Die 396. Montags-Demo gegen Stuttgart 21, 04.12.2017, Hannes Rockenbauch: Neue Kostenexplosion bei S21
Großprojekt Bahnhofsverlegung Altona – Hamburgs Stuttgart 21
Rede von Michael Jung, Sprecher der Bürgerinitiative Prellbock-Altona, auf der 396. Montagsdemo am 4.12.2017
Liebe Freundinnen und Freunde aus dem Schwabenland, liebe Mitstreiter und Mitstreiterinnen für eine bürgernahe Bahn, herzliche Grüße von der Waterkant!
Ich komme von der Bürgerinitiative „Prellbock-Altona – Unser Bahnhof bleibt wo er ist“ in Hamburg. Warum gibt es uns, was wollen wir?
Die Deutsche Bahn und die Stadt Hamburg planen, den – inmitten eines lebendigen Stadtteils mit mehr als 250.000 Einwohnern im Schnittpunkt zweier belebter Fußgängerzonen gelegenen – Kopfbahnhof stillzulegen und ihn knapp zwei km nördlich in eine Einöde von Gewerbegebieten, Friedhöfen und Kleingartenanlagen zu verlagern.
Damit wird ein funktionierender Verkehrsknotenpunkt mit dem größten Busbahnhof in Hamburg und einem S-Bahnhof, der von fünf Linien angefahren wird, zerschlagen, in dem der Fern- und Regionalverkehr abgetrennt wird. Es wird der einzige ohne Aufzüge und Rolltreppen wirklich barrierefrei vom Straßenniveau gut zu erreichende Fern- und Regionalbahnhof mit kürzesten Wegen von weniger als 50 Meter zwischen Taxistand und Bahnsteig aufgegeben. Nach einer Analyse von Spiegel-online verschlechtert sich durch die Bahnhofsverlegung die Verkehrsanbindung für 269.000 Leute, und nur 130.000 können mit einer potenziellen Verbesserung rechnen! weiterlesen
Das Foto auf dem Flyer zur 400. Montagsdemo
Auf dem Flyer zur 400. Montagsdemo ist ein Foto zu sehen, das den Eisenbahnunfall am Gare Montparnasse im Jahr 1895 zeigt.
100 Jahre später wurde in Stuttgart die Machbarkeitsstudie zu S21 vorgestellt und das Desaster nahm seinen Lauf - wie in Paris versagen bislang alle (politischen) Bremsen. Das Bahn- und Politik-Personal jeoch springt immer gerade noch rechtzeitig ab, bevor jemand den politischen S21-Tod stirbt.
Wer bei S21 nicht ähnlich hart aufzuschlagen will wie in Paris im Jahr 1895, wählt die Bremse Umstieg 21.
Die 400. Montagsdemo: 15.1.2018 ab 18 Uhr vor dem Stuttgarter Hbf
Den Flyer gibt's ab dem 4. Dezember in hoher Auflage bei den Montagsdemos und an der Mahnwache.
Plakate gibt's spätestens ab Freitag, 8. Dezember, bei den Montagsdemos und an der Mahnwache.
Umstieg 21 spart 5,4 Milliarden EUR
Pressemitteilung des Aktionsbündnisses gegen S21 vom 3.12.2017
Jetzt Mut zum Umsteuern!
Statt der von der DB behaupteten 7 Mrd. € Ausstiegskosten können bei einem Umstieg 5,4 Mrd.€ eingespart werden
Mit gezielten Desinformationen versucht die Bahn offensichtlich, den Weiterbau von Stuttgart 21 trotz Kostenexplosion und Zeitverzug ein weiteres Mal durchzubringen. Bereits die Nachricht, die Kosten stiegen erneut um 1,1 Mrd. €, hatte bundesweit Negativ-Schlagzeilen ausgelöst, obwohl Bundesrechnungshof und bahnunabhängige Gutachter die Kostenschallmauer von 10 Mrd. € längst erreicht, inzwischen vermutlich durchbrochen sehen. Um die aufkommende Ausstiegsdiskussion zu stoppen, lanciert die DB am 30. November, ein Ausstieg verursache aber Kosten von 7 Mrd. €. „Diese Zahl ist so absurd und durch nichts belegt, dass wir diesmal hoffen, Politik und Öffentlichkeit werden der DB nicht erneut auf den Leim gehen“, so Bündnissprecher Eisenhart von Loeper.
Der manipulative Umgang mit Zahlen ist ein inzwischen identifizierter Grund für das Fiasko von Großprojekten in Deutschland, namentlich bei Stuttgart 21. Schon 2011 hatte die DB mit der Horrorzahl von 1,5 Mrd. Ausstiegkosten negativ Einfluss auf die Volksabstimmung genommen. 2016 beruft sich die DB auf einen vermutlich bestellten Satz des von ihr beauftragten, bisher nicht veröffentlichten Gutachtens von KPMG/Basler, der die bisherige Sprachregelung der DB von 6,5 Mrd. € Projektkosten bestätigen sollte. Die Gesamtaussage des dennoch bekannt gewordenen Gutachtens läuft jedoch auf eine Kostenerwartung in der Größenordnung von eher 10 Mrd. € hinaus.
Im Oktober 2016 hatte das Büro Vieregg-Rössler in München im Auftrag des Aktionsbündnisses die Kosten eines Weiterbaus mit den Kosten eines Ausstiegs und Umstiegs im Sinne der Umnutzungsvorschläge des Konzepts www.umstieg-21.de verglichen (Anlage). Die reinen Ausstiegskosten wurden seinerzeit mit 1.8 Mrd. € beziffert, die Realisierung der vorgeschlagenen Umstiegsmaßnahmen mit 1,2 Mrd. €. Setzt man Baukostensteigerungen der letzten 14 Monaten sowohl in der Variante Weiterbau in Höhe von 1 Mrd. € als auch in der Variante Umstieg, max. 0,4 Mrd. € an, so ergibt sich, bezogen auf die seinerzeit realistischen Gesamtkosten von 9,8 Mrd. € ein Einsparvolumen durch einen Umstieg von ca. 5,4 Mrd. €, bezogen auf die von der DB zugegebene Kostenhöhe ein Einsparvolumen von immer noch 3,2 Mrd. €.[1]
Betriebswirtschaftlich gesehen, stellen steigende Kosten eines letztlich unwirtschaftlichen Projekts (hohe Risiken, Bahnhofsverkleinerung) ohnehin verlorene Kosten (sunk cost) dar, die sich mit jedem Tag Weiterbauen nur erhöhen. Deshalb kann es bei Stuttgart 21, anders als bei der Hamburger Elbphilharmonie oder der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm, keinen point-of-no-return geben.
Vor diesem Hintergrund fordert das Aktionsbündnis in einem an jedes Aufsichtsratsmitglied persönlich gerichteten Schreiben (Anlage), „jegliche Erhöhung des im März 2013 aufgestockten Kostenrahmens über 6,526 Mrd. € hinaus abzulehnen und den Projektpartnern mitzuteilen, dass eine Einigung über sinnvolle, kostensparende Alternativen zu S21 angesteuert werde.“
In diesem Sinne regt von Loeper an, den ExpertInnen der Bürgerbewegung in den geplanten Info-Workshops der DB zu Stuttgart 21 im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung am 13.12. Gelegenheit zu geben, ihre Alternativen vorzustellen. Ferner wird der Aufsichtsrat um eine vollständige Veröffentlichung des Gutachtens von PwC / Emch & Berger gebeten, um die spekulativen öffentlichen Debatten auf eine nachvollziehbare Grundlage zu stellen.
[1] Das Aktionsbündnis plant zur Aufsichtsratssitzung am 13.12. eine präzisierte Kostenvergleichsrechnung Weiterbau/Umstieg vorzulegen.
Infoveranstaltung des Aktionsbündnisses gegen S21: 4.12., 19:30 h, Forum 3
Infoveranstaltung des Aktionsbündnisses gegen S21
4. Dezember, 19.30 Uhr (nach der Montagsdemo) im FORUM 3
Die Bahn stolpert ihrem nächsten Offenbarungseid entgegen. Es wird wohl eher 2026 und es wird, "leider, leider" nochmal Milliarden teurer werden. Als wäre nichts, treibt OB Kuhn, freundlich flankiert von StZ/N, seine Planspiele zur Bebauung des Rosenstein-Areals voran. Auch die Dramatik der Klimaentwicklung scheint am Grünen OB vorbei gegangen zu sein.
Es gibt viel zu besprechen! Vor allem ...
- Was passiert am 13.12. in Berlin? Was machen wir?
- BVerfG-Urteil – neue Ansatzpunkte
- Sackgasse Filderplanung und unsere Alternative
- KlimaSkandal21: wir legen nach!
- Langfristiges fürs 1. Halbjahr 2018
- Verschiedenes nach Wunsch
Herzliche Grüße für das Aktionsbündnis von
Norbert Bongartz und Eisenhart von Loeper
BUND: Kosten, Artenschutz, Eidechsen & Propaganda
Der BUND-Regionalverband Südlicher Oberrhein hat uns auf einen Artikel mit dem Thema "Kosten, Artenschutz, Eidechsen & Propaganda" hingewiesen, auf den wir gerne verlinken.
Darin schreibt der BUND u.a.:
Die neue, geschickte und erfolgreiche PR-Strategie der Bahn ist es, mit den Kosten für den Artenschutz, vom eigenen Versagen und von den tatsächlichen Gründen der Kostensteigerung abzulenken. Kosten aus einer kleinen Nische des Projekts werden durch geschickte PR in den Medien gezielt aufgeblasen, um abzulenken. Sätze wie "Die Umsiedlung von Eidechsen kostet die Bahn ca. 15 Millionen Euro und verzögert Bauarbeiten am Projekt Stuttgart 21" stehen immer wieder in den Medien. Die PR-Abteilung der Bahn weiß, dass sich niemand vorstellen kann, wie viel 7,6 Milliarden Euro (7.600.000.000) im Vergleich mit den 15 Millionen sind. Die knapp 0,2 % Umsiedlungskosten machen fette Schlagzeilen, die von Umweltschützern vorhergesagten Probleme beim Anhydrit eher nicht. Der Bundesrechnungshof geht inzwischen von Kosten in Höhe von zehn Milliarden Euro (10.000.000.000) aus.
Von badischen und schwäbischen Eidechsen
Mit einer besseren Planung der Artenschutzmaßnahmen ließen sich diese Kosten massiv senken, sagen Eidechsen-Experten. Es stellt sich schon die Frage, warum die Umsiedlung von "badischen" Eidechsen auf der Rheintaltrasse der Bahn viel günstiger ist (StN), als bei der Umsiedlung "schwäbischer" Eidechsen bei Stuttgart 21.
SWR2 Forum: Unterirdisch – Das Drama um Stuttgart 21 (als MP3 nachhören)
Es diskutierten 44 Minuten lang:
- Prof. Dr. Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler, Universität Hohenheim
- Arno Luik, Autor beim Wochenmagazin "Stern", Hamburg
- Jürgen Waibel, Journalist, SWR Stuttgart
- Gesprächsleitung: Gregor Papsch
Die 396. Montagsdemo am 04. Dezember 2017
Die 396. Montagsdemo findet am 04. Dezember 2017 ab 18 Uhr auf dem Kleinen Schlossplatz in Stuttgart statt. Ab 18.40 Uhr beginnt der Demozug ausgehend vom Kleinen Schlossplatz, nach rechts auf die Theodor-Heuss-Straße (in Fahrtrichtung Arnulf-Klett-Platz), weiter auf die Friedrichstraße, dann nach rechts in die Bolzstraße, weiter nach links in die Königstraße (rechte Seite der Baumallee) zur Mahnwache, dort endet die Demo mit dem Schwabenstreich.
Redner:
- Hannes Rockenbauch, Stadtrat der Fraktionsgemeinschaft SÖS - LINKE - PLuS; "Neue Kostenexplosion bei Stuttgart 21"
- Michael Jung, Sprecher der Bürgerinitiative Prellbock-Altona; "Großprojekt Bahnhofsverlegung Altona – Hamburgs Stuttgart 21"
Motto: Wir lassen nicht locker!
Musik:
Moderation: Jürgen Horan, Kernen 21
Karikatur zur Kostensteigerung
Rosenstein: Werden wieder Bäume gefällt?
Wie Fotograf und Reporter Wolfgang Rueter mitteilt, ist wieder einiges am Rosensteinhang zugange. Soll dort wieder eine Baumfällaktion stattfinden? Nachstehend sein Bericht:
Bäume und Wiese am FFH-Rosensteinhang mit Bauzaun eingezäunt
Alarmstufe Rot: Heute, 28.11.2017, wurde eine größere Fläche des Rosensteinhangs zwischen B10-Rosensteintunnel und Portal Alter Rosenstein-Eisenbahntunnel entlang des Zanthwegs mit Bauzaunelementen eingezäunt. Hier ist der Hang mit Bäumen, teilweise mit rd. 40 bis 50 cm Duchmesser, und mit Sträuchern dicht bewachsen.
Ferner wurde eine Wiesenfläche unterhalb Schloss Rosenstein am Zanthweg eingezäunt. Außerdem quert hier der Bauzaun den vom Zanthweg hoch führenden „Serpentinenweg“ zum Schloss Rosenstein und versperrt diesen somit. Auch ist der Zuweg zum Eingang des Alten Rosenstein-Eisenbahntunnel durch den Bauzaun versperrt. Die Arbeiten begannen heute Vormittag und waren mit Einbruch der Dunkelheit soweit fortgeschritten, wie es die Fotos zeigen. Ein Sichtschutz, wie auf der Ladefläche des Miettransporters in Bild 2 zu sehen, wurde noch nicht angebracht. Es ist zu befürchten, dass hier kurzfristig Baumfällen stattfinden werden. Gibt es für diesen Eingriff in ein FFH-Schutzgebiet überhaupt schon eine Genehmigung? Findet dieser Eingriff illegal statt?
Fotostrecke: http://reporterderstrasse.de/fotogalerie/index.php?/category/125
[UPDATE 30.11., 17 Uhr]
Aktuell wird dort eine Telekommunikationsleitung verlegt. Ob tatsächlich auch noch Baumfällungen anstehen, ist zur Stunde noch unbekannt.
Erneute Kostensteigerungen offenbaren grundsätzliche Krise von Stuttgart 21
Presseerklärung des Aktionsbündnisses gegen S21 vom 29.11.2017
Erneute Kostensteigerungen offenbaren grundsätzliche Krise von Stuttgart 21
Jetzt kein Weiter-so!
Nach Auffassung des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 zeigt die jetzt durchgesickerte Kostensteigerung, dass Stuttgart 21 in eine finale Krise rutscht.
Die genannten 1,1 Mrd.€ Mehrkosten sind allerdings wieder nur ein Teil der Wahrheit. Indirekt aus dem 2016 selbst beauftragten Gutachten von KPMG/Basler und direkt aus den Berichten des Bundesrechnungshofs wissen DB und politisch Verantwortliche, dass die Kosten längst auf 10 Mrd.€ zusteuern sind. Auch interne Zeitpläne der DB kalkulieren Verspätungen bis 2025/26 ein. Das Kalkül dieser scheibchenweisen Eingeständnisse sei, so Bündnissprecher Eisenhart von Loeper, sich vor der längst überfällige Ausstiegsdiskussion zu drücken.
„Wir erwarten, dass die DB das nun vorliegende Gutachten von PWC umgehend der Öffentlichkeit zugänglich macht“, fordert von Loeper. Nach der jüngsten Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts vom 7. November könne sich die DB nicht mehr hinter ihrer privaten Rechtsform verstecken, sondern müsse sich was Transparenz anbelangt an den für öffentliche Unternehmen geltenden Maßstäben orientieren.
Falls Bahn-Vorstand und Aufsichtsrat den Finanzrahmen, wie wohl vorgesehen, erneut erhöhen wollen, stelle sich „in dramatischer Weise die strafrechtliche Haftungsfrage“, so Jurist von Loeper.
Weder Artenschutz noch völlig überraschende Preissteigerungen für Bauleistungen, sondern die Fehlplanung des Projekts insgesamt und in vielen Teilaspekten sind der Grund für Verzögerungen und Kostensteigerungen. Weiterhin fehlen der Bahn etliche Baugenehmigungen, allein im Bauabschnitt Tiefbahnhof waren 18 Planänderungen erforderlich, ein Ende ist nicht absehbar. Auf den Fildern beim Flughafenanschluß steht die Planung vor einer vollständigen Revision mit ganz neuen, Jahre dauernden Planfeststellungsverfahren.
Statt bei jeder Kostensteigerung routinemäßig Krokodilstränen zu vergießen, sollten sich die Verantwortlichen nicht weiter von der DB mit taktischen Teilzugeständnissen an der Nase herumführen zu lassen, sondern sich mit den längst vorliegenden Umstiegskonzepten auseinandersetzen. Insbesondere die grünen Verantwortungsträger in Stadt und Land müssen sich fragen, wie lange sie dieses unwürdige Spiel noch mit verantworten wollen. Bei einem Umstieg würden der Stadt viele weitere Jahre Verkehrschaos erspart, die Feinstaubbelastung ließe sich senken, dem Klima würden viele Millionen Tonnen Treibhausgase erspart, ein nicht mehr korrigierbare Engpass im Bahnverkehr würde vermieden und 3 bis 4 Mrd. € ließen sich einsparen – um so viel nämlich wäre ein Umstieg auch jetzt noch günstiger als der Weiterbau ins Chaos hinein.










