Hans Heydemann beim Schwabenstreich 70619: Stadtbahnchaos dank S 21 wird kommen – und wie!

Veranstaltungsbericht von Dieter Wolf, Schwabenstreich Sillenbuch Heumaden Riedenberg:

Anfänglich waren sie ziemlich unruhig, die Leute vom Schwabenstreich Sillenbuch – Heumaden – Riedenberg. Am 26.März sollte Hans Heydemann ins Geschwister-Scholl-Gymnasium kommen zur sechsten öffentlichen Schwabenstreich-Veranstaltung. Aber ausgerechnet an diesem Tag fuhren keine Stadtbahnen und keine Omnibusse. Zudem spielte der VfB um künftiges Sein oder Nichtsein zeitgleich im Gottlieb-Daimler Stadion.

Trotz dieser unguten Vorzeichen kam es anders als befürchtet: Noch bevor Hans Heydemann mit seinem Vortrag: „Stadtbahnchaos!?“ begann, waren die Plätze in der Mensa des Gymnasiums besetzt und der Redner hatte überdies ein höchst interessiertes und engagiert mitgehendes Publikum vor sich.

Der Diplom-Ingenieur Hans Heydemann ist bekannt als ein in der Sache höchst kompetenter S 21-Gegner; ein Mann vom Fach, der Klartext redet und die Dinge beim Namen nennt. Und Heydemann zeichnete – wie erwartet – von den wegen der S-21- Bauarbeiten drohenden Beeinträchtigungen, Belastungen, Zumutungen für den öffentlichen Personennahverkehr ein genaues und eben deshalb erschreckendes Bild.

Im Zentrum seiner Ausführungen standen die geplante „Verschiebung“ der Haltestelle Staatsgalerie, die geänderte Bauweise des Nesenbachdükers und ihre Folgen, also das trotz Verdeutlichung an den Planungsunterlagen und Abbildungen schwer zu verstehende Über-, Unter- und Nebeneinander der Tunnels, Schienenwege, Röhrensysteme und , und, und.

Es wird im Raum zwischen den Haltestellen Staatsgalerie, Charlottenplatz, Hauptbahnhof zwangläufig zu lange dauernden Streckenunterbrechungen der Längs- und Querlinien kommen; schwer lösbare oder gar nicht lösbare Probleme würden sich abzeichnen, zu denen die Verantwortlichen bei Bahn und SSB nichts sagen wollen oder nichts sagen können.

Werden Ersatz-Pendellinien eingerichtet? Wie viel Verkehr können ins Gespräch gebrachte Umleitungen über den Berliner Platz verkraften? Wie gestaltet sich der Baufortschritt insgesamt, wenn die SSB auf längst fällige Vorarbeiten der Bahn warten muss – so im Bereich Bautrog und Nesenbachdüker – und umgekehrt die Bahn auf Vorleistungen der SSB? Auf diese und viele andere Probleme geht der Redner detailliert und kenntnisreich ein. Und er kommt zu einem düsteren Bild hinsichtlich dessen, was auf die Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel in Bälde zukommen. Mit Sicherheit!

Das Fazit des Vortrags: Ein gut funktionierender, architektonisch herausragender Kopfbahnhof wird sinnlos zerstört und ersetzt durch eine unterirdische Durchgangshaltestelle für ICE Züge ohne zusätzlichen verkehrlichen oder wirtschaftlichen Nutzen. Für das als bestgeplantes Bauvorhaben gepriesene Prestigeprojekt wird inzwischen die vierzehnte Planänderung erforderlich. Das uns einst vertraute Stuttgart wird mehr und mehr zerstört. Hier wird architektonischer Selbstmord verübt. Und an der Bezahlung des Ganzen werden nicht zuletzt die Benutzer von Stadtbahn, Omnibusse und Zügen beteiligt. Heydemann scheut sich nicht, die Namen der Verantwortlichen bei SSB, Bahn und Stadt Stuttgart zu nennen.

Er erhält viel Beifall von den Anwesenden, aus deren Reihen viele Fragen und Beiträge kommen. Schade nur, dass von der Bahn oder SSB niemand erschienen ist, der sachlich hätte Paroli bieten können. Aber Bereitschaft zur Kommunikation gehört bekanntlich nicht zu deren Stärken.

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2 Kommentare zu Hans Heydemann beim Schwabenstreich 70619: Stadtbahnchaos dank S 21 wird kommen – und wie!

  1. Andi sagt:

    Warum auch sollten die Verantwortlichen jetzt etwas dazu sagen? Das würde der gesamten strategischen (kriminellen) Vorgehensweise bei S21 widersprechen! Die wissen genau um die bevorstehenden z.T. unlösbaren Problematiken und genau deshalb entspricht das schweigen ihrer üblichen Strategie – erst Fakten schaffen und dann die auftauchenden Probleme vielleicht angehen – und womöglich nur je nach Bedarf wie sich die Menschen beschweren. Jetzt von verantwortlicher Seite darüber reden hätte ja etwas mit Transparenz zu tun und könnte Unmut unter (noch) „Unwissenden“ hervorrufen!

  2. demoschlampe sagt:

    ja so seh ich es genauso. erst wenn das kind in den brunnen gefallen ist dan sagen die verantwortlichen das haben wir nicht gewusst und tun so als ob sie keine schuld träfe. dabei sind die es die es schon längst wusten und nur geschiegen haben die sind langsam nicht mehr das schwarze unter dem fingernagel wert.
    demoschlampe

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