Peter Grohmanns Wettern der Woche
Früher war auf die Kirche und ihre Leute Verlass, vor allem, was die Politik anging: Kein Wahlsonntag ohne vorherigen Kirchenbesuch, keine Wahl ohne die Drohung von Fegefeuer und Hölle für jene, die das Kreuz an der falschen Stelle machen. Und heute? Aus der Traum, aus die Maus. Jahrhundertelang galt die Kirche als Steigbügelhalter der Mächtigen und Reichen, als Schutzheilige des Kapitals, die überall ihre Finger im Spiel hatte - bei den Katholischen mit dem Papst als Stellvertreter Gottes. Das kam mir schon im Kindergottesdienst als etwas zu hochgegriffen vor. Aber damals war ich noch nicht in der Lage, das Gegenteil zu beweisen. Heute kann ich es. Ich habe nämlich einen Lieblings-Heiligen-Vater, beobachte seinem Werdegang, weiß um seine Herkunft und Zukunft. "Da kannste aber auch nich jed's Woord auf die Goldwaache legen!", mahnt meine Omi Glimbzsch gern, wenn wir uns in der Adventszeit ans Studium der Heiligen Schriften machen, die päpstlichen Enzykliken hernehmen u.v.a.m. Da gefällt einem eben die eine mehr als die andere. Meine Lieblingsenzyklika ist die 275 Jahre alte Vix pervenit vom November 1745 - ein Aufschrei gegen den Wucher, der darin bestünde, für ein Darlehen mehr zurück zu verlangen, als man gegeben hat. Der Friedrich Merz würde sich im Grabe rumdrehen, politisch gesehen, wenn er das wüßte! weiterlesen







