Offener Brief: Erhalt der Feuerbacher Trauerweide

Offener Brief an Jörg Hamann, Leiter Kommunikation und Sprecher der Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm: Erhalt der Feuerbacher Trauerweide

Sehr geehrter Herr Hamann,

Sie waren gestern vor Ort an der Trauerweide am Feuerbacher Bahnhof so freundlich, Bürgerfragen zum Ortstermin an der Trauerweide und zum weiteren Vorgehen der Bahn zu beantworten und boten an, auch für weitere Nachfragen Rede und Antwort zu stehen.

Dieses Angebot möchten wir als Bürger der Stadt Stuttgart und Unterstützer der Feuerbacher Initiative für K21 gerne wahrnehmen.

Von Frau Kaiser kam gestern mittag gegen 13h noch folgende Mail, die von der Bezirksvorsteherin Frau Klöber weitergeleitet wurde und in cc auch an Herrn Smigoc vom Rechtsamt der Stadt Stuttgart (Projektleitung Stuttgart 21) ging.

"(...) anbei folgende Rückmeldung meines Kollegen zum heutigen Ortstermin an der Trauerweide zwischen Vertretern der Bahn, der Stadt und einem "DEKRA-Sachverständiger für Bäume“;

Erneut wurde gemeinsam der betroffene Bereich begangen und dabei die Möglichkeiten für einen alternativen Kranstandort sowie die sonstigen Randbedingungen für die Bauausführung ausführlich besprochen. Die Bahn hatte bekanntlich zugesagt, für den Erhalt der Trauerweide bzw. einen alternativen Kranstandort untersuchen zu lassen. Die am 30.10.15 und 19.11.15 angedachten Optionen sind jedoch noch nicht abschließend untersucht worden. Nach dem heutigen Termin beabsichtigt die Bahn eine abschließende Entscheidung zu treffen.

Hier schon ein erster Presse-Bericht.

Sobald mir weitere Informationen vorliegen, werde ich Sie darüber in Kenntnis setzen.

Mit freundlichen Grüßen
Alice Kaiser
Bürgerbeauftragte der Stadt Stuttgart für Stuttgart 21"

Hierzu hätten wir einige Fragen:

Können Sie bitte darstellen, was die am 30.10. und 19.11. angedachten Optionen für den Erhalt der Trauerweide und einen alternativen Kranstandort sind, die hier erwähnt werden? Am besten mit Karten oder Skizzen, aus denen diese Standorte hervorgehen, oder genauer Bezeichnung, damit für die Bürgerschaft nachvollziehbar ist, was überhaupt an Alternativen geprüft wurde.

Wenn diese Optionen noch nicht abschließend geprüft wurden, wie kann dann nach dem gestrigen Termin bereits eine Entscheidung seitens der Bahn fallen?

Des weiteren möchten wir gerne wissen, welche Änderungen in der Bauplanung konkret dazu geführt haben, dass die ausdrückliche Zusage der Bahn von 2013, die Trauerweide zu erhalten, im Herbst 2015 für die Feuerbacher völlig überraschend wieder zurückgenommen wurde. In der ursprünglichen Vorstellung der Planung für die Fußgängerunterführung am Bahnhof Feuerbach in der Bezirksbeiratssitzung Feuerbach vom 24.02.2015 durch Abschnittsleiter Ekkehard Lay war noch keine Rede davon, ebenso wenig in der ausführlichen Bürgerinformationsveranstaltung Feuerbach am 21.04.2015.

Auch aus den in diesen Veranstaltungen gezeigten Plänen war das nicht erkennbar.

Wir erinnern an die relevanten Pressemitteilungen von 2013:

[1] Presseinformation: Bahn fällt im Bezirk Untertürkheim derzeit 40 Bäume. Grünschnitt- und Baumfällarbeiten laufen planmäßig bis zum Ende der vegetationsfreien Zeit (Stuttgart, 12. Februar 2013)

Zitat: "Am Bahnhof Feuerbach wird eine stadtbildprägende Trauerweide während der Bauzeit mit einer Sicherung umbaut."

[2] Presseinformation: Bahn nutzt die anstehende Fällperiode für Stuttgart 21-Baustellen. Grünschnitt- und Baumfällarbeiten bis zum Ende der vegetationsfreien Zeit
(Stuttgart, 7. Oktober 2013)

Zitat: "Durch die Optimierung der Planungen wurden Spielräume geprüft, um weniger als ursprünglich in den Planfeststellungen genehmigt, in Grünbereiche einzugreifen: „So kann beispielsweise entgegen ursprünglichen Planungen die stadtbildprägende Trauerweide am Feuerbacher Bahnhof stehen bleiben“, sagt der Projektsprecher Wolfgang Dietrich.

Tabelle auf der Rückseite: Grünarbeiten Okt 2013 bis 28.Februar 2014
Bhf Feuerbach: Rd.150 Bäume mit einem Stammdurchmesser von 0,1 bis 0,5 m
4 Bäume mit einem Stammdurchmesser von 0,5 bis 0,6 m. Trauerweide bleibt stehen

Bitte stellen Sie konkret dar, welche Lösung für die Aufstellung des Kranes im Zuge der Optimierung der Planungen damals gefunden wurde, sodass verkündet werden konnte, dass die Trauerweide stehen bleiben kann, und was der Umsetzung der damals gefundenen Lösung heute im Wege steht.

Für den Erhalt der Trauerweide haben sich inzwischen nicht nur zahlreiche Bürgerinnen und Bürger in Eingaben an die Bürgerbeauftragte Frau Kaiser und die Stadt (Gelbe Karte) eingesetzt, sondern auch politische Entscheidungsträger, und zwar unabhängig von ihrer Einstellung zu Stuttgart 21 und über Parteigrenzen hinweg. Dazu gehören die Bezirksvorsteherin von Feuerbach, Frau Klöber, der Bezirksbeirat Roland Saur, der Bau- und Umweltbürgermeister Pätzold, Herr Kirchmaier vom Gartenamt. Die Fraktionsgemeinschaft SÖS-LINKE-PluS hat am 23.11. im Gemeinderat einen Antrag "Trauerweide am Feuerbacher Bahnhof erhalten" eingebracht, http://soeslinkeplus.de/2015/11/trauerweide-am-feuerbacher-bahnhof-erhalten/

In vier Protest-Frühstücken am Dienstag früh im „Feuerbacher Weidencafé“ (Café Salix) haben wir die Bevölkerung auf die akute Bedrohung der Trauerweide durch die Pläne der Bahn aufmerksam gemacht, die lokale Presse hat ausführlich berichtet.

Die Nord-Rundschau rügte den "Zick-Zack-Kurs der Bahn in Sachen Trauerweide",
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.bahnhof-in-stuttgart-feuerbach-zickzack-kurs-der-bahn-beim-thema-trauerweide.ea86b565-e45e-4b35-ba06-931155b43c17.html

Pfarrer Hans-Eberhard Dietrich wurde mit den Worten "Es muss doch machbar sein, die Baustelle so zu planen, dass die Trauerweide erhalten bleibt" zitiert. "Es hat mich sehr gewundert zu hören, dass die Trauerweide nun doch weichen soll. Ich bin absolut dagegen!" ... "Für eine vorübergehende Baustelleneinrichtung diesen Baum zu opfern, halte ich nicht für verhältnismäßig", meinte Bezirksvorsteherin Klöber, die sich auch schon 2013 für den Erhalt des Baumes eingesetzt hatte. (https://pbs.twimg.com/media/CS_jxYMWUAA8re0.jpg:large) "Sollte die Silberweide tatsächlich gefällt werden, wäre dies ein herber Verlust, meint auch Bernhard Kirchmaier vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt.

In einem Leserbrief in der Nord-Rundschau vom 6.11.2015 ("Der Baum ist ein Wahrzeichen", https://pbs.twimg.com/media/CTJuwgjXAAAd4cK.jpg:large) heißt es, "Manche junge Pflanze hat aufgrund der veränderten klimatischen Bedingungen gar nicht mehr die Chance, sich gesund zu entwickeln, Platanen werden erst gar nicht mehr gepflanzt und wasserliebende Weiden hätten an einem innerstädtischen Standort auch keine Chance mehr. Aber genau dort wird die Weide gebraucht. (...) Deshalb ist es besonders wichtig, identitätsstiftende Natur- und Kulturdenkmäler vor Ort zu erhalten. Sie können Altes und Neues verbinden."

Und am 11.11. berichtete das Wochenblatt nochmals ausführlich über die Proteste vor Ort und ihre ersten Erfolge ("Einstweilige Erleichterung". Die Bahn will die Trauerweide vor dem Bahnhof jetzt doch stehen lassen - vorerst.), http://issuu.com/s-i-r/docs/20151111_feu_stw (S.4), s.a. Scan im Anhang.

Es heißt dort: Davon abgesehen, dass der alte Baum das Bild des Stadtbezirks präge, bezweifelte Roland Saur (SÖS-Linke-Plus), dass die von der DB gewünschte Maßnahme aus sicherheitstechnischen Gründen überhaupt zulässig sei. "Der Hochkran, für den der Baum weichen soll, müsste die zu transportierenden Lasten ständig über die Hochspannungsleitungen heben", erläuterte er seine Bedenken. Aber selbst wenn es möglich wäre, stünde der Kran zu nahe an der einzigen Fußgängerunterführung, die Feuerbach-Ost und Feuerbach-West verbindet und zu nahe an der neuen Baustraße, die zur Rettungszufahrt führt.

Auch das leidenschaftliche Plädoyer von Petra Brixel, Lehrerin in Feuerbach, für den Erhalt der Trauerweide möchten wir hervorheben und Sie bitten, dies nachzulesen:

Feuerbachs "alter Freund" bedroht / Petra B(rixel), (BAA, 1.11.2015)

In der letzten Bezirksbeiratssitzung am 17. November wurde im Zusammenhang mit der Vorstellung der Ergebnisse der Bürgerbeteiligung zum Quartier am Wiener Platz auch die Freiraumplanung angesprochen (Bericht: http://www.schaeferweltweit.de/trauerweide-am-feuerbacher-bahnhof/) Roland Saur forderte die Einbeziehung der Trauerweide am Bahnhof als stadttteilprägenden Baum und Bezugspunkt vieler Feuerbacher. Bezirksvorsteherin Klöber betonte nochmals, sie hätten sich alle geschlossen dagegengestellt, dass der Baum gefällt wird, von Interessengruppen bis hin zu städtischen Stellen und dem Bau- und Umweltbürgermeister. Sie hoffe sehr auf einen positiven Ausgang. In der Veranstaltung wurden Pläne für die Gestaltung des Quartiers am Wiener Platz gezeigt, die den Erhalt von Bäumen vorsehen, welche die Bahn inzwischen längst gefällt hat. Allein in Feuerbach waren das in 2013 etwa 150 Bäume. Die Trauerweide ist als einer der letzten Bäume übriggeblieben. Es kann und darf nicht sein, dass die Bahn ein weiteres mal ihre Versprechen bricht und den Feuerbachern auch noch diesen schönen alten Baum nimmt.

Nur absolute Transparenz hilft in dieser Frage weiter, um zu Lösungen zu kommen, die es ermöglichen, den Baum zu erhalten. In diesem Sinne ersuchen wir Sie um Beantwortung der gestellten Fragen und die Offenlegung der angedachten alternativen Planungen und der Ergebnisse der bisherigen Prüfungen.

Herzlichen Dank im voraus!

Mit freundlichen Grüßen,
Bernd-Christoph Kämper (für die Initiative Feuerbach für K21)

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2 Kommentare zu Offener Brief: Erhalt der Feuerbacher Trauerweide

  1. Petra B. sagt:

    Danke für diesen offenen Brief nicht nur im Namen der Feuerbacher Gruppe für 21, sondern auch im Namen vieler Feuerbacher Bürger. Eigentlich spricht es Hohn, dass zur gleichen Zeit, wie Politiker, Wissenschaftler und Umweltschützer in Paris um die Rettung des Klimas ringen, wie die Millionenstadt Peking im Smog versinkt und Stuttgart den unehrenhaften Titel der Feinstaubhauptstadt Deutschlands umgehängt bekommt, … dass zur gleichen Zeit ein Feinstaubfilter und Sauerstoffproduzent erster Güteklasse – die Trauerweide in Feuerbach – einem Baukran weichen soll. Wie ignorant muss man sein, um sich so einen Unfug auszudenken? Da wollen die einen Politiker nach Lösungen für die Rettung des Klimas suchen und die anderen Politiker (daheim) sind nicht einmal in der Lage, einen alternativen Standort für einen Kran zu suchen (wenn man es denn will) und zu finden. Diese Aufgabe ist eine Petitesse gegenüber der Rettung des Weltklimas.

  2. Thomas sagt:

    gibts schon nähere Alarminfos?

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