„Mit dem Kenntnisstand von heute würden wir das Projekt Stuttgart 21 nicht noch einmal beginnen.“ Dies war die Erkenntnis von Bahnchef Grube im März 2013 bei der Aufsichtsratsitzung der DB. Zweieinhalb Jahre später ... gibt es einen neuen Erkenntnisstand? Es sieht nicht so aus. Was folgte daraus? Nichts. Also: Weitermachen wie bisher, Geld spielt keine Rolle, Stadtzerstörung auch nicht, Risiken erst recht nicht. Es spielt überhaupt nichts eine Rolle, also wird das Projekt am Laufen gehalten; denn solange es sich bewegt, wird Geld gedruckt für die Projektbetreiber. Ist es nicht wie im Schlaraffenland? S21 als Gelddruckmaschine für Firmen und Investoren, die daran beteiligt sind.
Zynismus mag eine psychologisch scharfe Waffe sein, doch damit lässt sich S21 nicht stoppen. Das wissen auch die S21-Gegner, die sich jeden Dienstag ab 7:00 vor einem der Bautore an der Baustelle am Hauptbahnhof treffen. Sie protestieren dort gegen das Projekt mit Worten, Flyern und Bannern. Es ist eine als Versammlung anerkannte Demonstration. Seit einigen Wochen findet sie dienstags vor dem Nordausgang am Kurt-Georg-Kiesinger-Platz statt. Hier werden all die Menschen erreicht, die jenseits des Platzes in den Büros am Mailänder Platz arbeiten und morgens schnellen Schrittes an der Baustelle vorbei zu ihren Arbeitsstellen streben. Gespräche kommen zwar nicht zustande, man hetzt zur Arbeit, doch Flyer werden mitgenommen.
„Da kann man doch nichts mehr machen, es ist vorbei, sie bauen“, sagte eine Dame im Vorbeigehen. Es ist erstaunlich, wie wenig sich „der Bürger“ zutraut. Doch Fatalismus zieht sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte. Schon vor knapp 500 (!) Jahren schrieb der Philosoph und Politiker Michel de Montaigne (1533-1592): „Ich war immer erstaunt, dass Könige so leicht glauben können, sie bedeuteten alles, und dass das Volk so leicht glaubt, es bedeute nichts.“ weiterlesen →