichten
kaum einer hat heute noch inhalt auf der flagge stehn
aber brüstet sich damit, nur das volk wills nicht verstehen,
dass niemand für das steht was aus den versprechen entsteht
denn jeder lässt nur sein kleines fähnchen fröhlichfrei im abwind wehn

heutzutage farbe bekennen ist wie ein schwangerschaftstest
man muss weil man muss doch echte meinung ist abgesetzt
kommt sie zum vorschein ist der betrieb entsetzt
wetzt die messer, kappt den kopf, hat ein gesicht schon bereit das das ersetzt
das grad noch grinste wie auf volkes fest,
dem loh betrogen, ohne weiße west´, weiß es nicht wohin, setzt sich wie der rest, der
untersten schichten, die unerreichbar weit abgewetzt
einzig mit sich und ihrer kleinen insel im informationstsunami vernetzt
da gibt´s keine nahrung für ein basisdemokratisches bodengewächs

die systemwelt parteifeld ist schlecht aufgestellt
es fehlt an gegengewicht
wir leben im strom doch wir bewegen uns nicht
wenn die letzte bastion gerade eben zerbricht
weil man noch die details des für und wegens bespricht
doch außer illusion erleben wir licht
nur in was man in großen reden verspricht
weil klarheit im vorgang des zurechtlegens verlischt

die politik sitzt im rollstuhl
doch darf sie sich nicht ausruhn
wir müssen zurück auf die straße in unseren eigenen schuhn
denn heute hier und jetzt können wir noch was tun
nur will sich keine partei mit dem umbruch abquälen
dann lasst uns doch pragmatisch sein und einfach ein neues volk wählen

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.