Freundinnen und Freunde einer lebenswerten Stadt, liebe unentwegte Obenbleiberinnen und Obenbleiber,
im Leben von jedem von uns gibt es Tage, die vergisst man nicht. Tage, an denen sich die Zeit teilt in ein Davor und Danach. Der 30. September 2010 war für mich so ein Tag.
Das Davor:
Ein Jahr des Protests mit wöchentlichen Montagsdemos, damals unter der Federführung des unvergesslichen, knorrig-standhaften Gangolf Stocker, der mir in jener Zeit ein guter Freund geworden ist. Unser Schlossgarten mit seinen uralten Bäumen stand von Anfang an im Zentrum dessen, was wir schützen wollten, ja, eigentlich war er der Auslöser unseres Widerstands, für mich jedenfalls kann ich das sagen. Unzählige Initiativen sprossen im Sommer 2010 aus dem Schlossgartenboden wie Pilze, wir waren ständig auf der Straße, wir dachten an nichts anderes mehr als an „unseren Bahnhof, unseren Park, unseren Widerstand“, und am Anfang sah es gar nicht schlecht aus für uns.
Als die Demos im Sommer 2010 hohe fünfstellige Zahlen erreichten, hätte wohl jeder von uns wie damals Sabine Leidig „ihre oder seine Hand dafür ins Feuer gelegt“, dass das Milliardenprojekt in den Orkus geschickt werden würde. Doch wir hatten die Rechnung ohne unsere Obrigkeit gemacht, einen hamsterbäckigen skrupellosen Ministerpräsidenten und sein Kabinett, und eine schwache, der Staatsmacht willfährige Polizei.
Ein Gespenst ging um in unserem Schlossgarten und raunte uns von der drohenden Rodung desselben ins Ohr. Wir haben angefangen, uns vorzubereiten für den Ernstfall, den Tag X, haben Parkschützeralarm per SMS geprobt, sind nächtelang im Park patrouilliert, manche haben dort geschlafen. Das war das Davor. weiterlesen






