Experte – (k)eine geschützte (Berufs-)Bezeichnung?

Wer oder was genau ist denn eigentlich ein Experte? Gibt es sie, die staatlich geprüften – und vielleicht sogar vereidigten – Experten? Und worauf stützt sich ihr Expertenwissen? Prüft jeder gründlich Für und Wider? Oder doch: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing …“?! Kann sich jeder Experte nennen? Sogar Du, oder sie, oder ich? Sind wir umzingelt von Experten, die immer häufiger zugleich Lobbyisten sind? Oder ist das nur (m)ein Gefühl???

Einen ganz tollen Fisch unter den Experten scheint nun Rainer Wehaus von den StN an Land gezogen zu haben: Dieter Köhler (69), Mediziner, Hochschullehrer und Ingenieur, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie. Laut Köhler sind die „Gesundheitsgefahren durch Feinstaub und Stickoxide bewusst aufgebauscht. [] bisherigen Studien hätten allenfalls eine minimale Erhöhung des Gesundheitsrisikos an vielbefahrenen Straßen festgestellt“ und dass, so Köhler weiter „der Einfluss von Feinstaub und Stickoxid auf die menschliche Gesundheit minimal sei im Vergleich zu Faktoren wie Rauchen und Alkohol und Sport.“

Das ist doch mal eine gute Nachricht, Herr Köhler, und freut sicher Porsche und Daimler ungemein: Stuttgart, speziell am Neckartor ein Luftkurort, und keiner hat‘s bemerkt. Olé!

Experte zweifelt Studien an
Der Mann, der in Sachen Feinstaub die falsche Botschaft hat

Von Rainer Wehaus StN vom 25. Februar 2018 – 18:25 Uhr

Nach Ansicht des Lungenspezialisten Dieter Köhler werden die Gesundheitsgefahren durch Autoabgase bewusst aufgebauscht – aber das will keiner hören.

Stuttgart Kürzlich war er in Ludwigsburg. Ein zweitägiges Symposium zum Thema Autoabgase. Dieter Köhler (69) hat dort einen Vortrag gehalten, die offiziellen Gesundheitsstudien zu Feinstaub und Stickoxiden in Grund und Boden geredet. „Diese Studien“, sagt er, „sind eine der größten Seifenblasen, die es gibt.“

 

Veranstaltet wurde das Symposium von AVL – einer österreichischen Firma, die unter anderem vom Entwickeln und Testen von Motoren lebt. Köhler, wohnhaft in Schmallenberg (Nordrhein-Westfalen), hat seine Reisekosten selbst bezahlt. „Ich bin kein Büttel der Autoindustrie“, sagt er, „ich bin einfach ein kritischer Rationalist.“

Professor Dr. med Köhler war unter den deutschen Lungenexperten mal eine große Nummer. Fünf Jahre lang, von 2002 bis 2007, war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, er lehrte an den Universitäten Marburg und Freiburg und war fast 28 Jahre lang ärztlicher Direktor des Fachkrankenhauses Kloster Grafschaft in Schmallenberg. Seit 2013 ist er im Ruhestand, was ihm nach eigenen Angaben vor allem eines gebracht hat: vollständige Unabhängigkeit.

Es geht um Jobs und Forschungsgelder

Köhler muss nichts mehr werden, hat keinen Job mehr zu verlieren. Deshalb sei er einer der ganz Wenigen, sagt er, die sich erlauben könnten, die Studien zu Feinstaub und Stickoxiden zu kritisieren. Vor etwas mehr als einem Jahr hatte sich der Chefarzt der Klinik für Pneumologie am Krankenhaus vom Roten Kreuz in Stuttgart, Martin Hetzel, getraut, Kritik an der Aufregung um die Feinstaubbelastung zu üben. Laut Köhler ist Hetzel ein kluger Mann. Ansonsten hält er von seiner Zunft und den Wissenschaftlern, die die Ergebnisse der Studien interpretieren, nicht mehr viel. Bei der Debatte um Autoabgase geht es seiner Ansicht nach in Wahrheit gar nicht um die Gesundheit der Bevölkerung. Es gehe um Arbeitsplätze und Forschungsgelder, um Opportunismus und um Ideologie. „Meine Kollegen bestätigen mir unter der Hand, dass ich Recht habe“, sagt Köhler. „Aber sie sagen dann: Das ist die falsche Botschaft.“

An Sevillas Straßen lebt man länger

Köhlers falsche Botschaft lautet: Die Gesundheitsgefahren durch Feinstaub und Stickoxide werden bewusst aufgebauscht. Die bisherigen Studien hätten allenfalls eine minimale Erhöhung des Gesundheitsrisikos an vielbefahrenen Straßen festgestellt, sagt er. Da aber der Einfluss von Feinstaub und Stickoxid auf die menschliche Gesundheit minimal sei im Vergleich zu Faktoren wie Rauchen und Alkohol und Sport. Die beiden letzten Faktoren seien in den Studien aber gar nicht berücksichtigt worden, sagt Köhler. Deshalb könne man aus diesen Werten keine verlässlichen Schlüsse ziehen – nur Trugschlüsse. „Laut den Studien leben die Leute in Sevilla an vielbefahrenen Straßen länger“, sagt er. „Daraus aber den Schluss zu ziehen, dass Feinstaub das Leben verlängert, wäre genauso unsinnig wie das, was jetzt behauptet wird.“ Es sei auch kein Nachweis erbracht worden, dass Feinstaub in höherer Dosis mehr Schäden verursache als bei niedriger Dosis. „Daran hätte man schon merken müssen, dass etwas faul ist“, so Köhler. Im Übrigen gebe es auch keine biologische Erklärung dafür, „warum der Feinstaub das alles im Körper anrichten soll“.

Falsche Interpretationen

Methodisch seien die Studien in Ordnung, sagt Köhler, sie würden aber von der Wissenschaft völlig falsch interpretiert. „Das finde ich moralisch verwerflich“, sagt er. Der Politik gibt er an der Entwicklung weniger Schuld als der eigenen Zunft. „Man hat das Thema Stück für Stück aufgeblasen, bis die Politik nicht mehr anders konnte und irgendwelche Grenzwerte und Verordnungen erließ“, meint er.

Köhler selbst fährt einen Diesel, weil der weniger Kohlendioxid ausstößt. Das Treibhausgas, das zur Erderwärmung beiträgt, hält er für ein viel wichtigeres Problem. Das Gleiche gelte für die vielen Staus in Ballungsräumen „aber das sind ganz andere Probleme, für die man andere Lösungen bräuchte“, sagt er. „Im Moment müssen Städte wie Stuttgart ihr Geld für den Kampf gegen Feinstaub und Stickoxid verplempern.“ Geld, das an anderer Stelle fehle – zum Beispiel auch im Sozialbereich.

Kritik wird totgeschwiegen

Die Welt hat übrigens kaum davon Notiz genommen, dass Köhler kürzlich in Ludwigsburg war. Über das Symposium findet sich im Internet so gut wie nichts, Köhler selbst kam immerhin in einem Radiobeitrag vor. In der Regel werde seine Kritik einfach totgeschwiegen, sagt Köhler. Dass Stickoxide und Feinstaub das Leben verkürzen, hat sich in der öffentlichen Wahrnehmung von der bloßen Vermutung zur unumstößlichen Tatsache entwickelt. Köhler selbst will die Dinge weiter kritisch hinterfragen, macht sich über seinen Einfluss aber keine Illusionen. „Wenn alle in eine Richtung laufen“, sagt er, „dagegen kommst du nicht mehr an.

Wer dennoch nicht überzeugt ist, kann sich gerne der Campact-Campagne anschließen.

Es eilt!!!

Campact: Wer betrügt, muss zahlen!

Jetzt ist es raus: Es gibt Fahrverbote. Millionen Diesel müssen umgerüstet werden – und wir Steuerzahler/-innen sollen dafür aufkommen. Das überlegt die Regierung derzeit. Protestieren Sie jetzt, damit VW, Daimler & Co. selbst für ihren Diesel-Betrug blechen!

Sie nehmen uns die Luft zum Atmen: Jahrelang haben Autokonzerne in Abgastests betrogen.[1] Jetzt verpesten die Fahrzeuge unsere Luft, tausende Menschen in Deutschland sterben jedes Jahr an den Folgen.[2] Das Bundesverwaltungsgericht hat die Notbremse gezogen und entschieden: Es gibt Fahrverbote für die dreckigen Diesel.[3]

Millionen Autos müssen umgerüstet werden. Die Idee der Bundesregierung: Sie will betrügerische Konzerne mit Steuermilliarden freikaufen und die Kosten für die Diesel-Umrüstung uns Bürger(inne)n aufdrücken. Das sickerte vor wenigen Tagen aus der Expertenrunde der Regierung durch.[4]

Ausgemacht ist die Sache noch nicht. Der Unmut über VW, Daimler & Co. wächst – auch innerhalb der Regierung.[5] Wenn Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Verkehrsminister Christian Schmidt ihre Kumpanei mit den Konzernen aufgeben, müssten die Autobauer für ihren Diesel-Betrug geradestehen.

Doch das Zeitfenster ist klein. Die nächsten Tage entscheiden über die öffentliche Stimmung: Bis Anfang nächster Woche wollen wir 100.000 Unterschriften zusammen haben, um damit die Steuergeld-Idee vom Tisch zu fegen. Bis jetzt lesen Merkel und Schmidt nur in der Zeitung vom Diesel-Skandal. Sorgen Sie dafür, dass dieser Ärger persönlich bei ihnen ankommt – mit Ihrer Unterschrift!

13,2 Milliarden Euro: So viel Gewinn hat VW allein in den ersten neun Monaten in 2017 gemacht.[6] Daimler konnte im vergangenen Jahr 11 Milliarden Gewinn und Rekordabsätze verbuchen.[7] Doch die Kosten für den Diesel-Betrug wollen die Autokonzerne nicht tragen. Sie lehnen die Nachrüstung der dreckigen Motoren ab. Dabei könnten sie es sich locker leisten – laut Schätzungen sind rund 10 Milliarden Euro nötig.[8]

Bezahlen müssen stattdessen wir – auch mit unserer Gesundheit: In den Städten liegen die Stickoxidmessungen seit Jahren weit über den Grenzwerten. Wer an großen Straßen unterwegs ist, muss die giftigen Dieselabgase einatmen – und kann an den Folgen sterben. Die Bundesregierung geht von über 8.000 frühzeitigen Todesfällen jährlich aus.[2] Doch sie tut nichts.

Merkel und Schmidt hätten die Konzerne längst zum Umrüsten zwingen können: Der Großteil der giftigen Stickoxide ließe sich so aus den Abgasen filtern.[9] Die Regierung scheut aber den Ärger mit VW, Daimler & Co. und lässt auf Kosten unserer Gesundheit die Diesel weiter qualmen. Erst mussten die Bürgerinnen und Bürger die Abgase schlucken – und nun sollen sie auch noch die Rechnung zahlen?

Das sehen wir anders und übergeben unseren gemeinsamen Appell mit dem Verkehrsclub Deutschland persönlich an die Bundesregierung. Mit dabei haben wir dann einen Diesel, vollgestopft mit Geld. Säckeweise Steuermilliarden schaufeln wir – als Merkel und Schmidt verkleidet – in den alten Stinker, bis er vor Münzen und Scheinen zu platzen droht. Sobald 100.000 Menschen unterzeichnet haben, geht’s los. Bitte helfen Sie jetzt mit Ihrer Unterschrift!

Herzliche Grüße
Luise Neumann-Cosel, Campaignerin

1] „Der Abgasskandal“, Zeit Online, 30. Januar 2018
[2] „Amtliche Studie: Bis zu 8.000 Tote durch Stickoxide“, Deutschlandfunk, 21. Februar 2018
[3] „Städte können Fahrverbote verhängen“, Spiegel Online, 27. Februar 2018
[4] „Jetzt soll der Staat für saubere Diesel-Autos zahlen“, Süddeutsche Zeitung, 16. Februar 2018
[5] „Notstand im Dieselland“, Der Spiegel, 17. Februar 2018
[6] „VW macht deutlich mehr Gewinn“, Handelsblatt, 27. Oktober 2018
[7] „Daimler macht trotz Dieselkrise fast elf Milliarden Euro Gewinn“, 1. Februar 2018
[8] „Union und SPD verhandeln über Dieselnachrüstung“, Zeit Online, 2. Februar 2018
[9] „Hardwarenachrüstungen an Dieselfahrzeugen sind wirksam“, ADAC, 20. Februar 2018

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Experte – (k)eine geschützte (Berufs-)Bezeichnung?

  1. Thomas Arweiler sagt:

    Er hat recht und unrecht. Feinstaub ist nicht Feinstaub. Habe ich 10 %, 33%, oder 90% giftige Anteile ? Also die EUvorschrift schert sich nicht um die Toxizität des Feinstaubes. NO2 ist Gas. Da zählt die Belüftungssituation vor Ort am meisten. Alkohol, Rauchen, Sport…? wirres Statement vom Professor , passiv Rauchen killt nach den Wasserstandsmeldungen der Epidemologen in etwa gleicher Größenordnung, passiv Alkohol trinken für sich taucht in keiner Statistik auf und passiv Sport ? Also wenn der VfB wieder absteigt muss er vorsichtigt sein mit seinen Festlegungen. Jogis Jungs werden im Sommer mein Leben verlängern.
    Zur Feinstaubauswertung ist es schäbig wenn dann die Bilgers dieser Welt Landesdurchschnitte mit Hauptstrassenanwohner in einen Topf wirft.
    Der Affenversuch war richtig! Und vernichtend. Neue Autos sind lungenschädigender als alte Autos. Wenn man sich in einer Tiefgarage , Tunnel oder Stau! mit ihnen befindet. Ansonsten wird es Zeit sich die Sinkgeschwindigkeitskurve von Feinstaubgrößen reinzuziehen. Der einzige Punkt in dem die EUvorschrift Intelligenz zeigt. Jedoch berücksichtigt diese keine Inversionswetterlagen von Tagesdauer.

  2. Heidi-Rose sagt:

    In den Nachkriegsjahren, wo auch in Stuttgart sich der Aufbau der Stadt entwickeln wollte, und wo viele Herren viele „gute“ Ideen hatten, hatte etwas sehr Wichtiges unumgänglichen Bestand – und das war der grüne Gürtel von Kaltental bis nach Cannstatt. Das war die Lunge unserer Stadt und das war ein unumgänglicher Bestandteil!!! Da ging nichts – denn für die Menschen in Stuttgart war diese Frischluftschneise lebensnotwendig!
    Und heute? Bei dem heutigen sinnlosen aber expandierenden Autoverkehr müßte dieser Grünstreifen mindestens 5mal so breit sein. Und da müßte man tausende Bäume pflanzen, aber da Menschen am Werk sind, die keine Ahnung haben (wollen), werden die eh schon zu wenigen Bäume abgerissen, weil viele große Buben einen neuen Bahnhof mit allem DrumRum zum Spielen haben wollen. Und weil Mütter nichts mehr zu sagen haben, läßt man sie halt machen……….bis wir alle ersticken.

Kommentare sind geschlossen.