Rede von Andreas Kegreiß, Fahrgastverband Pro Bahn, auf der 251. Montagsdemo am 15.12.2014
S-Bahn zwischen Anspruch, Ignoranz und Wirklichkeit – und was das mit S21 zu tun hat
Liebe Freunde, liebe Rechthaber, weil ihr das Projekt zu kritisch begleitet, liebe S-Bahn-Fahrer,
„Ja, mach nur einen Plan! Sei nur ein großes Licht! Und mach dann noch ’nen zweiten Plan. Gehn tun sie beide nicht.“ Dieses Brecht-Zitat beschreibt zutreffend die Situation, in der sich die S-Bahn hier in der Region befindet. Es beschreibt den Versuch, die Verspätungen in den Griff zu bekommen, das Geschachere um den Filderbahnhof Plus und vieles mehr.
Täglich wird uns schonungslos aufgezeigt, dass der Anspruch, nach Fahrplan zu fahren, nicht zur Wirklichkeit passt. Die S-Bahn ist so unpünktlich wie nie zuvor. Die Gründe sind unterschiedlich, und ganz lassen sich Störungen nicht vermeiden. Interessant ist aber, dass die Deutsche Bahn auf der Homepage im Textteil bei den Erklärungen zur Pünktlichkeit die mutwilligen „Eingriffe in den Bahnverkehr“ und „Personen im Gleis“ noch vor den „Infrastrukturproblemen“ nennt, die nun mal ganz offensichtlich für immer mehr Großstörungen verantwortlich sind. Dazu kommt der neue Triebwagen ET430 mit den verlängerten Türöffnungszeiten, übersensiblem Schließvorgang und 6 cm mehr an Einstiegshöhe, was für Rollstuhlfahrer auch bei ausfahrbarem Schiebetritt zu hoch ist, und dennoch die Rampe angelegt werden muss. In der Hauptverkehrszeit ist das System bereits instabil.
S21 ist dabei direkt das Fehlen von Redundanzen im System und Einschränkungen durch Baumaßnahmen zuzuschreiben. So hatten beispielsweise Veränderungen der Gleisbelegung im Kopfbahnhof Auswirkungen auf die Fahrstraßen nach Bad Cannstatt, was sich aber durch Verlagerungen auf die Fernbahngleise beheben lässt. Der kurze Mischverkehr von unter zwei km ist eben nicht so problematisch wie von der Pro Seite propagiert.
Wegen falscher Priorisierung auf S21 wurde in der Region Stuttgart die Instandhaltung hintangestellt. Das Kleinreden, das Ignorieren von Problemen erinnert an S21, es sind ja auch dieselben Macher. In einem Argumentationspapier für S21 schreibt der Verband Region Stuttgart (VRS): „Weil die S-Bahnen, die aus Richtung Feuerbach und Bad Cannstatt kommen, auf ‚eigenen‘ Gleisen zum Hauptbahnhof fahren, wird die Fahrplanstabilität der S-Bahn besser.“ Das Gegenteil ist der Fall, aber so konnte man das Problem auch etwas aussitzen.
Anstatt endlich wirksame Maßnahmen einzuleiten – das 15-Punkte-Papier des VCD (Verkehrsclub Deutschland) ist noch nicht mal hinreichend bewertet – veranstaltet der VRS bald wieder einen weiteren „S-Bahn Gipfel“, bei dem wieder Absichtserklärungen begrüßt werden wollen. Im Juni 2014 wurde dort noch berichtet: „Verbesserungen bei Pünktlichkeit und Verspätungsminuten im 1. Halbjahr 2014 zeigen erste positive Wirkungen der Maßnahmen.“
Dabei zeigt der Blick von den bisherigen Gipfelhöhen hinab in die Niederungen weiterlesen
















